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die Eine, durch die stille Fluth dcö Schluch-sees zieht sie ihres Laufes rauschende Furchen,eilt vorwärts, immer weiter durch finsterewilde Thalgründe, hoffend, vor der alternSchwester das Ziel zu erreichen. Aber wenigehundert Schritte vor demselben trifft sie mitder eilenden Schwester zusammen und stirbtmit ihr in den Armen des Geliebten.
Unterdessen hat sich auch die Alpenjung-frau, die schäumende, wilde Tochter des Aar-gletschers mit ihm vereinigt, und mächtigerund lebendiger werden wieder seine Wogen,als hätte die stürmende Alpentochter ihm neuesLeben in die Adern gegossen.
Doch auch die dritte der Feldbergtöchter,die lieblichste von Allen, hat ihre eilendeWanderung begonnen. Zur Rechten im schäu-menden Wasserfall von den grünenden Berg-wiesen Todtnaubergcs, zur Linken im rieselndenSilberquell in's liebliche Thal eilend, zieht siezwar eilenden, doch stets bedächtigen Schrittesdaher. Man steht es ihr an, daß sie nicht inbesinnungsloser Hast ihres früheren Lieblings-geschäftcs vergessen hat. Sie blickt ringsumden Wanderer mit flücbtig vorübereilenden, aberfreundlich grüßenden Augen an, sie ergeht sichim Rasen dunkelgrüner Matten, und wo ihresLaufes Spuren sind, da sproßt und treibt derüppige Frühling aus dem gesegneten Schooßder Erde, und die gefiederten Sänger Heckenan ihrem Wege, und der traute Sänger Alle-mannien's schöpft aus ihrem cristalischen Quellden durchsichtig klaren Strom seiner lieblichenGesänge.
Mit mächtigen Eisenhämmern schmiedetsie das glühende Erz, mit starken Armen drehtsie riesige Räder und Wellbäume, mit trautemGekose ladet sie lechzende Wanderer ein zumkühlen Bade in ihrer hüpfenden Fluth, anihrem klopfenden Herzen. Ungern, zögernd,langsamen Ganges verläßt sie die üppigenGründe ihres ThaleS, fast scheint es sie zureuen, daß sie dem Fremdling so weit schon
nachgczogen, daß sie ihre krystallene Heimathin den Bergen verlassen, sie zieht sich müdenSchrittes, sinnend, eine Zeitlang längs denPfaden des enteilenden Alpensohnes hin. Daan der letzten Grenze seiner Heimath, kommter plötzlich um die Ecke vorspringender Bergehervor, blickt sie an mit dem freundlichen Augeder Liebe, und der Heimath, und des liebenThales, und der liebgcwordenen Menschen; derHeimath vergessend, stürzt auch sie sich inseine auSgebreitete Arme, mit ihm in fremdenLändern Leiden und Freuden zu theilcn.
Die vierte Schwester aber will sicher sein,daß er ihr nicht entrinnt. Sie eilt schnellen,flüchtigen Laufes nach Norden hin, bricht sichschäumende Bahn durch die himmclanstreben-den Felsen des Höllenthales, eilt, ohne Auf-enthalt, durch die lieblichen Fluren des Him-melreiches, ruft der ragenden Kuppel des breis-gauer Münsters ihr letztes Lebewohl zu, underreicht endlich, nach längerer Verfolgung,gegen Westen sich wendend, den Flüchtling, derselber älter geworden, und langsamer daher-schrcitend, kaum noch der früheren Freundinsich erinnert, als wäre sie ihm zu alt odergar unterwegs eine Betschwester geworden.
Seitdem sind die Namen der Schwesternvom Feldberg verschollen. Ihr Leben ist indem Schooß des gewaltigen Alpensohnes ver-schwunden und mit ihm in den Sandflächenferner Ebenen versiegt.
Aber noch trauert der greise Riese imFeldberg um seine verlorenen Kinder, und seitJahrtausenden ist die Quelle seines Schmerzes,das Rinnsal seiner Thräncn nicht vertrocknet.Auf den Pfaden, auf denen sie aus der Hei-math entflohen, fließen bis zu dieser Stundedie Bäche seiner Thränen, und die Umwohnerhaben denselben nach ihrer Weise, statt denverschollenen neue Namen gegeben, sie nennensie Wutach, Schlüch, Wiese und Dreisam,und der Alpensohn, der sie entführt hat, istder mächtige Rhein.
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Mus einem Sommerausfluge hatte ich be-reits eine große Strecke ver kornreichen March-
*) Eine 6 Meilen lange und Z Meilen breitefruchtbare Ebene in Oesterreich.
selber zurückgelegt, als sich meinen Blicken dieGruppen einzelnermitBäumenumgebencrHäuserdarbotcn, die von einem grauen alterthümlichenThurme überragt wurden. Es war das freund-lich gelegene Städtchen Marcheck.
Märchen aus dem Marchfelde.
von »r. I. N. Vogl.