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nur bei den Besitzern der neuen Mühle unter-halb des Orts erbte sich das Geheimniß derVerfertigung von Kind zu Kind fort.
Ilm Tage des Festes sammelten sich dieTheilnehrner am Wettrennen, die oft weit ansdem Gau hcrkamen, auf dem Burghof undzogen dann mit Sträußen und Flittern geziert,unter Trompeten- und Paukenschall durchsDorf hinab auf die Hofwiese. Hier stelltensie sich nach dem Loos in Reib' und Gliedund ritten dann, nachdem der Fladen aufge-steckt und ein Zeichen mit der Trompete gegebenwar, so schnell sie vermochten, hinab zur neuenMühle, schwenkten da und sprengten dannwieder gegen das Dorf hinauf, wo das Zieldem Vollmond gleich den Reitern entgegen-leuchtete. Wer bei der Wiederkehr den Fladenmit der Stange durchstach, bekam diesen zumDank und wurde zum Fladenköuig ansgcrufen.Nachher ging der Zug durchs Dorf zurück,
hielt aber an jedem Judenhause an, um eineGeldabgabe zu erheben. Diese ward dann dazuverwendet, einen Theil der Zeche zu bezahlen.
Diese Festlichkeit endete einst sehr blutig.Einer der Theilnehmer beschuldigte nämlichseinen Freund, mit dem er in Fried' und Freud'zum Feste geritten war, dieser habe, als erschon nahe daran war, den Fladen zu durch-stechen, ihm durch List sein Pferd zum Sturzund ihn dadurch um den Dank gebracht. VomWortwechsel kam es zu Faustschlägen und vondiesen zu den Messern. Ehe es die Anwesen-den verhindern konnten, lagen zwei Jünglinge,die sonst die besten Freunde zusammen waren,verblutend auf der Erde da. Die Stelle, wodies geschah, hat der fromme Sinn der altenZeit durch ein einfaches Steinkreuz bezeichnet,das bis auf den heutigen Tag das „Fladen-kreuz" genannt wird, weil der Streit desOsterfladens wegen entbrannt war.
Das Rappenkreuz bei Miltenberg.
Win vornehmer Herr in Miltenberg wollteeinst ans die Reise sich begeben und ritt frühvor Tage auf seinem treuen Rosse, einemRappen, von Hause weg. Allein Todfeindevon ihm hatten erfahren, daß er fortreise undwollten diese Gelegenheit zu seinem Verderbenbenutzen. Sie lauerten daher aus ihn nahebei der Stelle, zwischen Miltenberg und Klcin-hcubach, wo der uutergegaugeue Ort Wach-hausen gestanden, fielen ihn an und brachtenihn um's Leben. Sie wollten sich auch desRappen bemächtigen. Der schlug aber vornund hinten aus, rannte wie Blitz und Wetterwieder nach Hause und blieb vor dem Stallestehen. Aus diesem Umstände erkannten dieAugebvligen des vornehmen Herrn, daß diesemein'Unglück müsse zngestoßen sein. Sie forsch-ten überall nach, aber ohne eine Spur zu ent-decken, die auf das Schicksal des Verschwun-denen führen konnte. Den Rappen aber behieltman, immer noch hoffend, sein Herr könnewiederkchre» und sich seines treuen Thieresfreuen, in guter Pflege. Jedoch vergeblich!Jahre an Jahre verstrichen und von dem Ver-schwundenen ward nichts mehr gehört.
Schon schien das Hoffuungsreis in dieserVache ganz verdorrt, da trat der Stallknecht,der den Rappen zu warten hatte, einst vorseinen Herrn und sprach: ich kann nicht länger
mehr verschweigen, was ich an unserm altenRappen schon seit Jahren bemerkt habe, undgestern wieder sah. Jedesmal nämlich, wennich mit ihm nach Heubach reite, oder ihn aufdie Wiesen dort zur Weide bringe, hält er ander Stelle, wo der Weg nach Nüdenau abführt,stille, nüstert auf dem Boden am Wegrandeumher, scharrt dann mit dem Hufe und ist nurmit Mühe wegzubringen.
Ich habe anfangs nichts sonderliches daringesehen; aber weil das Thier jedesmal cs somacht, so ist mir der Gedanke gekommen, obdies nicht die Stelle sein möchte, wo unserlieber alter Herr verunglückt ist.
Der junge Herr ließ sogleich die angezeigteStelle untersuchen. Da fand man, nach kurzemUmwühlen des Bodens wenige Schuh tief unterder Oberfläche die vermoderten Ueberreste einesMannes. Aus Ueberbleibseln der Kleidung undResten der Stiefel, den Sporen und anderenKennzeichen ergab sich auf's deutlichste, daß diesdie Leiche des vornehmen Herrn sei, der hier ge-mordet und von den Thätern im leichten Sand-boden eilend verscharrt worden war.
Auf der Stelle errichtete man zum An-denken ei» Kreuz, das noch heute, weil der treueRappe hier aus die Spur des verlornen Herrngeleitet, das Rappenkreuz heißt.