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[1] (1857)
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ihn willkommen, denn sie gedachten ihn umsein Geld zu prellen, wie sie es früher gethan.Willig setzte er sich mit ihnen hin und schütteteden Brandtwein in sich hinein, daß er baldbetäubt auf die Bank zurückfiel und von allem,was um ihn herum vorging nichts gewahrte.

In der Nacht aber bekamen die SpielerStreit und fielen sich mit Messern an, so daßder Wirtb, tödtlich getroffen, den Geist auf-aab. Eine Zeitlang herrschte Schrecken undVerwirrung unter ihnen, weil sie Rad undGalgen vor sich sahen. Einer aber zeigte aufden schnarchenden Bertram und sprach: Erhat keine Kinder und ist besser zu entbehren,als einer von uns; geben wir einstimmig ihnals den Thäter an, so wird man uns glau-ben. Dieser Vorschlag fand Beifall, undderjenige, welcher ihn gemacht und selbst derThäter war, holte Bertrams Messer aus dessenTasche und steckte es in die tödtliche Wunde,gleichsam ein redendes Zeugniß für seineSchuld. Dann verließen sie leise die Schenke.Am andern Tage verbreitete sich das Gerüchtvon der grausen That, man fand Bertramnoch schlafend bei der Leiche, sein Messer inderen Herzen.

Am Mittag wurde er, mit Ketten gebun-den, zwischen zwei Gerichtsdienern in das Ge-fängniß geführt.

IV.

Jndeß Bertram auf dem Felsen der Ge-heimnisse verweilte, irrte Tuschen durch Bergund Thal, von Dorf zu Dorf, um den Gattenzu suchen, von dem sie nicht anders dachte, alsdaß ihm ein Unglück zugestoßen, das ihn ver-hindere, zurückzukehren. Eben stieg sie voneiner Höhe hinab und schaute, indem sic dieAugen mit den Händen beschattete, spähendin's Thal, ob sie nirgend eine Spur von ihmentdecke, da zog unten Bertram in der Mitteder Gerichtsdiener vorüber.

Da sie mit der Ursache seiner Abführungnicht vertraut war, überhaupt mehr Augenfür den Gatten, als seine Begleiter hatte, sostürzte sie den Berg hinab, immerfort seinenNamen rufend. Als sie bei dem traurigenZuge angckommen, wollte sie Bertram um denHals fallen, aber ein Gerichtsdiener wehrteihr, sprechend: Unglückliches Weib, gehe nachHause, verschließe dich in die entlegendste Kam-mer, damit deine Ohren nicht die schrecklicheThat erfahren, die dich heute Nacht zur'Wittwegemacht hat.

Suschcn verstand seine Rede nicht, wandtesich mit gefalteten Händen an den Gefesselten

und sah ihn mit einem stummen, fragendenBlicke an.

Ohne die Augen vom Boden zu erhebenwehrte Bertram sie mit der gefesselten Handab, indem er mit tiefer, bebender Stimme zuihr sprach: Geh nach Hause; ich bin von jetztan todt für dich. Geh dein unwürdigerMann ist ein Mörder geworden. Mißtrauenhaben ihn zu Trunk und Spiel und zuletztzum Menschcnmord geführt. Gedenke desSchwures, den ich dir einst leichtsinnig ge-than, ich habe ihn gebrochen und bin in dieHände deö Satans gefallen, aus dessen Klauenkeine Errettung ist in Zeit und Ewigkeit.

Tuschen hörte ihn längst nicht mehr.Erstarrt stand sie am Wege, ein Bild desSchreckens, unbeweglich wie eine Bildsäule.Weiter ging der Zug, Tuschens Augen um-florten sich, sie sah ihn nur noch wie durcheinen fallenden Nebel.

Mörder, Mörder! tönte es unaufhörlichin ihren Ohren. Bertram ein Mörder!

Sie wankte heim. Die Begegnenden blie-ben stehen, schauten ihr mitleidig nach undsprachen im Stillen ein Vater Unser für dieUnglückliche. Bis Mitternacht saß sie vorihrer Thüre, keines Gedankens, keines Ent-schlusses fähig. Dann sprang sie plötzlich aufund ging hinweg. Wohin wollte sie? Wirwerden es sehen, folgen wir ihrer nächtlichenWanderung!

Zuerst ging ihr vom Monde beleuchteterWeg in's Thal hinab und den Bach entlang,der sich in vielfachen Windungen, lieblichmurmelnd, zwischen den blumigen Usern durch-wand, allmählig aber, wie der Fußsteig mehrbergan kletterte, ungestümer herabschoß, hieund da Strudel und Wirbel bildend undschaumbedeckte Dümpel hinter sich zurücklasscnd.Jetzt entfernte sie sich von dem Bache undnahm ihren Weg zur Rechten durch einenBergwald von hohen Föhren. Je weiter sieHinaufstieg, desto magischer rauschten die Wipfelüber ihrem Haupte, desto mehr aber erfülltesich ihr Herz auch mit Trost und begann wie-der in regelmäßigen Schlägen zu klopfen.

Allmählig wurde der Weg enger, unbetrete-ner und mühsamer zu ersteigen, denn er wandsich jetzt an schroffen Klippen hinauf, in derenSpalten kleines Strauchwerk wuchs, das ihreHand ergriff, um den ermüdeten Körper nach-zuzichen. Auf diesem Piave, der zuletzt nurnoch unmerkliche Spuren von Fußtritten trug,ging es mehr als eine halbe Stunde auf-wärts, und je höher sie stieg, desto mehr ver-dünnten sich die Föhren, desto kahler waren