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und links auf jeder Stufe standen blondlockigeGenien, welche seltsame Blumen vor seineFüße streuten und mit freundlichen Gesichtchenzu ihm hinauslächelten. Am obern Ende derTreppen neigten abermals zwei gleich riesigeWachen die Degenspitzen gegen ihn und spra-chen: Gehe ein in die Hallen der Freude!
Jetzt traten sie vor eine hohe, in reichemSchnitzwerke ausgeführte Thüre, deren beideFlügel von zwei wunderlichen Gnomen auf-gerissen wurden, indem sie in den Saal hin-einriefen: Bertram kommt!
Bertram sah in einen weiten Saal, der,von tausend Kronleuchtern erhellt, an seinenWänden prachtvolle Bilder mit lebensgroßenFiguren zeigte, die weniger Gemälde alslebendige Wesen zu sein schienen, denn es kamihm vor, als wenn Augen und Lippen sichregten und den Ausdruck änderten. Der Saalwar erfüllt von Herren und Damen, die ihmlächelnd entgegen kamen und die Hände zumGruße boten. Mehrere der Letztem tratenheran, umfaßten seinen Leib und trugen ihnunter dem Schalle einer wunderbaren Musikdurch den Saal, während die Uebrigen ineinem raschen Wirbeltanze hinter ihm her-flogen.
Am obern Ende des Saales stand auferhabener Tribüne ein kostbarer Thron, vonblühenden Orangen und Aloestauden umgeben.Dort ließen sie ihn nieder, und die Jungfrau,von den Uebrigen „Fee des Paradieses" ge-nannt, nahm Platz an seiner Seite, indem siedie Schärpe aus seiner Tasche zog und ihndamit umgürtete. Beim Anblicke der Schärpestand Suschens Bild plötzlich vor seiner Seele,aber kein Gefühl der Bitterkeit, keine Sehn-sucht beschlich seine Seele, denn beides warim Springbrunnen geblieben, von dessen Wasserer getrunken hatte.
Nun schaarten sich alle um den Thron,schwangen goldene Humpen mit einer schäu-menden champagnerartigen Flüssigkeit um dieHäupter und reichten Bertram einen gleichen,dessen Fuß mit schweren Brillanten besetztwar, welche im Schimmer der Kronleuchterglitzerten. Die Fee des Paradieses zog ausihrem Busen einen kleinen, leuchtenden Gegen-stand und warf ihn in den Becher. Alsogleichschäumte derselbe bis zum Rande empor undsprudelte über, so daß blitzende Sternchen her-niederregneten und die Schärpe bedeckten.Trinke! sprach die Fee des Paradieses.Bertram letzteren Becher an den Mund,auf dem Boden lächelte ihm das Bild derFee verführerisch entgegen. Der schöne Mund
hob sich höher und höher aus der Flüssigkeitempor, bis er seine Lippen berührte. Daschlug eine Flamme durch alle seine Gliederund er trank den Becher in einem Zuge leer.Als er absetzte, entfiel der Becher seiner Handund rollte die Stufen des Thrones hinab.Auf dem Boden zersprang es in viel hundertStücke, die sich als bunte Paradiesvögel be-flügelten und mit lautem Geschrei durch diegeöffnete Saalthüre hinweg flogen; dem Getösedes zerspringenden Bechers folgte in weiterFerne ein dumpfes Geröll, wie ein fernesGewitter und die zur Erde gefallenen Tropfenloderten wie sprühendes Feuer empor underleuchteten die Umstehenden mit einer jähenGluth.
Die Fee deö Paradieses aber schaute ihnmit einem unaussprechlichen Blicke an, derdas Feuer in seinen Adern noch mehr schürte.Der Trank zuckte ihm durch alle Glieder, seineAugen umflorten sich mit einem blauen Dunste,er sah nicht mehr, was um ihn her vorging,nur die Fee sah er, ihr Bild leuchtete durchden Nebel, der seine Augen verdunkelte, undje länger er es ansah, desto schöner, destobegehrungswürdiger kam sie ihm vor.
Schlafe nun! sprach sie; morgen kommtneue Lust, neue Freude. Mit diesen Wortenberührte sie seine Schläfe und alsbald sanker rückwärts in den Thron und entschlief.Aber ein garstiger Traum bedrückte seineBrust, denn es deuchte ihm, die Fee des Para-dieses verwandle sich Plötzlich in die alte Marlaund die geputzten Herren und Damen schrumpf-ten zu häßlichen Kröten zusammen, die beimGeschrei einiger Unken umherplatschtcn. Nachund nach wurden sie des Hüpfens müde undeine nach der andern kroch zu dem Dreck-haufen empor, in welchen sich der kostbareThron verwandelt hatte, und setzte sich aufseinen Leib. Mehr und mehr des häßlichenGethieres tappte an ihm herauf und zuletztward auch die alte Marla zu einer dicken,giftigen Kröte, setzte sich mitten auf seineBrust und schaute ihn beständig mit dm klei-nen Augen an.
Ekel und Grauen erfaßten ihn, er wolltedas Gethier von sich abschütteln und entfliehen,aber er konnte kein Glied regen, nicht einmaleinen Angstschrei ausstoßen. Als er erwachte,lag es wie Blei in allen seinen Gliedern, derKopf war ihm wie zerschlagen, doch um ihnher lag noch immer die Pracht des gestrigenAbends ausgcbreitet und die Fee des Para-dieses saß in blendender Schönheit zu seinenFüßen und lächelte ihm entgegen. —