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[1] (1857)
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wogenden Meere kleinerer Berge, welche auchvon der Tiefe der Thäler aus gesehen, selbstwieder mächtige Riesen sind.

Durch daS dunkle, wirre Gewoge dieserBerge brechen sich zahlreiche, anfangs finsterschattige, dann immer freundlicher und lichtersich öffnende Thäler ihre Bahn hinaus in dieblauduftige Landschaft, silberne Wasscrfädenblitzen an den grauen Felswänden und schmie-gen sich friedlicher strömend an den grünenBoden der Thalgründe, in der Ferne spiegelnsich an dem verschwimmendcn Horizont dieUmrisse wohnlicher Stätten der Sterblichen,Kirchtbürme und Dome ragen in die Wol-ken, die fernen burggekrönten Bcrgkegel deSHogaues werfen ihre Umrisse auf den schim-mernden Hintergrund des Bodensee's, derRhein zieht sein Silberband, wie einen glän-zenden Nahmen um den westlichen Saum desGemäldes, und im fernen Süden reihen sichvom See bis zum Montblanc Gipfel anGipfel die schneebedeckten, in abendlicher Pur-purgluth leuchtende Häupter der Alpen.

Um dich her, da, dort an den sonnigenGrashalden weiden harmlose Heerdcn, und zudeinen Füßen, wenige Minuten unter demKamme des Berges, lehnen sich einzelne be-scheidene Hütten mit ihren felsbelastetcn Stroh-dächern, an die schwellenden Moostcppiche derAbhänge.

Ta stehet der Mensch über dem Menschen,er fühlt sich empcn gehoben, wie auf den Fitti-gen einer höheren Ahnung, auf dem Reichedes Scholiens in das Reich der Geister.

Darum wohnen auch die Geister in denSchluchten dieser Berge, und die Kobolde undWaldfräulein in dem Dunkel der Tannenforste,und liebliche Wassernixen an den sprudelndenQuellen der Bergbäche. Auch des FeldbergcsEingeweide hat die Sage mit ihren Gebildenbevölkert.

Dort im Innern deS mächtigen Bergeswohnt seit Jahrtausenden in hochgewölbtenErzkammern der Niese des Gebirges, und soweit die Bcrgwclt der schwarzwäldcr Tannensich erstreckt, und so weit der Lauf der Feld-bergströme und Bäche reicht, tragen sie dieKunde von dem Riesen im Schooße des Feld-bergcs.

Am Tage, so berichtet die Sage, wohnteder Riese still in der Tiefe des Berges, ver-gnügt im Kreise von vier blühenden Töchtern,welche dem Bater in Liebe zugctban, seinermit kindlicher Sorge Pflegten, und ihm Kundebrachten von der Außenwelt, in welche siemanchmal herauslraten. Sie wandelten dann

leisen Schrittes durch die einsamen Gehöfte,blickten verstohlen durch die runden Fenster-scheiben, und wenn der Hosbauer hcrsuslrat,den fremden Gast zum Eintritt einzuladen,waren sie verschwunden. Wenn ein Ehcpär-lein irgendwo zusammen lebte in Liebe undEintracht, und es kam in den ersten sechsWochen das Bergfräulein an's Fenster, sowußte man schon, waö in Monaten daraufin's kinderlose Haus beschccrt wurde, undwenn an einem Krankenbette um die mitter-nächtige Stunde das leise Seufzen desselbensich vernehmen ließ, so galt cs als eine Vor-bedeutung baldigen Todes. Wenn am Abendin den Frühlingsmonaten wie leichte, duftigeWölkchen die weißen Schleier der Jungfrauenum die Kuppen des Feldberges flatterten, soverkündeten sie den Thalbewohncrn ringsum-her warme Maientage und ein gesegnetesJahr, und wenn am heiligen Christfest dieniedere Stube des Wälderhauses strahlte vonLampenschein und jubelnden Kindergesichtern,so stand sicherlich ein Bergfräulein draußenvor der Thüre, oder in einer Ecke der Stube,und legte mit unsichtbarer Hand den Kindernbuntes Spielzeug unter dem Christbaum, undlächelte still vergnügt zu den Freudcnthränen,die den Eltern über die Wangen glitten.

In Hellen Mondscheinnächten sammeltensich je zuweilen die umwohnenden Berggeisterauf der Kuppe des Berges, und selbst diefernen Alpcnriesen sandten ihre Söhne undTöchter, wenn auf der luftigen Höhe die Har-fen der vier Winde erklangen, und die Gästealle in wildem, rauschendem Neigen über dieschwellende Moosdccke umherwirbclten.

Auch des Feldbergcs Töchter fehlten da-bei natürlich nicht, und bald gewahrte derbekümmerte Vater, daß dieselben nicht mehrdie stillen, folgsamen, einträchtigen Kindervon früher waren, daß sie ihre ehemaligenGänge zu den Berghütten mehr und mehrversäumten, und daß etwas Besonderes ihnendurch Kopf und Sinne ging. Vergebens^ suchte er ihnen ihr Gchcimniß abzulauschen,l vergebens sie zu offener Rede zu bestimmen.! Warum diese Veränderung?

Bei den fröhlichen Mondscheintänzen warauch mehrmal ein Bergsohn aus dem Alpcn-landc drüben erschienen, der war stattlich an-zuschauen, und seine Augen leuchten hellund freundlich wie Krystall, und um seineSchläfen glühten duftige Kränze von Alpen-kräuter und Alpenrosen, und jedcömal hatteer auch für des Feldbergs liebliche Töchter! ein Sträußchen der Erinnerung mitgcbracht.