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Das leere Grab.
Ein neues Märchen vom Mbezalsi.
Hn vielen Gegenden Deutschlands istunter dem Volke der Glauben verbreitet, daßdie Elster als eine Vorbedeutung erscheine,und wo sie sich mit ihrer krächzenden Stimmevernehmen lasse, eine Warnung vor nahenderGefahr verkünde. Am stärksten sind von diesemWahne die Wilddiebe und Holzfrevler befangen,die in dem Gekrächze dieses Vogels das Heran-ziehen des Jägers erkennen wollen und dannnicht versäumen, sich zu verstecken oder denOrt ihres Frevels flüchtig zu verlassen.
Ebenfalls von diesem Glauben durch-drungen, stand einmal im harten Winter einarmer Schlucker im Walde des niederen Harzeshoch oben auf den Aesten einer Föhre, eifrigmit dem Beile beschäftigt, sich einen Ast Holzvom Stamme zu trennen. Er that es, umdamit seine armselige Wohnung bei der großenKälte erwärmen und das frugale Kartoffel-mahl für seinen Hausstand genießbar bereitenzu können. Da erhob sich nicht fern von ihmdie Elster von den schneebestrcuten Aesten undflog krächzend von dannen. Dadurch erschreckt,und da die bereits abgehauenen Zweige ver-rathend auf dem mit Schnee bedeckten Bodenumherlagen, schaudernd vor der nahen Gefahrvom Jäger entdeckt zu werden, stieg er inbebender Angst eiligst vom Baume herunter jund floh in entgegengesetzter Richtung, von wo !er die Gefahr vermuthcte, dem Waldsaume zu. !Bei seiner hastigen Eile vergaß er aber dasBeil von der Erde aufzuraffen, das er vorherschon hinabgeworfcn hatte, um leichter vomBaume hinunter steigen zu können.
Einige Minuten kaum hatte sich der Armeentfernt gehabt, da erschien auf der von ihm
verlassenen Stelle ein anderer Geselle von zer-störtem Aeußeren und triefend von Schweiß.Dieser, ein gefährlicher Wildschütze, von denHunden des Försters in seinem Hinterhalt auf-gespürt und verscheucht, versuchte sich ebenfallsdurch die Flucht zu retten. Der Jäger mitseinen Rüden verfolgte aber die Richtung desFlüchtlings unverändert und die Hetze wardiesem schon ganz nahe auf dem Nacken, alser den Ort erreichte, wo kurz vorher derHolz-srevel begangen worden war. An ein Ent-rinnen war jetzt nicht mehr zu denken. Insolchen Momenten reist in der Regel der Fluchder bösen That und auch der entschlosseneWilddieb zauderte nicht in der Wahl, sich zuergeben oder sich zur Wehre zu setzen, und soschnell er das Gefahrvolle seiner Lage über-schaute, eben so schnell stand er bereit, es mitseinen Verfolgern aufzunehmcn. Das kurzeSchießgewehr hatte er aber früher schon, alser sein Heil noch in der Flucht zu gewinnenvermeinte, als lästiges Hinderniß von sich ge-schleudert und cs ist wahrscheinlich, daß er sichschon eher zum Kampfe angeschickt habenwürde, wenn er die entbehrte Waffe noch zurSeite gehabt hätte.
Da fiel nun des Geängstigten Blick aufdie zurückgelassene Handart des vor ihm ent-ronnenen Holzdiebs und ehe er sie erfassenkonnte, stand ihm der Jäger in gerechterSchußweite gegenüber, eben im Begriff, dasmörderische Blei aus seiner Büchse auf ihnabzusenden. Beim schnellen Niederbücken ver-änderte er aber das Ziel für den abdrückendenSchützen und die Kugel schlug über seinemKopfe weg in den Baumstamm ein, daß die
Märchen und Taqen X.
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