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hin und versank von Neuem in ein starresHinbrüten, das seine Lebensgeister nach undnach erschlaffte und ihn einschläferte. Gräß-liche Träume umgaukelten ihn, wild zerraufteseine Hand Gras und Blumen und er stießvon Zeit zu Zeit ein heiseres Lachen aus,welches nur zu wohl errathen ließ, daß Rache-pläne seinen Schlaf durchkreuzten.
Als er erwachte war die Dämmerung an-gebrochen und von den Felsen herüber leuchtetewieder die grünliche Flamme. Mit Macht zogihn dieser Ort an, als er sich die gestrigenBilder in's Gedächtniß zurückrief. In demVerlangen, mehr zu schauen, beeilte er seineSchritte, übersprang den Bach und kam obenan, als gerade eine schallende Musik aus denhcllerleuchtetcn Sälen drang, die sich in seinOhr bohrte, als sei cs der Aufruf an seineMannhaftigkeit, an seine blutige Rache.
Gierig schaute er in das bunte, pracht-volle Gewühl, das drinnen herrschte, und warim Begriffe, sich durch die hohe Glasthüre zudrängen, als die Alte aus einem Winkel trat,seine Hand ergriff und sprach: Sagte ich dirnicht schon gestern, daß du dorthin nicht ge-langen kannst. Das sind lauter Auserwählte,die, durch erlittenes Unrecht und Schmachgeläutert, die Welt von sich abgcstreift habenund in heiterer Zurückgezogenheit hier denLohn ihrer Schmerzen finden. Auch du, meinSohn leidest, aber dein Leiden ist erst dieunterste Ltufe der hohen Leiter, welche indiese Wohnungen der ungeschmälerten Freudenführt.
Freuden? sprach Bertram; ich suche sienicht, ich will Wahrheit um jeden Preis unddeßhalb komme ich zu dir. Sieh, mein Tus-chen war die Liebe selbst, und nun — solltesich in der Thal mein Glück so schnell in Leidgewandelt haben, sollte die Liebliche in Wirk-lichkeit ein so falsches und verworfenes Herzhaben, wie es mir dein Spiegel zeigte? Sprich,verbirg mir nichts, doch verlange ich Wahr-heit, volle unverletzte Wahrheit!
Höre mir doch Einer den hochfahrendenRitter an, gab die Alte spöttisch zur Antwort,bin ich vielleicht seine Dienerin, welche ver-pflichtet ist, ihm zu sagen, was er gerne undnicht gerne hört? Ich dächte doch, die alteMarla hätte lange genug den Felsen derGeheimnisse bewohnt, um nicht von demErsten Besten, der ihr in den Wurf kommt,Befehle annehmen zu müssen. Was geht michüberhaupt euer Tuschen und ihr Jäger an?
Bertram streckte flehend, fast weinend, dieArme nach ihr aus, indem er die Worte her-
vorstieß: Nehmt das nicht so, Marla, derUnglückliche überlegt die Worte nicht allzu-genau, sondern spricht, wie es ihm der Augen-blick eingiebt. Marla seid barmherzig, sagtmir Alles!
Die Alte ließ sich erweichen, führte ihnwieder durch den Gang und vor den Spiegel.Kaum hatte er seinen glühenden Blick hinein-gerichtet, als er einen grellen Schrei ausstießund wie ein Sack zu Boden stürzte. . Marlabeugte sich über ihn und schaute ihm mithäßlichem Hohnlachen in die vorgcquollenenAugen, indem sie sprach: Davon stirbt mannicht, Bertram, du wirst schon wieder auf-wachen, wie die Andern vor dir, und danngeht daS lustige Leben auch für dich los.
Wirklich dauerte es nicht lange, so schluger die Augen aus und schaute umher. Marla,rief er, als er sich allein fand, laß mich hin-aus, ich will nicht länger leben!
Da öffnete sich geräuschlos eine bis dahinverborgene Thüre und herein schwebte eineJungfrau im Schmucke jugendlicher Anmuthund Schönheit. Sie heftete einen langen, fasttraurigen Blick auf Bertram und sprach:Armer Mann, was hast du gethan, daß dasSchicksal dich so hart prüft? Du bist flecken-los und rein, du solltest den Himmel aus Er-den haben und statt dessen findest du dieHölle. O, auch ich war einst, gleich dirgrenzenlos unglücklich und rief die Berge an,daß sie über mir Zusammenstürzen möchten,doch die Berge blieben stehen; mein Leid alurverschwand in einer flügclschncllen Secunde.als ich vom Wasser auS dem Quelle desFelsens der Geheimnisse trank. In diesenHallen der Freude blühte mein Herz demewigen Frühlinge auf. Wie mein Leiden, soist das deine blitzesschncll cingetreten und hatin der kürzesten Frist die höchste Stufe erreicht,darum auch kannst du schon heute in diesenheiligen Tempel eintreten, zu dem sich Anderenur durch jahrelanges Ringen den Eingangbahnen können.
Bertram sah der Jungfrau in's Gesicht,sie war so schön, unbeschreiblich viel schönerals sein Tuschen; ihr ganzes Wesen war voneinem unaussprechlichen Reize umflossen. Ber-tram war geblendet von all dem Glanze,welchen die Jungfrau um sich verbreitete undmußte vor ihrem ermunternden Blicke dieAugen zu Boden schlagen; aber sein Herzschlug nicht wärmer, seine Pulse bewegten sichnicht schneller, denn noch gab es für ihn nurein Weib auf Erden, aber diese eine hatte, wieer glaubte, sein Betrauen schmählich getäuscht.