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[1] (1857)
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die Felsen von Gesträuch bestanden, bis siezuletzt auf einem vollständig nackten Plateauankam, wo auch nicht einmal ein Grashalmauf dem festen Granit gedieh. Unregelmäßigzerstreute Blöcke dieses Gesteins bedeckten dasBerghaupt, um dessen Scheitel und Lendensich die dunkeln Fohren legten. Einer dieserGranitblöcke, der sich vor den andern durchseine Größe auszeichncte, war durch lang-jährige Bemühung einer menschlichen Handzu einer Klausnerwohmmg ausgemeißelt; zweihohe Steinkreuze, von aufeinandcrgethürmtcnGranitblöcken gestaltet, machten einen über-wältigenden Eindruck in dieser Oede. Hinterder Klausnerwohnung öffnete sich ein jäherAbgrund, in dessen Tiefe man das Tosen desWaldbaches vernahm, der seinen weißen Gischtan dem umgebenden Gestein emporsprühte.

Dieses Tosen und das von der Entfer-nung gemilderte magische Rauschen der Föhrenwar das einzige Lebenszeichen, das sich aufdem Berge kund that. Suschen stand einenAugenblick still und schöpfte Athem, indem siemit der Schürze den Schweiß von der Stirnewischte, der reichlich herniederperlte. Danntrat sie aus einen der Granitblöcke zu, andessen Kanten ein großes Blech befestigt war.Mit einem danebenliegenden Stabe dagegenschlagend, erfüllte ein dumpfer glockenähnlicherSchall die Höhe. Suschen erwartete mit überder Brust gekreuzten Händen den Klausner,der bald nachher mit einer brennenden Kien-fackel erschien und sprach: Wer stört in tieferNacht meine Einsamkeit?

Suschen trat näher. Als der Klausnerbeim Scheine der Fackel sie erkannte, hob ermit weicher Stimme an: Bist du es, meinKind, und du kommst, mir deinen Kummerzu klagen und Rath in deinen Nöthen zuerlangen?

Ja, mein Vater, antwortete Suschen, ichbin sehr unglücklich, denn

Halt ein, mein Kind, unterbrach sie derKlausner: Ich weiß alles, rühre deinenSchmerz nicht von Neuem auf durch die Er-zählung deiner Leiden. Wenig, was dieMenschenkinder da unten treiben, bleibt mirverborgen und insbesondere sind mir dieAngelegenheiten derer bekannt, die ich liebe.

Schöpfe Muth, mein Kind, Gott verläßtdie Seinen nicht: Um deines Glaubens unddeiner Treue Willen wird er auch Bertramnicht fallen lassen und seinen gräßlichen Schwurzernichten; doch erfordert das Werk, welchesdu zu dem Zwecke zu verrichten hast, deinenganzen Muth. Du mußt dich rüsten mit Un-

erschrockenheit, denn du wirst den Lratan vonAngesicht zu Angesicht sehen und darfst nichtvor ihm weichen, oder Bertram ist für Zeitund Ewigkeit verloren.

Suschen zitterte, aber sie dachte an Ber-tram und daß sie ihm helfen könnte und fragte:Saget mir, ehrwürdiger Vater, was ich zuthun habe, Gott wird mir mein Gebet erhörenund mir Stärke verleihen.

Setze dich auf diesen Stein, antworteteder Klausner, und präge dir jedes meinerWorte wohl ein, daß du keines vergissest.Nachdem Suschen gethan, wie ihr geheißen,Hub er an: Du kennst den Felsen der Geheim-nisse, in dessen Nähe du so oft mit deinenZiegen geweilt. Du fürchtest dich vor diesenFelsen, weil Sagen von allerlei Spuk denselbenunheimlich machen. Wohlan, mein Kind, dieseSagen sind nicht ohne Grund, denn wisse,daß dort der Teufel und die alte Marla ihrWesen treiben, weil eine Schuld den Felsenbedeckt, die nur durch dich von ihm genommenwerden kann.

Auf jenem Felsen stand vor Jahrhundertenein großes Schloß, das wegen seiner Herrlich-keit im ganzen Lande berühmt war. Einreicher Graf hielt dort Hof und Fürsten vonNah und Fern kamen, dessen Herrlichkeit zuschauen. Nun war dieser Graf bösen Herzensund lebte in unerlaubtem Umgänge mit seinesBruders Weibe, dessen Schloß auf diesemBerghaupte stand. Ich war dessen Burg-kaplan und liebte ihn wie meinen Vater, weiler fromm und gut war.

Auf meine Veranlassung ging er zu demBischof des Landes, damit dieser seinem Bru-der in's Gewissen rede. Der Bischof machtesich auf und that, wie ihn mein Gras ge-beten. Freundlich wurde er ausgenommen, daer aber zornig das Verhältniß zu Marla,seiner Schwägerin verdammte, so kochte dieBöse einen Gifttrank und räumte ihn so ausdem Wege. In der Burgkapelle wurde erbeigesetzt.

Als sich die Nachricht von dieser Schand-that verbreitete und auch zu den Ohren meinesGrafen kam, zog dieser gewaffnct hinaus undforderte seinen Bruder zum Kampfe herausDer Satan leitete ihre Schwerdter, so daß siesich gegenseitig die Herzen durchstießen undmit Fluchen auf den Lippen starben.

Alsbald erdröhnten die Berge und unterfürchterlichen Donnerschlägen versanken beideSchlösser, nur die Burgcapelle blieb, worin derBischof unter mormorncm Denkmale ruht, dasmeine Hand ihm gefertigt. Marla muß, mit