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Wirklich saß auch schon das Mütterchenwieder an seiner gewohnten Stelle.
Als aber die Magd mit freudeglühcndenWangen sich ihr näherte, um ihr die Hälfteihres unerwarteten Besitzes anzubieten, verwan-delte sich die Alte plötzlich in eine schlanke lieb-reizende Frauengestalt. Ein blitzendes Diademvon Edelsteinen glänzte um die Ltirne, die mitdem Schnee wetteiferte, während eine Füllegoldhcller Locken den alabasternen Nacken um-ringeltc und ein Kleid, das aus den zartestenMorgenwölkchen gewoben zu sein schien, ihreanmuthigen Glieder umfloß.
Du frommes Mädchen, sprach mit huld-vollem Lächeln die Verklärte, behalte, was derUnverstand Dir zugcworfen, und benütze esmit Klugheit und Mäßigung. Es läge inmeiner Macht, Dich mit größeren Schätzen zuüberhäufen, als Du erhalten hast, aber mehrgeben heißt oft weniger geben. Bleibe frommund tugendhaft, wie Du bist, und Dein Eigen-thum wird gedeihen und Dir frommen. Ge-denke der Beschüherin dieses Baumes und erinnereDich bei dem Anblicke desselben noch oft dessen,was sic Dir gesagt. Nach diesen Worten zer-floß die liebliche Erscheinung vor den Augendes Mädchens, das vor ihr auf die Kniee ge-sunken war, in immer leichtere Nebel, bis sieendlich seinen Augen gänzlich entschwand.
Von einem Meere von Gefühlen die Brustdurchwogt, eilte hieraus die Magd mit ihremSchatze nach Hause, und erzählte in freudigerLebhaftigkeit der ganzen Dorsschast das Vor-gefallene. Jeder gönnte ihr von Herzen dasGlück, das ihr zu Theil geworden; nur ihrgeiziger Dienstherr ärgerte sich dergestalt darüber,daß er bald darauf vor Galle starb.
In kurzer Zeit heirathete die Magd ihrenschmachtenden Verehrer, und oft noch saßenBeide und später auch noch mehrere mit ihnenunter dieser Föhre, und gedachten in dankbarerErinnerung des gütigen Wesens, das derGründer ihres Lebensglückes geworden.
Dieses, Herr, ist die Geschichte von dufterFöhre, die mir, da ich noch ein Kind war,mein Vater mittheilte, der sie von seinem Groß-vater gehört hatte. Der Daum aber ist nochheutzutage als die verzauberte Föhre im March-felde bekannt.
So sprach der Landmann, erhob sich so-dann und ging, mich noch freundlich zum Ab-schiede grüßend, seine Straße weiter, ich aberließ meine Blicke noch lange in den grünendichten Nadeln der Föhre schweifen, und diemärchenhaften Gestalten der jungen Magd, desgeizigen Bauers und der Driade des Baumesals altes Mütterchen an meinem geistigen Augevorüberwallen.
Mainsagen.
von A. Fries.
Das Fladenkreuz bei Wenkheim.
Our Zeit, da die Ritter Hund ans ihrerBurg zu Wenkheim in Glanz und Herrlichkeithausten, ging es im Ort selbst oft lustiger undlebhafter zu, als heut zu Tage der Fall ist.Ritter und Herren zogen bei den wcitunige-ehrten Burgherren aus und ein; reiche Handels,leute boten ihre Maaren seil; Geistliche ausden vielen benachbarten Klöstern gingen abund zu; da gab es alle Tage was Neues zuhören und zu sehen. Am Lustigsten aber ginges am Osterdienstag zu. Alt und Jung inDorf und Umgegend freute sich darauf dasganze Jahr durch, denn an diesem Tage fanddas „Fladenreiteu" statt.
Die Festlichkeit des Fladenreitens bestand
in einer scherzhaften Nachahmung der Turniere*).Die Waffen, die dabei gebraucht wurde», warenlange Bohnenstangen, und das Ziel, um dasdie Tkeilnehmer sich mühten, ein Fladen vonder Größe eines Pflugrades. Dieser Fladenwar, auch abgesehen von seiner Größe, einwahres Kunstwerk von Bäckerei; denn er mußteoben und unten nnt Käse und Süßigkeiten be-legt sein und demnach auf beiden Seiten denGlanz einer goldgelben Scheibe haben. KeinBäcker in der Gegend verstand ihn zu backen;
*) Dies ist die Ansicht eines Erzählers. Es könntejedoch auch ein uraltes heidnisches Fest zur Feier derFrühlingsgöttin Ostara darunter verborgen sein.