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[1] (1857)
Seite
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Wasserlilien künden Hoffnung!-

Ha! Der Huf hat Grund gefundenDort, wo sich einHorn" des LandesWeit hinaus vom sand'gen UferIn den Havelsee erstreckt.

Langsam steigend wieder sinkend -! Hebt das Roß sich in der Havel.

Aus der Mähne strömt das Wasser. .

Nur noch eine kurze StreckeUnd das Ufer ist erreicht!

Um die todesmatten GliederSchlingen sich die Wasserlilien;

Fesseln seine letzten Kräfte;

Und die kalten HavelwasserDecken Roß und Ritter zu.

! Ha! Das Roß hebt sich von Neuem! Und der Hclmschmuck zeigt sich wieder.Kopf und Hals und Brust und RückenUnd der Reiter bis zum SattelSteigen aus dem See empor.

Aus der Mähne strömt das Wasser;Von dem Rücken perlt es nieder.

Gott der Christen! Weltbcsieger!

Stähle meines Rosses KräfteNoch für diesen kurzen Ritt!"

Langsam steigend wieder sinkend -Hebt vaö Roß sich in der Havel;

Aber seine Glieder beben,

Gleichsam von der eig'nen Schwere,

Von der eig'nen Last erdrückt.

Und amLandhorn" angekommen,

Sinkt das Roß zurück inS Wasser

Und der Havel schwarze Wogen,

Die so lange es bekämpfte,

Oeffnen ihm ein weites Grab.

Und der Havel schwarze Wogen,

Die so lange es bekämpfte,

Tragen eines Fürsten ThräneVon der Leiche seines RossesMit sich fort in's Weltenmeer:

Triblitz, Perle meines Reiches,Einem unglückrcichen HerrscherHast die Krone Du gerettet;

Aber mehr als eine Krone,

Triblitz, war'st Du selber werth!"

Also ruft der Herzog klagend;

Klimmt empor am Uferstrande;

Dankt dem Christ engott die Rettung;Hängt dann an die höchste EicheZum Gedächtniß seinen Schild.

* » *

! Beinah siebenhundert Jahre! Sind darüber schon verflossen;

! Andre Fürsten andern Stammes^ Herrschen in denselben Landen,

Die der Wendenkrole Jazzo! Einst sein eigen hat genannt;

! Felder wuchsen, Wälder fielen,

Sümpfe wurden wasserarm;

Drüber ging der Hauch der Zeit,

Und ihr Hauch nahm Völker, Sprachen, -Ja, selbst Relig'onen mit;

Aus dem Buche der NationenWard das Wendenvolk gestrichen;

Viel veränderten die Zeiten;>

Ans den unscheinbarsten DörfernWurden große, schöne Städte;

Potsdam und Berlin erstanden,

Gegen die das alte KöpnikWie ein bloßes Dorf erscheint,

Während andre Wcndenstädte,

Julin, Nhetra und Vineta,

Spurlos von der Erde schwanden;

Viel veränderten die Zeiten;

Auch die Eiche ist gefallen,

Die des Fürsten Schild getragen;

Viel veränderten die Zeiteu:

Doch es blieb des Fürsten Schild!

An der hohen Sandsteinsäule,

Die ein Zollern ließ errichten,

Hängt der Eisenschild noch immer,

Her demHorn," das hier das FestlandAusgestreckt hat in die Havel,

Seinen NamenSchildyorn" giebt.

Weit hinaus vom hohen UferSchaut er über Land und Wasser,

Und erinnert Dich, o Wand'rer,

An den Wechsel aller Dinge,

An die Kämpfe grauer Vorzeit,

An die Völker früh'rer Tage,

An den letzten Wendenkönig,

An das Roß der Rosse Triblitz,

An den Ritt, den wunderbaren,

Durch den weiten Havelsee.