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[1] (1857)
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wenn eine ferne Erinnerung in ihr austauche,dann aber schritt sie weiter und sprach: Istcs lange her, daß wir hier nicht gesessen?Ich kann mich ja gar nicht erinnern, wannwir zuletzt hier waren. O, es ist noch nichtgar lange, gab er zitternd zur Antwort,fürchtend, daß die Erinnerung auf's Neueeinen heftigen Eindruck auf sie machen könnte.Doch war seine Furcht unbegründet. Unbe-fangen pflückte sie Blatter von der Laube undplauderte, wie ein Kind, das nach dem Winterzum erstenmal in's Freie kommt. Die ganzeBergangenbeit schien ausgelöscht, ohne eineSpur zurückgelassen zu haben, und Bertramhütete sich wohl, durch irgend ein unbedachtesWort auf dieselbe zurückzukommen.

! Hatte, wie wir im vorigen Kapitel gehört

! haben, Bertram einen fürchterlichen Schwur

! gethan, der in der Seele seines geliebten

! Weibes einen so schrecklichen Sturm herauf-

! beschworen, so war er doch bisher auch stark

! gewesen, denselben nicht einmal in Gedanken

zu brechen, obschon wiederum mehrere Monate! seit Suschens Genesung verflossen waren. Er

schaffte draußen in Garten und Feld und warunermüdlich thätig, was ihm die Grillen unddie schlechten Gelüste gleichweise vom Leibehielt. Suschen aber hatte eine verstohlene! Heimlichkeit, denn jedesmal, wenn er nach! Hause kam, verbarg sie sorgfältig einen Gegen-

! stand in der Schublade und steckte den Schlüssel

lächelnd zu sich. Er wußte nicht warum, dock'

berührte es ihn unangenehm, daß etwasFremdes zwischen ihm und seiner Frau war,und da sie ihm im Scherze einmal sagte,man müsse den Männern nicht alles mit-theilcn, da lachte er zwar, aber es war ihm

gerade, als ob eine kalte Hand sich zwischen

j ihn und Suschen dränge. Ein unbestimmter,ein gestaltloser Unwille begann in seinemHerzen zu keinem, dessen er mit der größtenAnstrengung nicht Meister werben konnte.

Eines Tages hatte er im Garten zu !schaffen, und da sein Blick zufällig auf die !Laube fiel, erinnerte er sich jener Stunde, die ,der schrecklichen Aufregung und der Krankheit jseiner Frau vorausgegangen war, und des !Schwures, den er damals Suschen zu Liebe jgethan. Habe ich nicht Alles für sie hinge-geben, sprach er zu sich selber, habe ich sie> nicht gepflegt, wie meinen Augapfel, und Tagund Nacht auf jeden ihrer Athemzüge gelauscht?Warum denn verbirgt sie mir etwas? Warum- liegt ihr Herz nicht offen vor mir, wie das

»reinige vor ihr? Je länger er sich solche Fragenstellte, desto ungehaltener wurde er, destomehrfühlte er sich inwendig versauren. Halt, subres ihm durch den Kopf, sollten ihre wildenAusrüfe während jener Krankheit, ihre Angst,ihre unverständlichen Reden etwa mit dieserHeimlichthuerei in Verbindung stehen? Dasfuhr so wie eine Bombe auf ihn herein undes war ihm nicht anders, als hätte eine Kugelmitten in sein Herz hineingetroffen. Das Feldseiner Vermuthungen dehnte sich unter diesenGrübeleien in eine ungeheure Weite, abernichts gab ihm einen sichern Anhaltspunkt,auf dem er weiter hätte fortschließen können.Es wurde ihm fieberhaft heiß und eine un-widerstehliche Neigung beschlich ihn, seineGattin heimlich zu belauschen.

Leise stand er auf, stahl sich durch dieHinterthür in's Haus, und in ein dem Wohn-zimmer gegenüber liegendes Gemach. Dorthing ein großer Spiegel, in welchem durchdie halbgeöffnete Thüre SuschenS Bild fiel.Sie hatte den Rücken nach ihm gewandt undso konnte er nicht gewahren, was sie that, dochbemerkte er, daß sie sich über einen Gegen-stand beugte, den sie aufmerksam zu betrachtenschien. Halt, sprach sie da nicht? Er lauschtemit dem Ohr gegen die Thüre und hörtedeutlich die Worte: So wär' es endlich stillund heimlich durchgeführt! Bertram hatnichts erfahren, wie neugierig er auch war.Aber was brauchen die Männer auch Alleszu wissen! Hat nicht jede Frau ihre Heim-lichkeiten ?

Bertram zitterte vor Aufregung und be-rührte mit dem Kopfe die Thüre, daß sieknarrte. Suschen fubr empor, stieß einenSchrei aus, als sie ihn sah und wickelte denGegenstand eiligst in ihre Schürze. GarstigerMann, wie du mich erschreckt hast, rief sie,und sprang die Stiege hinauf, von wo siebald mit leeren Händen zurückkam.

Bertram ging hinaus durch den Gartenin's Feld und weiter in den Wald hinein.Es ließ ihm keine Ruhe bis er mitten imDickicht war; dort setzte er sich auf einenbreiten Wurzelstock und schaute, den Kopf indie Hände gestützt, gedankenvoll in das Mooszu seinen Füßen. In den Wipfeln sangendie Vogel, im Grase hüpften und krochenunzählige Jnsecten, aber er sah und hörtenichts von Allem, was um ihn herum vorging.Nur ein Gedanke kam ihnr immer und unab-weislich wieder: Suschen hat ein Geheimniß,welches sie dir zu verbergen strebt. Suschenhintergeht dich und sie wird von schrecklichen