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wollte, schnitt er ihr mit jedem Tage das Brotkleiner und kleiner zu, und als sie dessen un-geachtet dasselbe noch mit der Bettlerin theilte,verabfolgte er ihr am Ende gar keines mehr,so daß die Aermste für das Flehen der Altennichts sonst als ihre heimlichen Thränen hatte.

Zu jener Zeit geschah es, daß der geizigeBauer eines Tages zu einem Hochzeitsschmausenach einem benachbarten Orte geladen wurdeund dieser Einladung Folge leistete.

Bei Geigenschall und Zitherklang war derTag nach üblicher Weise dahingebracht, undschon hatte die Nacht ihre schwarzen Fitticheüber die Flachen der Marchfelder gebreitet, alsder ziemlich betrunkene Bauer seinen Heimwegaus dem Hochzeitshause antrat.

Er mochte eben nicht auf den geradestenWegen zu dieser Föhre gekommen sein, als erzu seinem nicht geringen Erstaunen an derStelle des Baumes ein großes palastähnlichesGebäude erblickte, dessen hohe und hellerleuch-tcte Fenster weit in die Nacht hinausschimmerten.

Voll von Verwunderung und Neugierdeüber dieses so plötzlich aus der Erde hcraus-gewachsene Haus, näherte er sich der offenenEingangspforte und gewahrte in einem Pracht- !vollen mit Blnmenguirlanden verzierten Saale !eine noch prächtigere Tafel, an der eine Frau Ivon überaus großer Schönheit, in Mitte vieler !reichgeschmückten Gäste saß, während die Herr- !lichsten Musikklänge die Halle erfüllten. Nicht !lange aber hatte der Neugierige noch dort ge- 'standen, als er von der Dame erblickt undeingcladen wurde, an der Festlichkeit Theil zunehmen.

Dieses ließ sich der geizige Bauer nichtzweimal sagen, und im nächsten Augenblickeschon saß er an der Tafel, die von bildschönenJungfrauen fortwährend mit den duftendstenGerichten beschickt wurde, während reich geklei-dete Diener den Gästen kunstvoll geformte Pokaledarreichten und sie mit dem herrlichsten Weinefüllten.

Der Bauer ließ es sich vortrefflich schmecken,und bestrebte sich, mit nicht geringer Anstrengung,seine immer mehr zunehmende Trunkenheit soviel als möglich vor den Augen der Hausfrauund ihrer Gäste zu verbergen, und suchte Alleshervor, um seine Artigkeit gegen dieselben anden Tag zu legen, was freilich immer sehrtölpisch ausfiel.

Aber auch die Dame und ihre Gesellschaftließen es nicht an Zuvorkommenheit gegen ihrenländlichen Gast fehlen, und als sie von derTafel aufbrachen, uni im anstoßenden Saaleden Freuden deS Tanzes zu huldigen, zu dem

der Bauer, seiner wankenden Beine wegen,durchaus nicht zu bewegen war, nöthigten sieihn, noch seine Taschen mit Backwerk undZuckersachen vollzufüllen.

In einem Taumel vonden widersprechendstenMuthmaßungen, in den ihn das eben Erlebteversetzt hatte, gelangte er in seine Wohnung,weckte sogleich sämmtliche Hausgenossen underzählte ihnen, was ihm bei der großen Föhrebegegnet war.

Als er aber aus ihren ungläubigen Mienenersah, daß sie an der Wahrheit seiner WorteZweifel hegten, leerte er seine Taschen, um siedurch den Augenschein von dem Vorgefallenenzuüberzcugen. Wer aber schildert seinen Schrecken,als er statt des Zuckerwerks nichts als schwarzeKohlen erblickte.

Wüthend vor Zorn über den Streich, denman ihm gespielt, sowie über das Gelächterder Anwesenden, raffte er rasch die Kohlen zu-sammen und schleuderte sie der Magd in dieSchürze und rief: Da hast Du die saubereBeschecrung, die kannst Du morgen mit Deineralten Here thcilen!

Die Verhöhnte nahm geduldig die Ver-höhnung und den zugeworfenen Kohlenhaufenhin und begab sich in die Küche, um letzterenauf den Heerd zu schütten. Wie sie aber dortdie Schürze entfaltete, da flimmerte und funkeltees ihr aus derselben gar wundersam entgegen,und als sie darauf den Inhalt der Schürze beieinem Kienspahne näher betrachtete, erblickte sielauter blanke funkelnde Goldstücke.

Allsogleich eilte sie wieder zu ihrem Dienst-herrn zurück, der bereits sein Nachtlager gesuchtund sich eingeschlossen hatte und pochte heftigan die Thüre.

Was giebt es? rief der Trunkenboldunwirsch.

Ich bringe Euch Eueren Schatz zurück,antwortete die Magd, es sind keine Kohlen wieIhr geglaubt, es sind . . .

Geh' zum Guguk! polterte der Alte, undwenn es lauter Goldstücke wären. Ich schenkesie Dir, sie sind Dein, ift's doch nichts alseitles Blendwerk und daß Du nicht wie-der kommst!

Unschlüssig was es weiter thun sollte, be-gab sich das Mädchen endlich langsam nachseiner Kammer und bewahrte den Schatz.

Kaum aber, daß der Morgen um den Randder Marchfelder die ersten Lichtstreisen zog,sprang cs auch schon wieder von seinem Lagerauf und eilte hinaus zu der Föhre, um denSchatz mit der armen Alten zu theilen, wieder Dienstherr sie geheißen hatte.