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Helias Tochter.
Volksmärchen von Ellen.
AWächt'ger Rhein! du weithin unvergleichlichHerrlichster der felsentsprungnen Ströme,
So viel auf dem Erdball durch die LandeSich ihr Bett gewühlt, ich stimme freudigIn das Loblied ein, das dir von tausendUnd von abertausend Zungen täglichNeu ertönt. So lieblich und gewaltigIst kein Strom wie du. Au keinem UferFließt so leicht und frei das schöne LebenUns vorbei, als die von deiner FluthenLust'gein Anprall sind benetzt. Wo neigenSolche Berge sich in's Thal? Wo wölbt sichlieber Berg und Thal ein solcher Himmel?Ach, und wo scheint auf zu Berg' und HimmelEin so lachend aufgeschlagnes Auge,
Wie dein Auge ist? In deinem GrundeRuht der Nibelungen Gold, in jedemHerbste glänzt es uns aus deinen GärtenFroh verheißend an, und ha, wie perlt esDann im Römerglase! Ja, es nenneGlücklich sich, wem es ein Gott beschieden,Daß er altern darf in deinem Anschaun!
Wenn das Ruder schlägt in deine Wogen,Und der Kiel die grüncrystallnen FurchenWeithin zieht, daß schnell das Schifflein hinschießt,Sanft gebläht von deinem Hauch die Segel,Welche Lust! Und vor der Schiffer BlickenWelche Bilder wechseln dann! Wer hätteNie mit Freunden sich von deinen WellenSchaukeln lassen, Rhein? Wen hätte nimmerHeilige Sehnsucht zu dir Hingetrieben?
Wem auch hätte nie bei deinem ZauberSich das Herz zum reinsten Glück erschlossen?Rafft der Tod ihn weg, bevor er deinerEwigen Schöne theilhaft war, so hat erTraun umsonst gelebt, trotz allen Reichthums I
Ja, es hat, wir Wissens, in dem LaufeVon Jahrhunderten schon manche RheinfahrtSterbliche beglückt, doch war wohl seltenEine Rheinfahrt schöner, als da KaiserOtto fuhr in stattlicher BegleitungWeit von Nymweg zu den sieben Bergen.Goldne Schnäbel, reichverzierte Brüstung,Sammetteppiche und seidne WimpelSpiegelten sich in der Fluth, daß staunendAns vom Grund die Schaar der Fische tauchte,Plätschernd auf der Fläche mit den SchiffenAufwärts zog, von ihren SilberschuppenOft den Glanz der Sonne widerstrahlend.
Und wie selig lauschte da der TiefeStumme Brut! Denn laut zum SaitenspieleScholl der Minnesänger Lied, des hohenKaisers Ohr und Herz erfreuend.
Wechselsang von Schiff zu Schiff! Und jubelndGrüßten Ritter sich und zarte Frauen,
Tücher schwenkend, und die Becher hebend.
Aber bei dem Kaiser und des KaisersEhgemahl und seinem HofgesindeLehnte schüchtern an der Wand des SchiffesJda auch, des König Helias Tochter,
Ein gar lieblich Frauenbild vor AllenUnd der Demuth Spiegel. Denn sie hatteSckwn in ihrer Rofenzeit gar mancheTrübsal angesehn, die aus'der MenschenEitlem, hartem Sinn entkeimend, UnheilAuch der Unschuld bringen. Ihres hehrenVaters Tod und ihrer Mutter leisesEnd' erwog sie still bei sich und fühlteNun so einsam auf der weiten Welt sich,
Wie die Einsamkeit nur FrauenherzenFühlen können. Wohl getröstet wandteAuf den kaiserlichen Mann, den schönen
Märchen und Sagen VM.
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