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[1] (1857)
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indeß andere nach den Klängen eines rauschen-den Orchesters sich im Tanze drehten. ^

In dieses Anschauen vertieft würde ervielleicht seinen Kummer und den Zweck seinesKommens vergessen haben, hätte ihn nicht eineeisig kalte Hand berührt. Es war die Alte,die ihm mit aufgehobenem Finger gegenüber-trat und in gedämpftem Tone sprach: Wegda Bertram, da drin ist Gesellschaft, die vonkeinem Fremden gestört sein will, tritt hierherein. Mit diesen Worten drückte sie aufeinen Stein im Felsen, worauf sich dort als-bald eine Thüre öffnete, die in einen dunkelnGang hineinführte. Nachdem die Alte dieThüre hinter sich geschlossen, hieß sie ihn voranschreiten. Bertram aber tappte im Dunkelnund stieß mit dem Kopfe gegen die Mauer.Ei, sprach die Alte, wo bleibt denn der Hoch-muts»? Muß die Vettel doch wohl Lichtmachen! Sie pochte darauf mit dem Knöchelgegen die Felsmauer, aus welcher sofort röth-liche Strahlen ausgingen, welche den langenGang mit einem rosigen Schimmer erleuchteten.

Nach einem langen Marsche gelangten siean eine eiserne Thüre, die sich von selbstöffnete. Hier, sagte die Alte, indem sie dieThüre vorsichtig verschloß, ist die Kammernobscura, in welcher ich jedes Menschen Thunund Treiben beobachten kann und wohnte erauch auf den Tiefen des Meeres. Hier habeich gesehen, wie du an Tuschens Krankenbettestandest und sie pflegtest, während sie in wilderRaserei auffuhr und allerlei sonderbare Rufeausstieß. Hier kannst auch du Jeden sehen,den du zu sehen wünschest.

So laßt mich sehen, was Suschen jetztthut! schrie Bertram.

Tritt nur vor jenen Spiegel dort, sprachdie Here und schaue aufmerksam hinein."

Bertram that, wie ihm geheißen.

Was siehst du?"

Ich sehe mein Haus und meinen Garten.

Schaue genauer!"

Ich sehe Suschen, sie sitzt in der Laube,den Kops in die Hand gestützt, sie scheint zutrauern.

Was hat sie in der Hand?"

Ich kann es nicht erkennen, doch, doch,es wird Heller: auf ihrem Schooße liegt einegoldgestickte Schärpe, die sie mit der linkenHand an die Augen drückt, um sich me Thra-nen abzutrocknen.

Und woher hat sie diese Schärpe?"

Ich weiß es nicht.

ES ist derselbe Gegenstand, den sie heim-lich gefertigt und heute die Stiege hinaufgetragen hat. Was sichst du mehr?"

Ein junger schöner Mann, ein Jäger trittin den Garten, er eilt zur Laube und wirstihr Kußhändchen zu. Suschen fliegt ihm ent-gegen und in seine Arme! Hölle und Teufel!

Mit diesem Fluche sank Bertram bewußt-los zu Boden. Als er wieder zu sich kam,war die Nacht verschwunden; er befand sichaußerhalb jenes Zimmers vor den Felsen,aber die Säle waren verschwunden, nur diekalten moosüderzogenen Steine boten sich seinenAugen. Die Bilder des gestrigen Abends, Tus-chens Betrug und Untreue standen klar vorseinem Geiste und er wankte heim, vonSchwindel und Schwäche oft zu Boden ge-worfen. In seinem Hause angekommen suchteer vergebens nach Suschen, denn sie war inTodesangst hinweggeeilt, ihn zu suchen, weilsie bangte, daß ein Unglück ihn betroffen habe.Da er sie nicht fand, so stieg er die Treppehinauf; dort lag die Schärpe, welche er indem Spiegel gesehen; ein Zipfel war naß.Ha, schrie er, das sind ihre Thränen, dieeinem Andern galten, und die sie mir gestoh-len! Jetzt schweift sie wohl mit dem Jäger-burschcn umher und lacht meiner Arglosigkeit.Für ihn also arbeitete sie so heimlich und ver-stohlen, indeß ich in treuer Anhänglichkeit umsie sorgte und um mich mühte vom Morgenbis in die Nacht. Doch, er soll nimmer denTriumph haben mit diesem Sünden-Geschenkeseinen Leib zu schmücken! Die Schärpe zusich steckend, öffnete er einen Kasten, nahmGold und Kostbarkeiten und eilte hinweg.Unten im Walde hielt er seine Schritte anund legte sich in den Schatten der Bäume.Sein armer Kopf wirbelte; aus dem Ehaosder sich jagenden Gedanken leuchtete nur eineinziger deutlich hervor: Fort wollte er, weitfort! In einem fernen Lande, wo ihn nichtsals sein Kummer an Suschen erinnern konnte,wollte er ungekannt leben, bis das Leidenseine Brust zersprengte und der Tod seinenSchmerzen ein Ende machte. Wohl redete ersich auch ein, Suschen könne dennoch un-schuldig und Alles ein Blendwerk des Satanssein, aber dann schüttelte er traurig mit demKopfe, hatte er doch zu deutlich im Spiegelgesehen, wie sie die Treue brach und demfremden Manne anhing.

Der Hunger fing ihn an zu quälen, derDurst peinigte ihn. In der nahen Wiesepflückte er Sauerampfer und trank aus demBache, dann streckte er sich in das hohe GraS