Druckschrift 
[1] (1857)
Seite
190
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

190

Und von jäher UferhöheSprengt er nieder in die Havel.

Und der einz'ge seiner Wenden,

Der bis jetzt ihm treulich folgte,

Bleibt allein am Strand zurück.

Jazzo, großer Wendenkrole",

Also ruft er zu ihm nieder,

Traue nicht den tück'schen Fluthen,

Die hier noch viel unbarmherzger,

Als die Christenfeinde sind!"

Jazzo fühlt es, wie dem RosseNach dem heißen Ritt die KräfteSchwinden, fühlt, daß seines RossesSehnen, krampfhaft zuckend, ihrenDienst versagen, daß es sinkt.

,,Bogh, allmächt'ger Gott der Wenden,""Also ruft der Wilzan Jazzo,

Gott, der meine Väter schützte,

Willst Du mich denn ganz verlassen?!""Immer tiefer sinkt das Roß.

Nun wohlan! Ich will's versuchen,Ob der Christengott mich rettet?!

Ich gelobe, mich zu weihenSeinem Dienste, falls mich glücklichDurch den See mein Triblitz trägt! " "

Ruft es und drückt seinem RosseBeide Sporen in die Weichen,

Daß es, gleichsam neu erstarkend,

Mit gewalt'gem Hufschlag schwimmendIn der Havel vorwärts kämpft.

Aber ach! In welcher weitenRiesenmäßigen EntfernungLiegt das andre Ufer drüben,

Das der Flücht'ge muß erreichen,

Wenn er will gerettet sein!

Blickt hinüber nach den Bergen,

Die dort aus der Havel steigen ;Tausendjähr'ge Königseichen,

Mastenhohe FichtenbäumeScheinen Strauchwerk nur zu sein.

Schwingen hat der Wendcnadler;

Vögel, Winde haben Flügel;

Wünsche und Gedanken fliegen:

Aber nicht ein Kleid von Eisen,

Nicht ein wundenmüder Held.-

Lärmend naht die Schaar der Feinde.-

Sie erblicken nur den Wenden,

Welcher, mit erschlafften Armen,

Regungslos nach einer Stelle, In die Havelfluthen starrt.

! Und sie folgen seinen Blicken.>

Ha! Das ist der Wendenkönig!

Jener Helmblitz dort im Wasser.

Ja, er ist's ... er ist verloren ....Jetzt hat ihn der Strom erfaßt!"

Staunen packt die ChristenritterBei dem Anblick dieses kühnenTodgcwissen Wagestückes,

Und sie starren, gleich dem Wenden,

In den Havelsee hinaus.

Ha! Dort jenseits, wo der StromlaufWieder ruhiger geworden,

Wo das wellenlose WasserKlar den Himmel wiederspiegelt

Zeigt sich dort der Helmschmuck nicht?"

Zeigt sich dort nicht auch die Furche,Welche jene Bahn bezeichnet,

Die der Wendenfürst mit seinemMehr als wunderbaren RosseDurch das Havelwasser nimmt?"

Ja, er ist's!"-Doch kaum die Hälfte

Jener weiten Wasserfläche,

Die ihn von den Pichclöbergen,

Seinem Rettungsufer, trennte,

Hat er jetzt zuruckgelcgt.

Länger schon als eine StundeKämpft er mit den Havelfluthen,

Und den Blicken seiner FeindeIst er lange schon entschwunden,

Doch das Ufer liegt noch fern.

Länger schon als eine Stundel Stampfl sein Roß das schwarze Wasser;Schon erlahmen seine GliederUnd sein Schnauben wird zum Röcheln;Doch - das Ufer liegt noch fern.

! Edles Roß , Dein Herr verzweifelt,

Stachelt Dich mit Sporn und Lanze,

Stachelt Deine letzten KräfteNoch zum allerletzten RitteFür des Leibes Rettung auf.