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Komm, sprach die Jungfrau, indem sieihn mit der wunderltcblich geformten, zartenHand näher zu sich zog, komm, auch du sollstaus dem Quell trinken und Ruhe und Ge-nesung finden! Im Hintergründe öffnete sicheine dritte Thüre und gewährte den Anblickaus einen weiten Park, in dem schattige Laub-gänge mit steinernen Ruhesitzen, von zauberi-schen Rosenlauben umschlossen, zu süßem Träu-men einludcn. Die seltensten Stauden undBäume, die gluthsarbigsten Blumen Asiensund Afrika's nickten an den Wegen und aufduftigen Beeten. Auf Bäumen und Sträuchenwiegten sich Papageien und Paradiesvögel,ein balsamischer, mit Wohlgerüchen gewürzterHauch durchstrvmte den Garten, so daß selbstBertram, dem doch in dieser Stunde so wenigan Welt, Himmel und Hölle gelegen war,nicht umhin konnte, die Pracht zu sehen, denGesang der Bögel zu hören und den Duft zuriechen; doch er that es, wie ein Bewußtloser,
Die Jungfrau aber zog ihn vorwärts, inimmer schattigere, dunklere Parthien, bis siezuletzt in eine Grotte Hinabstieg, die demTageslicht nur wenig Zutritt ließ, und dochschimmerte, leuchtete und blitzte wie von einemHeer nächtlicher Sterne. Mitten in der Grottewar ein Springbrunnen, rings umher mitTopasen, Smaragden und andern Edelsteineneingefaßt, die im viefarbigen Spiele ihrerLichter widerstrahlten. Zunächst dem Wasseraber schloß die Einfassung ein wie Sonnen-schein funkelnder ungeheurer Diamant, welcherin fußbreiter Ausdehnung sich wie ein großerRing um die Quelle legte. Aus der Mittedes Springbrunnens aber schoß ein lichterStrahl empor, der, in wunderbarem Gesängesprudelnd, auf seiner Höhe einen lieblichen,lächelnden Knaben trug, der sich mit ihm hobund senkte und anzuschaucn war, wie ausBlumen und Sonnenstrahlen gewoben.
Bertram blickte in den Quell hinab: trotzdes ewig bewegenden Plätscherns schaute er inunermeßlicher Tiefe, wie es ihm deuchte, seintrauriges Bild und hinter sich die schönheit-strahlende Gestalt der Jungfrau, die mit fröh-lichem Lächeln die zarte Hand auf sein Hauptlegte und es mit sanftem Zwange hinabdrücktezu den singenden Tropfen, bis sein Mund daszaubrische Naß berührte.
Kaum hatte cs seine Lippen benetzt, soschlürfte er es mit gierigem Durste in sichhinein, wobei die Jungfrau schlau lächelnd dieHand auf seinem Haupte ruhen ließ. Endlich
erhob er sich, die Gluth seines Innern wareiner sanften erquickenden Wärme gewichen,die ihn mit einem wohlthuenden Gefühle voninnen und außen anwehte. Ein tiefer Seufzerentfuhr seiner Brust, wie wenn er daö darauslastende Weh hinwegtrage in entfernte Re-gionen. Dann fuhr er mit der Hand überdie Augen, wie Jemand, der seine Erinnerun-gen sammeln will, aber seine Gedanken warenform- und gestaltlos und kein bestimmter Ge-genstand trat vor seine Seele, die, vorhinein vollgeschriebenes Pergament, nun wie einweißer Papierbogen erschien, welcher der erstenSchristzeichen harrt. Er wandte sich um; dieJungfrau lächelte ihn an und reichte, ihm dieHand. Dieselbe an seine Lippen drückend schritter mit ihr hinweg durch den Park, den erjetzt erst in seiner vollen Pracht und Schön-heit erstahlen sah. Er kam sich vor, wie einKind, das zum erstenmale an der Hand derMutter in die blumige Wiese unv den schatti-gen Wald hinabgeht.
Bon Zeit zu Zeit fiel sein Auge auf dieJungfrau, welche seine Hand leise drückte undzu ihm sagte: Ich führe dich jetzt in die Halleder Seligen, wo ein Leben voll Genuß undFreude sich dir erschließen wird. In eineSeitenallee einbiegend, gelangten sie zu einemWasser, das wie die Morgenröthe glühte.Am Ufer schaukelte eine leuchtende Gondel, ansilbernen Ketten waren zwei Schwäne vorge-spannt, deren Flügel im weißen Lichte durchden rothen Schimmer glänzten. Die Jungfrausprang hinein und winkte ihm zu folgen; dannsetzte sie sich auf das seidene Polster, ergriffeine Mandoline und entlockte derselben wunder-bare Töne, während Bertram mit der Handin der leuchtenden Fluth plätscherte und dieSchwäne die Gondel vorwärts zogen.
An wundervollen Baumgruppen, blühen-den Wiesen und duftendem Strauchwerke vor-über gelangten sie endlich zum entgegengesetztenUfer. Die Jungfrau hüpfte hinaus und schrittihm voran durch eine Gasse von hochstämmi-gem feurig blühendem Cactus, welche zu derhohen Treppe eines Pallastes führte. EinenI Augenblick blieb Bertram stehen und staunte! das Säulenwerk, die Marmorbilver und die! hohen Fenster an, dann folgte er ihrem Winke> und gelangte zu dem prachtvollen Portale, woi riesige Wächter mit gezogenen Schwertern denEingang bewahrten. Die Degenspitzen gegenl seine Brust neigend, sprachen sie: Gehe ein in! Hallen der Freude!
! Eine breite Marmortreppe lag vor ibm,
welche in die oberen Gemächer führte; rechts