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[1] (1857)
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Drachenfels! Ja, staunet nur hinüber,

Den» seit viel Jahrtausenden ist StaunenEr gewohnt, und wehe dem Geschlechte,

Das ihm seine Felsenstirn zertrümmert,

Seine Zinne fällr, mit der den Weg erUns zu weisen hat in Gottes Rheingau!Nolandseck, dem Drachcnfels genüber,

Schau, wie hebt es sein mit Buchenzweig undWein umkränztes, liebliches BasalthauptAuch zur Wache auf! Doch nicht die LandschaftUeberwacht es, nur die grünen Inseln,Grafenwerth und Nonnenwerth, zu wahrenScheint es hingestellt, der frommen Juugfraun,Die dort wohnen, treuer -schütz. Denn brausend.Wo der Jungfraun Lieder und GebeteJetzt erschallm, brach voreiust des RheinesFluthenschwall siegreich durch das Gebirge.Donnernd tobten dort die hohen Wogen,

Die jetzt lieblich um der NachtigallenStill Gebüsch hinfließen. Rheingeplätscher,Nachtigallgesaug und Jungfraunlieder,

Klingen nicht die dreie gut zusammen?

Doch wohin verliert sich meine Rede?

Ach, verzeiht, wenn gar zu überschwänglichIch gepriesen, was doch unerreichbarIst für Dichterwort. Es geht die LippeLeicht ja über, wenn das Herz uns voll ist.

Kehren zu der jungen Hausfrau JdaWir zurück, die nun schon einen Mond langWeilt auf Godesberg und alle ZufluchtUnd den besten Trost, der Liebe Segen,

Bei Eustach gefunden. Emsig schaltendEilt sie durch die Zimmer, ordnend, weisend,In der Küche mustert selbst und kostetSie der Köche fleißig Werk, der hoheRittersaal erglänzt von Blumenkränzen,

Mit dem Auserlesensten des KellersLäßt sorgsam Eustach die Tafel zieren,Römergläser bei gefüllten KrügenKünden auch, daß eines hochgeehrtenGastes heut die jungen Wirthe harren.

Also ist's. Ihr heißgeliebter KaiserOtto kommt. Es tritt Eustach mit JdaAn des Saales Fenster oft und weitherSehn den Zug sie nah». Käni' aus den ThorenEr von Köln hervor erst, traun, ich glaube,Daß vor lauter Liebe sie auch dort schonIhn zu finden mit den Augen strebten.

Jetzt ertönt des Wärters Horn. Zur AntwortLäßt Fanfaren laut der kaiserliche.Herold blasen. Lustig auf dem BannerFlatternd, schwebt empor den Berg der deutscheNeichsaar, weiten Flügclschlags. Nun schallt undDröhnt auch schon der klimmendeuNosse Hufschlag.

Auf steht Thor und Gatter. Rasselnd niederSenkt die Brücke sich, da tritt der SchloßherrZu dem Kaiser hin, der sanft des RossesNacken klopft, faßt sorgsam Zaum und BügelUnd entbeut ihm Willkomm. Wie ein JünglingRasch vom Roß springt Otto, in den ThorgangArm in Arm hinschreitet mit Eustach erUnd ruft laut: Führ mich zu deiner Hausfrau ISaht ihr einer junger Frau verklärtesAntlitz je, wenn sie zum ersten MaleEinen t^ast empfängt am eignen Heerde,

Dann seht Jda jetzt auch. Lachten Perlen,

So vermeint' ich wohl, daß Jda's AugenSolchen Perlen glichen, süße RötheUeberfließt ihr Antlitz, von den LippenLöst kein Wort sich ab, doch zwischen ihnenSchämig, schelmisch, und wie glänzenIhre weißen Zähnchen! Leicht sich neigendTritt mit solchem Liebreiz vor den KaiserJda hin, der überrascht ihr HändchenFaßt und lächelnd selbst dann überrascht ist,Daß er es geküßt. Doch zarter FrauenLiebreiz kann so Männersinn bezaubern,

Und ich meine wohl, daß nie im LebenJda diesen Handkuß wird vergessen.

Welch ein Festtag auf den, Godesberg daWard gefeiert, will ich nicht versuchenEuch zu schildern. Doch es war der KaiserAlso froh bei seinen Wirthen, daß ohn'

Ende seine Rede floß, daß laut seinScherzwort klang und hell sein Lachen,

Und er kaum der schweren KaisersorgenNoch gedenk blieb. Goldig in der RömernSchimmerte der edle Wein, es war auchAller Herz heut mit der edlen FreudeGold erfüllt und jeder Gram vergessen.

Da erhob sein Glas der Kaiser OttoUnd sprach laut, daß jedes Auge harrendAns ihn hingewandt war: Diesen RömerLeer' ich aus das Wohl der schönen Kinder,Welche unsre liebe Wirthin meinemFreunde schenken wird! Mag wohl gedeihenDiese Godesberger Zucht in GottesTreuer Vaterhut und ihm zur Ehre!

Und da wollten Jubelruf und HellesGläserklingen lange nicht verstummen.

Kanin verhehlte, fröhliche Hoffnung strahlteAns Enstach's Glicht wohl, doch verschüchtertUnd bis auf die Stirn erröthend, schauteJda nieder in den Schooß. Es kam ihrDieser Wunsch gar unerwartet, schmerzlichFast, zu zeitig schien er ihr, versetzteLeise sie und nur mit Beben konnteSie am Becherrand die Lippen netzen.