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[1] (1857)
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Fluch beladen, auf dem Felsen weilen undihre Unthaten treiben, bis der Zauber ge-brochen, ich aber ward zum Hüter jener Grab-stätte bestellt und sehne mich nach Ruhe.

In jener Kapelle weilt Satan, die SchärpeBertrams um die Lenden gewunden. Diesemußt du ihm entreißen und damit in denGerichtssaal eilen, wo deinem Gatten dasLeben abgesprochen werden soll. Vollbringstdu dieses, so ist Bertram gerettet und derZauber gebrochen. Doch nimmermehr würdestdu dazu im Stande sein, ohne einen geheilig-ten Gegenstand, den ick zu diesem Zwecke seitdrei Jahrhunderten aufbewahre.

Er kehrte in die Klause und kam baldmit einer Laterne zurück, deren Gläser mitgeheimnißvollen Charakteren bemalt waren.Nimm die Laterne und kehre damit nach Hausezurück, sprach er, und wenn der Mond sicherneut, dann wandte in der Mitternachtsstundezu dem Felsen, wo du die alte Maria mit demZeichen des KreuzeS zwingen wirst, dir Feuerzu reichen, womit du die Laterne anzündest.Das Weitere wird der Geist dir eingeben.Gehe nun!

Tuschen wandte sich hinweg und stiegfreudigen Herzens in's Thal hinab, die Laternesorgfältig in ihrem Schlafgemache aufbewah-rend. Gebet und Fasten, fromme Vorbereitun-gen zu dem Werke, welches sie ausrichtenmußte, erfüllten ihre Zeit, bis der Mond sicherneute.

Klopfenden Herzens, wankenden Schrittesverließ sie vor Mitternacht ihr Haus undeilte durch den Wald dem Felsen der Geheim-nisse zu, die Laterne fest mit der Hanv um-schließend. Mit einem inbrünstigen Gebetestieg sie an dem Berge empor, der ihr immerso viel Furcht eingeflößt hatte. Je näher siekam, desto größer wurde ihr Bangen, destounsicherer waren ihre Schritte. Endlich warsie oben. Mit fahlem Gesichte und zorn-sprühenden Augen trat ihr die alte Mariaentgegen und drohte, sie umzubringen, wennsie nicht alsbald zurückkehre.

Suschen aber wandte sich nicht, sondernsprach: Gieb mir Feuer für meine Laterne!Da hob die Alte den Stock empor. Suschenaber streckte die Hand vor und machte dasKreuzzeichen gegen sie, wobei sie ihre Aufforde-rung wiederholte: Gieb mir Feuer für meineLaterne! Du stieß Marla einen Fluch aus,näherte den häßlichen Kopf der Laterne undein feuriger Strahl entfuhr ihren Augen, der1 alsobald die Kerze in der Laterne entzündete,- daß sie hell brannte.

Freudigen Herzens, daß der Anfang ihresWerkes gelungen, schritt sie weiter den Berghinauf, indeß Marla unter Seufzen undStöhnen sich gegen den Felsen lehnte.

Sie wußte nicht, ob sie links, ob sierechts sich wenden sollte, da kam ihr das Lichtin der Laterne zu Hülfe, indem es seinenStrahl aufwärts sandte den steilen Fels hin-an. Sie schaute empor und es schien ihrunmöglich, da hinauf zu kommen, so steilfielen die glatten Wände ab; der Gedanke anBertram aber gab ihr Kraft, den Versuch zuwagen, obschon beim ersten Schritt, den siehinaufzumachen sich bemühte, oben auf demGestein scheußliche Fratzen sich zeigten, welchedie Flammenmäuler drohend aufsperrten undsie zu verschlingen drohten. Sie bebte einenAugenblick zurück und sank betend in dieKnie. Als sie dann wieder aufwärts sah,beleuchtete der Strahl aus ihrer Laterne eineStrickleiter; muthig setzte sie den Fuß hineinund stieg empor; je höher sie gelangte, destomehr wichen die Fratzen zurück, desto festerwurde der Muth in ihrer Brust.

Endlich stand sie oben, vom Scheine desMondes verklärt. Vor sich sah sie eine alters-graue Kapelle, deren Thüre nur angelehntwar. Vorsichtig und leise trat sie ein. Inden leeren Räumen hallte ihr Fußtritt in viel-fachem Echo wieder; die Heiligenbilder an denWänden starrten sie an und jagten ihr vonNeuem Furcht ein; aber sie kämpfte ihre Angstnieder und schritt weiter den hohen Chor hin-auf, wo sie sich einen Augenblick auf einenBetschemel niederließ und Gott um Hülfe an-flehte. Hinter einem halbzugezogenen Vor-hänge gewahrte sie das Grabmahl des Bischofchdessen Bild in priesterlichem Ornate dort aufdem Steinpfühle ruhte.

Durch das Gebet gestärkt erhob sie sich,unschlüssig, was weiter zu thun sei, als plötz-lich eine verwitterte Gestalt hinter dem Vor-hang hervorgesprungen kam. In mittelalter-liche Tracht gekleidet, mit steifer Krause umden Hals, schweren, hoben Stiefeln und weitenPluderhosen, die ihr wohlbekannte Schärpeum die Lenden, blieb ihr kein Zweifel, daßdieser der Klostcrvoigt, oder besser gesagt, derleibhaftige Gottseibeiuns fei. Wild rollendenAuges schritt er auf sie zu und deutete niitdem ausgestreckten Finger nach dem Ausgange.Da wurde sie von Entsetzen ergriffen und ließdie Laterne auf den Boden fallen, daß dasThürchen derselben klirrend aufsprang. Aberdas Licht verlöschte nicht, es brannte nur um