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[1] (1857)
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Der Großvezier beschloß aber Lameth zu-vorzukommen, ließ die Edelsteine im Schatzaus eine Stelle legen, wo der Sultan sie nichtwohl sehen konnte und sie denn auch baldvergaß.

Ebenso vergaß der Sultan Achim undlameth gänzlich und der Vezier hütete sichwohl, ihn an sie zu erinnern. Vielmehr be-trieb er die Werbung seines Sohnes um Bal-lastra so ernstlich, daß er auch bald die Zu-sage seines Herrn erhielt und Alles zur Ver-lobungs- und Hochzeitsfeier rüsten durste.

Achim vernahm das in der Stadt underzählte es mit Bestürzung seinem Sohne.Der blieb aber ruhig und heiter, was Achimsehr erstaunte, indem er sagte:

Ich kriege sie doch!"

Ais nun der Tag herangekommen undvon dem festlichen Zurüstungen ganz Kon-stantinopel unruhig geworden ' war, ging La-meth in sein einsam Stübchen, drehte denZauberring an seinem Finger herum und be-rief die Luftgeister. Sie erschienen sofort undfragten:

Herr, was ist Euer Begehr?"

Ich will wissen, ob Ballastra den Sohndes Großveziers liebt?"

Nein, sie liebt ihn nicht."

Wen liebt sie?"

Sie liebt Dich und Dich allein. Tagund Nackt denkt sie an Dich und dasMyrthengebüsch, in dem sie Dich gesehen hat.Dorthin geht sic oft und flicht Kränze vonkleinen Mprthenzweigen."

Lameth war glücklich, das zu hören, undsprach:

Um welche Stunde soll die Hochzeit be-ginnen und Ballastra den Schleier vor demSohne des Großveziers erheben?"

Um die vierte Stunde."

Gut! Um diese Stunde entführt denjungen Mann in den Lorbeerwald von Da-mascus und haltet ihn dort so lange verwahrt,als es für mich nöthig ist. Thut ihm aberkein Leids an."

Die Luftgeister versprachen cs und es ge-schah Alles, wie Lameth geboten hatte.

Ballastra, obwohl sie Lameth liebte, hattesich dem Willen ihres Vaters nicht widersetzenkönnen und stand weinend im Brautschmuckund Brautschleier da.

Aber der Bräutigam kam nicht. Er warverschwunden, Niemand wußte wohin? AllesFragen und Suchen blieb vergeblich. DerSultan war sehr zornig, der Großvezier sehrtraurig, Ballastra aber froh und ebenso La-

meth. Durch seine Luftgeister ließ er ihr einBlumensträuSchen in die Hand werfen, dasBallastra nach der Blumensprache bedeutete:

Harre ans in Gedulv und Freudigkeit,denn es wird der, den Du liebst und derauch Dich mehr liebt, als sein Leben, es mög-lich machen, daß er zum vollen Glück zusam-menkommt und ein Paar werdet wie IhrBeide wünschet."

Also wurde das Fest zu Schanden undBallastra legte den Schmuck freudig ab, densie traurig angelegt hatte. Ihr Vater abererklärte das Verlöbniß für nichtig und seineTochter wieder frei.

Nun hatte aber auch der Sohn des Groß-admirals Absicht auf Ballastra's Hand undnach einiger Zeit erhielt er um der Verdiensteseines Vaters willen die Zusage. Achim hattesich wohl bemüht, beim Sultan wieder Zutrittzu erlangen, der Vezier hatte es aber zu ver-eiteln gewußt und ihn mit schwerer Strafebedrohen lassen, wenn er sich wieder im Pal-laste zeige.

Achim war traurig, Lameth froh. Erbeauftragte die Luftgeister, es mit dem Sohnedes Großadmirals zu machen wie vorher mitdem des Großveziers und so geschah es auch.Als er zur Hochzeit sich auf's Pferd gesetzthatte und nach dem Schlosse des Sultansreiten wollte, wurde sein Pferd flüchtig, liefaus dem Thore in einen Wald, wie die Luft-geister es führten, und befand sich in demPomeranzenhain bei Groß-Cairo, wo cs mitseinem jungen Herrn, der sich vergeblich garungebehrdig stellte, festgehalten wurde.

Die Verwirrung im Schlosse war nunwieder sehr groß und Herrn und Diener liefendurcheinander, den verlorenen Sohn des Groß-admirals zu suchen. Ballastra allein warguter Dinge und wurde um so fröhlicher, alssie von ungesehener Hand wieder ein Blu-mensträuschen erhielt, welches ihr die tröst-lichsten Verheißungen gab.

Nun hielt Lameth es an der Zeit, selbstzum Sultan zu gehen und für sich nm derschönen Ballastra Hand zu werben. Er be-schied aber vorher die Luft- und Erdgeister zusich und ließ sich von ihnen in allen Dingenunterweisen, um in würdiger Art sich beneh-men zu lernen.

Da führten ihn beide Geister nach derInsel, auf der das Wasser der Weisheit fließtund zu dem sie ihm nur durch vereinte Kraftden Zugang verschaffen konnten. Auch wares für Lameth mit großer Lebensgefahr ver-bunden, denn wenn Einer, der nicht reines