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[1] (1857)
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So verstrich das Fest in klarer Freude,

Dann schied Otto, um bei einem FreundeUnfern Linz vor Nacht noch einzutreffen.

Und mit Recht gedach't er, als vom RosseEr zu Rolands Burg empor sich wandte,Welches Leid die Liebe Ritter Roland,

Welches Heil Eustach gewährt. Dann war erFrohgemutst, daß Helias edle TochterZu so seligem Glück er hingeleitet.

Lange noch vom Söller schauten JdaUnd Eustach dem Zuge nach, dann küßtenSie einander, Thränen in den Augen,

Mit gar frommem Kusse, wie nur treueEhegatten können. Beide eiltenAn ihr Werk sodann, auf daß des SchlossesRäume nach dem festlichen GelageHäuslicher Behaglichkeit sich wiederOeffneten. Und noch am selben AbendWar die Ruh im Schlosse wieder heimisch.

Aber Jda, da sie dann zum SchlummerSich gelegt und ihres hohen GönnersWort und Wunsch erwog, bat im GebeteGott, daß treu er ihrer walten möge,

Wie er stets gcthan. Dann fiel in Schlaf sieUnd ihr kam ein Traum, daß sie bedäuchte.Bei sich habe sie drei Sohne,

Jeglicher mit einem güldnen KrönleinAuf dem Haupt. Und als darnach den fünftenFest sie an sich zog, fiel seine KroneAuf den Estrich und zerbrach. Da hörteEine Stimme sie, die sprach: Drei SöhneWirst du, liebe Jda, König HeliasKind, gebären, dir zur großen FreudeUnd Eustach und der gesammten, großenChristenheit zum Heil, nur hüte fein dich,

Daß nicht eine andre Frau, du selbst nurAn der Brust sie nährest. Also ist esRecht und heil'ge Mutterpflicht. Das wisse!

Dann entschwand der Traum und andrenMorgensMußte sie, nicht ohne Scham im Antlitz,Ihren Traum dem Gatten offenbaren.

Froh erstaunt zog an die Brust Eustach sieUnd von Herzen gern gelobten Beide,

Daß allein sie Mutter sein, daß treulichSie allein den Söhnen Nahrung reichen,

Solle nach dem Traumwort, keine Andre.

Und der Traum ging herrlich in Erfüllung,Denn in dreien Jahren schenkte JdaIhrem Gatten drei so schöne Söhne,

Wie je Söhne waren. Und sie tauften

Gottfried ihren ältesten, den zweitenBalduin und nach dem Vater nanntenSie Eustach den jüngsten. Jda nährteSie mit süßer Seligkeit und wahrteAlle drei wie ihre Augensterne,

Doch was Gott in seinem Rath beschlossen,Das geschieht und Niemand mag es wehren.

Denn als mit Eustach am heil'gen PfingstfestZur Kapelle sie gegangen, frommenSinnes für ihr Glück zu danken, und alsAllzu lang' die Blesse währte, da wardWach indeß ihr Sohn Eustach, verlangteSchreiend nach der Mutter und vor HungerWeinte er gar bitterlich. Das hörteEine Freundin Jda's und voll MitleidLegte sie an ihre Brust den Säugling,

Daß er Nahrung habe und sich stille.

Gierig trank das Kind, da nahte JdaVoll Verlangen selbst »ach ihren: Sängling,Aber wie erschrak sie, als ihr Kind sieSah an ihrer Freundin Brust! O wehe!

Nies sie laut, Frau, gute Frau, was thut ihr?Ach, nun wird mein armes Kind der hohenWürdigkeit verlustig, die von Goit ihmWar bestimmt. Weh mir, daß ich so langeEs verließ! Nun wird er dienen müssen,Während seine Brüder Kronen tragen.

Also klagte sie und weinend sagteJl,re Freundin: Ach, vergebt mir, Jda,

Zürnt mir nicht, ihr wißt, aus gutem WillenThat ich, was ich that. Dem armen Kindlein,Das um sein Verlangen ick beklagte,

Meint' ich eine Wohlthat zu erzeigen.

Liebreich auch mit vielen nnlven WortenTröstete Eustach sie, doch vergebens,

Denn sie nahm es sich zur Schuld, zu langeVon dem Kind entfernt, ihm seine KroneSelbst geraubt zu haben, sie, die Mutter.

Und sie und trank den ganzen Tag nicht,Mocht' auch Niemand sehn, der frohe PfingstenFreundlich ihr zu wünschen in das Schloß kam.

Lange konnte sie, was für ein großesTrübsal sie nun einmal hielt in: Herzen,

Nicht vergessen und mit Thränen schauteSie gar oft des Kindes fröhlichem Spiel zu.Dann vergaß sie's doch, wie fromme Mütter,Wenn sie ihre Kinder gut und glücklichWachsen und gedeihen sehen, AllesUeber solches Heil zuletzt vergessen.