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; Sie zögerten auch nicht zuzulangen und ließen
! sich's vortrefflich schmecken. Solch ein Mahl
z hatten sie in ihrem Leben nicht zu sich ge-
! nommen.
> Nach einigen Tagen war aber wiederSchmalhans bei ihnen Küchenmeister. Sie
! darbten um so mehr, als ihnen nach den fürst-
^ lichen Leckereien die Reiskost nicht schmecken
wollte.
„Lameth," sagte Achim, „gehe hin undverkaufe die eine Schaale an den Zinngießcr,so haben wir wieder für eine Woche zu leben,denn er glaubte die Schaale sei zinnern.
Lameth nahm eine Schaale und ging da-mit fort. Aber gleich an seinem Hause be-gegnete ihm ein Jude und fragte:
„Wohin willst Du mit der kostbaren
> Schaale, mein Sohn?"
! „Ich will sie dem Zinngießer verkaufen."
! „Gieb sic mir, mein Sohn. Ich bezahle
! Dir das alte Zinngeschirr gut!"
! Aber der Jude wußte recht Wohl, daß die
Schaale silbern war, betrog also den Lameth.! „Jude, was giebst Du?"
! «Zwölf Löwenthaler und keinen Deut
mehr. Es ist mir nur um die alte Arbeit."
^ „Nimm sie," sagte Lameth vergnügt, „und
gieb mir die zwölf Löwenthaler."
Das geschah schnell und glücklich überden, wie er meinte, guten Verkauf, eilte La-meth heim. Dee zwölf Löwenthaler reichtenmehrere Wochen, in Venen Achim und Lameth! sich wieder gütlich thaten. Als sie verzehrtwaren, sagte Achim:
„Lameth, trage auch die andere Schaalezu dem Juden, vielleicht giebt er Dir wiederzwölf Löwenthaler."
Das wollte Lameth thun. Auf der Straßesah ihn aber ein Herr und bot auf der Stellefünfzig Löwenthaler. Mit Freuden gab La-meth sie hin, brachte das Geld heim und nunschimpften beide sehr auf den Juden, der siealso betrügerisch angeführt habe.
Das Geld langte nun für vier Monateaus. Dann kam der Silberkessel daran undLameth ging gleich direct zu einem Goldschmied,der wohl ehrlich sein würde.
Der Goldschmied untersuchte den Kesselund sagll:
„Es ist feines Silber, Lameth, aber ichkann Dir nur den Silberwerth bezahlen, denndie Arbeit ist veraltet, so daß ich doch denKessel einschmelzen muß. Ich will den Kessell wiegen und Dir geben, was er an Silberwerth ist."
Lameth willigte ein und erhielt fünfhundert
Löwenthaler, was ihn so erfreute, daß seineAugen glänzten. Betrogen war er aber auchdies Mal, denn die Arbeit war so kunstvoll,daß der Kessel wobl das Doppelte werth war.
Auch Achim war seelensroh und sie be-dachten nun, besser mit dem Gelde umzugehn,weil sie ihren letzten Schatz vergeben zu habenmeinten. Vierhundert Löwenthaler legten sieauf Zins, kauften für das übrige neue schöneKleider und richteten sich so anständig undartig ein, wie sie glaubten, daß sie es nunwohl dürften urd daß es sich für sie schicke.
Sie führten nun ein behaglich und sor-genfreies Leben und wünschten nur, es immerso gut zu haben. In seinen neuen Kleidernsah Lameth gar herrlich aus, daß man ihnwohl für einen Prinzen hätte halten mögen,denn er war schlank und behende, wie wenigeJünglinge.
Nun begab es sich eines Tages, daß erin einem der Lustgärten des Sultan's spazie-ren ging, als die Kanonen auf der Terrasselosdonnerten, zum Zeichen, daß die Frauendes Harems ausgehen würden und jeder Mannsich aus dem Garten sortmachen müsse.
Lameth aber, der gerade an einem dichtenMyrthengesträuche stand, wünschte sehr, dieschönen Frauen einmal zu sehen, und verbargsich deshalb in dem Gebüsche.
Nicht lange so kam auch der Zug vorbeiund da begab es sich, daß die goldene Sänfte,in der die älteste und schönste Tochter desSultans, die holde Ballastra, getragen wurde,ein wenig zerbrach, so daß sie auf die Erdestürzte und laut wimmernd dalag.
Schnell kamen ihre Dienerinnen herzu,ihr behülflich zu sein. Auch Lameth trat einwenig hervor, denn er hätte ihr gar zu gerneauch geholfen, aber es wäre das sein Tod ge-wesen. Verbarg sich also schnell wieder.
Ballastra sah ihn aber und starrte un-verwandt aus sein schönes Gesicht. So aucher und darüber wurden Beider Herzen in hei-ßester Liebe zu einander entzündet. KlugerWeise sprach Ballastra kein Wort. ^ Als sienun aber wieder in die hergestellte Sänfte ge-hoben und weiter getragen wurde, den schönenLameth also nicht mehr sah, wurde es ihr garweh ums Herz, so daß sie abwechselnd rothund bleich wurde und zuletzt in Ohnmacht sank.
Man trug sie in den Pallast zurück undglaubte, sie sei von dem Unfall, der ihr be-gegnet, angegriffen, aber sie war krank vonLiebe zu Lameth.
Auch Lameth ging es nicht viel besser.Lange blieb er noch still im Myrthengebüsche