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[1] (1857)
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Gedanken geplagt, die mit ihrem Geheimnissein Verbindung stehen.

Und warum suchst du nicht hinter diesesGeheimniß zu kommen?" sprach dicht nebenihm eine heisere, unangenehme Stimme.

Bertram blickte aus und sah ein altesvcrschrumpstes Weiblein da stehen, das ihnmit grauen stechenden Augen anblickte. Daspergamentene Gesicht und die schmutzig gelbenHaare waren aber nicht geeignet, die Besitzerinzur Vertrauten seines Kummers zu machen,darum hob er barsch an: Wer hat euch gefragtund was geht's euch überhaupt an, was ichthue und was ich lasse?

An geht es mich gerade nichts, gab dieAlte zur Antwort, aber ihr habt darum nichtgerade nothwendig, so hochmüthig zu thunund eine alte Frau mit Grobheiten anzn-schnauzcn, zumal, wenn diese weiß, wo euchder Schuh drückt und auch Mittel hat, demSchaden abzuhelfen."

Bertram fuhr sie unwillig an: Was wißtihr? daß ihr eine alte Vettel seid, das wißtihr, und sonst nichts.

Doch noch ein Weniges mehr, so z. B.daß ihr dem Tuschen nicht traut und daß sieetwas vor euch verbirgt, was euch um denVerstand bringen könnte, wenn ihr's so gut,wie ich kanntet. Hat sie diesen Gegenstandnicht vor einer Stunde die Stiege hinaufge-bracht und sorgfältig in die Kommode ver-schlossen? Und würdet ihr denselben nichtüber ihre Schultern im Schooße haben liegensehen, wenn ihr leise hinter sie geschlichenwäret, anstatt wie ein Narr in dem Spiegelzu schauen und am Ende gar die Thür in'sKnarren zu bringen?"

Teufel, rief Bertram, sie weiß Alles!

Freilich weiß ich Alles, ich weiß nochviel mehr als das. Aber hier ist nicht derOrt, euch mehr zu sagen; doch drüben, da wodie Felsen mit den Köpfen zusammen stoßen,da ist mein Haus, das übrigens nicht fürjeden offen steht, dem es beliebt, mich einealte Vettel zu nennen."

Bertram hatte eine Frage auf der Zunge,aber die Alte war verschwunden. Da setzteer sich wieder auf den Wurzelstumpf undstarrte mit hängendem Kopse in das Moos.Die Worte der Alten hatten einen Aufruhr inseinem Innern hervorgerufen, den er vergebensbekämpfte. Es kochte, loderte und brannte inseinem Herzen, wie in einem tobenden Vulkan.Lange, lange saß er unbeweglich; schon legtesich die Dämmerung auf den Wald, da sprang

er aus und sprach: Ich muß es wissen undwenn es mir das Leben kostet! Wo die zweiFelsen mit den Köpfen zusammenstoßen, ist ihreWohnung. Er kannte die beiden Felsen wohlund wenn er auch nie dort oder in der Näheein Haus gesehen hatte, so zweifelte er dochnicht an der Wahrheit ihrer Worte, denn jeneStelle war weit und breit berüchtigt und ge-mieden, weil eine alte Zauberin dort wohnte,die in's Verborgene sehen und bei der sichjeder Rath holen konnte, der sein Weib imVerdachte der Untreue hatte Er that einenSchritt vorwärts, dann blieb er wieder stehen,denn ihm schauderte vor dem Gedanken, daßer bei der gefürchteten Here, denn diese wares ohne Zweifel, gegen sein SuSchen, seinliebes Suschcn, Rath suchen sollte. Hätte erdiesem Gefühle gefolgt, es wäre ungleich bessergewesen. Aber er vermochte den Sturm, deralle seine Nerven durchrüttclte, nicht zu be-schwichtigen und schritt vorwärts, in der an-gedeuteten Richrung. Der Wald war stillegeworden, die Vögel schlummerten in denWipfeln und in dem niedrigen Strauchwerke;nur die Eule, des Menschen und der SonneFeind, flatterte über seinem Haupte und hieund da stieß der Uhu sein häßliches Geschreiaus. Jetzt nahte er dem Bache, der friedlichmurmelnd dahinfloß, und auf dem jenseitigenUfer ragten zwei hohe Felsen empor, die obenzusammengewachscn waren und am Fuße einThor ließen, das gleichsam in den Berg hin-einzuführcn schien. In dieser weiten Oeffnungschimmerte ein grünes Licht zu ihm herüber,das auf- und niederflackernd, bald die Felsenmit bengalischen Flammen von oben bis unteneinhüllend, bald zu einem winzigen Pünktchensich zusammenziehend, der einsamen Nachlland-schaft etwas Unheimliches und Gespenstischesverlieh.

Bertram durchwatete das Wasser und stiegdie Höhe hinan. Oben angekommen staunteer über das, was sein Auge sah: Durch hoheFenster schaute er in lange, hellerleuchtete Säle,in welchen sich im bunten Durcheinander eineMenge von Herren und Damen in kostbarenKleidern bewegten. Faustdicke Diamanten blitz-ten auf der Brust der schwarzgekleideten Herren,indeß das feine Haargeflechte der Damen mitkleinern blitzenden Edelsteinen übersät war.Bertram stand und staunte: Vom Scheitel bisauf die seidenen Schuhe hinab strahlte undglitzerte an diesen schönen Frauen alles vonSilber, Gold und köstlichem Gesteine. Auflangen Tafeln standen einladende Erfrischun-gen, von denen jeder nahm, dem es beliebte,