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Beste erzitterten und der lockere Schnee vonZweig und Reiß im lichten Flockenregen her-nicderfiel. Gleichzeitig stürzten die Hundehinzu, die nur um so wüthender auf den Rin-genden eindrangen, je mehr er sie mit demBeile abzuwehren suchte; indeß schickte sichaber der Jager an, die Büchse von neuem zuseinem Verderben zu laden.
Jetzt steigerte sich die Angst des Bedrohtenbis zum Wahnsinn. In der Verzweiflung umsein gefährdetes Leben sprang er in einigenSätzen bis dicht vor den Schützen und führte,ehe dieser Zeit zur Besinnung und zum Aus-weichen bekam, mit der Schneide des Beilseinen so gewaltigen Streich nach dessen Haupt,daß er blutend zur Erde stürzte und nach we-nigen Minuten röchelnd den Geist aufgab.Als das Schreckliche geschehen, wurden dieRüden scheuer, ließen ab von ihrem Tobenund Wüthen und leckten nur noch furchtsamdas warme Blut ihres Herrn von der klaf-fenden Wunde; unterdessen gelang es aber demMörder, ohne Nachstellung zu entkommen.
Als der Holzfrevler, der inzwischen ängstlicham Waldsauine lauerte, das Hundegebell undden Schuß aus der Ferne vernahm, dankte erder Vorsehung, daß ihn die Elster noch zurrechten Zeit gewarnt und vor Unglück bewahrthabe. Als es aber wieder stille geworden war,wagte er es dennoch nicht, in den Wald zurück-zukehren, sondern begab sich nach seiner dürf-tigen Hütte, wo man seiner Ankunft mit einemBündel Holz sehnsuchtsvoll harrte. Das armeWeib, elend getäuscht, weinte Thränen vorJammer über Mangel und Noth der Kleinen,die zusammengekauert und schnatternd vor Kälteim Winkel saßen.
Die an dem Jäger verübte blutige Thatkonnte nicht lange verborgen bleiben und führtenoch an demselben Tage zur Entdeckung. Eskonnte auch nicht ausbleiben, daß sich der ersteVerdacht auf den Armen lenkte, dessen blutge-tränktes Beil man neben der starren Leichefand, und so geschah es denn, daß dieser alsverdächtiger Mörder ergriffen und eingekerkertwurde. Das Werkzeug des Mords konnteund wollte er als sein Eigenthum nicht ab-leugnen, und im Uebrigen erzählte er denVorgang, so weit er ihn betraf, ganz derWahrheit gemäß, gestand mit ruhigem'Gewissenden versuchten und gestörten Holzfrevel wieauch seine Flucht freimüthig ein, betheuerteaber dabei, die Art liegen gelassen, den Jägeraber gar nicht zu Gesicht bekommen, geschweigegemordet zu haben. Aber weder seine Seelen-ruhe noch die heiligsten Versicherungen seiner
Schuldlosigkeit konnten ihn vor seinem Unter-gang bewahren; er wurde zuletzt der That alsüberführt erkannt, und nach der ganzenStrenge des Gesetzes zum Tode verurtheilt.
So saß nun der verkannte arme Sündernach Verkündigung des Nichterspruchs inThränen gebadet in seinem harten Kerker, woman ihm noch drei kurze Tage zu leben gönnte,um sein Gewissen zu reinigen, sich, mit demlieben Herrgott auszusöhnen und überhaupt, !um sich zum letzten Gange vorzubereiten. Mit !seinem Gewissen war er aber längst im Reinen,denn er trug ja keine Schuld im Herzen, erklagte daher nur gegen die Härte seinesunverdienten traurigen Schicksals und lobtedennoch Gott mit williger Ergebung in dasUnvermeidliche. Unausgesetzt betheuerte eraber seine volle Unschuld an dem Verbrechen ivor allen Menschen, die zu ihm in die Eisen- !zelle kamen, und hoffte im Stillen, daß desHimmels Gerechtigkeit sein Verderben nicht !zulassen könne und sich vor dem bedrohten >Untergange seiner erbarmen müsse.
Am meisten beugte den Unglücklichen derKummer über Weib und Kinder nieder, auswelche nach seinem Ende das schmachvolle An-denken eines Mörders und Gerichteten über-gehen sollte, und dieser nagende Wurm anGeist und Körper ließ ihm nicht einmal dieRuhe mehr, den trüben Sinn im kurzenSchlafe zu verscheuchen. Hingestreckt auf demelenden Strohlager und mit schweren Kettenbedeckt, hob er von Zeit zu Zeit die Armekrampfhaft in die Höhe, indem er sein Stoß-gebet an den Himmel richtete, von welchem erallein noch Erlösung von seinen Todesqualen jhoffte. !
Da öffnete sich Plötzlich in der Nacht diegewichtige Eisenthüre des Kerkers, die sonstnur klirrend und knarrend auf^ing, ohne jedes !Geräusch, und vor dem Geprüften in Ketten-last stand ein Mann in der gewöhnlichen ^Tracht des Landes, aber groß wie ein Riese ^und mit einem langen grauen Barte, welcher ^sprach:
„Erschrecke nicht vor mir, Unglücklicher, !
denn ich bin gekommen, dir Trost im Leid zu ibringen, damit du in deiner Standhaftigkeitdes Glaubens nicht unterliegst; nimmermehr !
sollst du untergehen unter dem Urtheilsspruchekurzsichtiger Menschen. Ich kenne deine ganzeUnschuld, und dein Elend hat Erbarmen ge-funden vor mir, vertraue darum auf mich, ichwerde dich zur rechten Zeit erretten. In derletzten Nacht vor Ablauf der dir gegönntenLebensfrist werde ich wiederkommen und dich -