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[1] (1857)
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SchildlMN.*)

Epische Romanze von Sievert.

TWelch ein Roß und welch ein Reiter!Dem Gewittersturm vergleichbarBrausen sie durch Land und Haide;Und noch keines ChristenrittersSpeer und Pfeil hat sie erreicht!

Schnaubend, staub- und schweißbeladen,Blutend von dem Druck der Sporen,Stampft des Rosses Hus den Boden,

Daß die Erde dumpf erzittert,

Wie wenn ferner Donner rollt.

*) Der große 300jährige Bölkerkampf zwischen Sachsenund Wenden begann mit dem Borrücken Karls des Großenüber die Elbe im Jahre 789 und der ersten EroberungBrennabor's durch Kaiser Heinrich den Städtebauer imJahre 9S8, und endet erst im Jahre 1157, nach einemfast ununterbrochenen Vernichtungskriege, mit der Erobe-rung Brennabor's durch Albrecht den Bären.

Schildhorn ist eine, in der Nachbarschaft Berlins,zwischen Spandow und Potsdam, am Fuße der Pichels-bergs gelegene Landzunge der Havel, deren große Secn-kette sich in einer Länge von 10 Meilen und in einerBreite von einer achtel bis zu einer halben Meile überdie Mark Brandenburg erstreckt. Auf derselben befindetsich ein runder Wendcnschild, der an einer Sandsteinsäulehängt, welche der jetzt regierende Preußenkönig an Stelleder morsch gewordenen Eiche errichten ließ. Desbesseren Verständnisses wegen sind die jetzigen Ortsnamen,statt der damaligen wendischen, beibchalten, als: Bran-denburg statt Brennabor (Waldfeste), Potsdam statt Poz-dupimi (Unter den Eichen), Spandow statt Ispandowc.Krole und Wilzan" heißtFürst oder König."Bogh" heißtGott."

D a die letzte Wendenschlacht bei Branden-burg am 11. Juni 1157 geschlagen wurde und andieselbe sich die festeBegründung der Mark Bran-denburg, die dauernde Einführung des Christen-thums daselbst und die Ausbreitung deutscherSprache und deutscher Herrschaft östlich derElbe knüpft: so würde die Mark Brandenburg(das jetzige Königreich Preußen) am 11. Juni1857 also ein vierfaches Jubiläum zu feiernhaben.

Die Romanze Schildhorn erzählt die Schluß-Episodejener letzten Wendcnschlacht bei Brandenburg. Wirgeben in Vorstehendem den ersten Entwurf dieser Dich-tung, welche demnächst in großer und vollendeter Durch-führung und mit einem Anhänge historischer Anmer-kungen, als ein selbstständiges Werk, im Verlage vonI. C. Huber in Berlin erscheint.

Einen Hclmschmuck trägt der Reiter;In der Sonne glänzt das EisenSeiner blanken Waffenrüstung;

Und von Eisen scheint des RossesGanzer Gliederbau zu sein.

Sag', wer ist der flücht'ge Reiter?Sag' auch seines Rosses Namen!

Jazzo ist es, Fürst der Wenden,

Er, der letzte seines Stammes,

Er, mit Triblitz, seinem Roß.

Jazzo ist es, Fürst der Wenden,Seines Volkes letzte Hoffnung,

Der das Land, das Spree und HavelLangsam sischereich durchfließen,Mit der Kraft der Waffen schützt.

Jazzo ist es, Fürst der Wenden,

Der zu Köpnik residirte,

Als Berlin die große, schöneResidenz der Hohenzollern

Noch ein elend Dörfchen war.

Jazzo ist es, Fürst der Wenden,Der, bei Brandenburg geschlagen,

Hart verfolgt vom tapfern Feinde,Wundenmüd sein Land durchflüchtet,Er, mit Triblitz, seinem Roß.

Sieh sie dort am Strand der Havel,Jenseits von den Pichelsbergen,

Wo des Flusses schwarze WasserSich im breiten Bette wälzen

Sieh sie dort zur kurzen Rast.

Wendenherzog! Wendenherzog!

Hörst Du das Geschrei der Feinde?Siebst Du ihre sieggewohntenStolzen Christenwaffen blitzen?

Jazzo, Jazzo! Rette Dich!

Vor ihm liegen Spandow's Sümpfe,Ihm zur Rechten strömt die Havel,Hinter ihm die Schaar der FeindeWendenherzog! Wendenherzog!

Wähle Knechtschaft, oder Tod!