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Sagen.
von vr. Mannhardt.
Die Gründung des Klosters in Karthaus.
Wa wo heutzutage die Ruine des KlostersMarien-ParadieS in Karthaus liegt, war einstein sumpfiger Mvorbruch, auf dem ein spär-licher Wasen nur hie und da mit Gefahr zu ge-hen erlaubte. Es lief derselbe zwischen denbeiden Seen, dem jetzt sogenannten Krug- undKlostersce hin, an denen damals zwei stattlicheBurgen standen, die eine an diesem, die an-dere an jenem User. Die Burgherren warenin blutige Fehde gerathen und haßten sich tödt-lich. Nun traf es sich gerade, daß der eineBurgherr eine Tochter hatte, ein fein hübschesund gesittetes Mägdlein, und der andere einenSohn. Der war ein Jüngling aller Ehrenund Tugenden voll. Die stimmten nicht einin den Haß ihrer Väter, sondern hatten ein-ander gar lieb und hielten treulich zusammen.Bei Tage durften sie sich nicht sehen undsprechen. Aber Abends, wenn Niemand eSmerkte, schlichen sie hinaus und kletterten, derGefahr nicht achtend, von einem Wasenstückezum anderen, bis in die Mitte zwischen denSeen. Da trafen sie sich. Sie hatten dann
ihre Kurzweil, wie Liebende Pflegen, mit Er-zählen und Herzen und Kosen. Als sie einstnun wieder kamen, brach ein furchtbares Dun-kel herein, so daß man keinen Schritt vor Au-gen sehen konnte. Da wurden die Beiden be-trübt und umschlangen einander j weinend.Wohl versuchte der Jüngling noch einensicheren Rückweg zu finden, aber zum Unglücktrat er einmal fehl und stürzte mit der Jung-frau hinab in eine bodenlose Tiefe des Sumpfes.Als das den Eltern kund wurde, waren sieuntröstlich und verwünschten ihren unseligenHaß mit seinen traurigen Folgen. Fortanaber in Eintracht, ließen sie den Moorbruchzuschütten, so weit es ging, und zwischen denSeen, wo der Jüngling und die Jungfrauverunglückt, mit gemeinschaftlichen Kosten dasKloster erbauen. Die Mönche aber solltenauf ewige Zeiten die Verpflichtung haben,Seelenmessen für beider Liebenden Heil zu le-sen, damit sie nach zeitlichem Leide der unver-gänglichen^Freude gewürdigt würden.
Der Hufeisenstein bei Karthans.
Mähe bei Karthaus liegt an der Land-straße nach Danzig ein gewaltiger Stein, derdie deutlich wahrnehmbaren Eindrücke einesHufeisens zeigt. Hier spielte einmal der Dok-tor Faust, als er in unsere Gegenden kam,mit dem Teufel Karten. Lange schwankte das
Glück hin und her, aber keiner gewann, bisder Teussl sich doch überlisten ließ und dieWette verlor. Darüber ergrimmte ersehrundstampfte mit seinem Pferdefuß auf den Stein,so daß das Hufeisen sich gleich darin abprägte,wie es noch heute zu sehen ist.
Die Burgfrau
Hn Witschkau ist noch heutigen Tagesdie Stätte zu finden, wo in alter Zeit eineBurg gestanden. Da erscheint alle siebenJahre die Schloßfrau in weißem Gewändeund führt zwei liebliche Kinder an der Hand.Menschen und Thieren sichtbar, wandelt sieauf den Pfaden des umliegenden Waldes um-
in Witschkau.
her unv schaut so wehmüthig und gleichsamwie bittend aus ihren blauen Augen, daß einjedes Herz sich bewegt, aber noch Niemandemgab sie sich zu verstehen, und über der Ge-schichte ihres Erdenlebens, wie über der Artund den Bedingungen ihrer Erlösung ruhtder Schleier des Geheimnisses.