170
Otto, sie den Blick, der ihr als zweiterVater Schutz und Beistand lieh, doch konnteSie des Busens tiefgcholte SeufzerNicht beherrschen, unter ihren WimpernGlänzten heimlich Thränen und versankenIn des Rheines Wogenbraus. — Nicht alleThränen bleiben nngesehn. — Es dachteOtto seines Pflegekinds und schauteSorgend nach ihr um, daß sie gewaltsamIhrem Kummer Einhalt that und lächelndZu ihm hintrat, seine Hand zu fassen,
Die er hold ihr bot, um in den JubelAller auch ihr junges Herz zu drängen.
Jda, liebes Kind, du bist nicht fröhlichMit uns Fröhlichen, sprach sanft der Kaiser,Auf die Schulter seine Hand ihr legend.
Doch ich weiß, daß Vieles du verschmerzen
Mußt, was dich bedrängt bat, daß ini Taumel
All der kaiserlichen Festlichkeiten
Dir nicht wohl sein kann. Doch laß mich sorgen
Und bedenken, wo ich eine gute
Stätte für dich finde, Trost und Zuflucht
Dir verschaffe, wie sie dir gemäß sind.
So der Kaiser. Und mit Flüstern sagteJda: Sorge du, mein hoher Kaiser!
I
j Da erhob sich an dem grünen UferHunderthürmig Köln mit seinen KirchenUnd Kapellen frommer Pracht. Es winkteHochher stolzes Dächerwerk mit kühneni Giebeln und viel Erkern von der Bürger! Neichen Häusern. Auf den Mauerkronen,j Welcher Prunk von Flagge» und Gewinden!j Welche Lustbarkeit! Im Festornate! Stand der Rath ani Einfahrtsthor, dem Kaiser! Wie nur Kaisern ziemt, mit böchsten EhrenWillkomm' zu entbieten. Das Gewässer! Wimmelte von Nachen, Freudcnrufe
Tönten durch die Lust und wie ein Vater! Seiner Kinder sich erfreut, erfreuteKaiser Otto sich der treuen Kölner.
Alaaf Köln! so rief er, eine Krone! Ist mein Köln und schön vor allen Städten!
Weiter ging die Fahrt dann. Dunkelschattigi Barg Ovinges Zinnen Hobe Waldung,
^' Nur der Hörner fröhliches Geschmetteri Klang noch fernher laut, dieweil gewaltig, Und mit ernstem, feierlichen Schweigen,
Vor dem Kaiserauge sich die siebenBerge zeigten, blau in lichtem Dufte.
Staunend stand der Kaiser, mächtig dehnteSeine Heldenbrust sich, bis die WorteNicht er hehlen mochte: Schönes Deutschland,^ Vaterland, ich bin dein froher Kaiser!
An sein Schiff da legte sich ein Schiff an,Drauf Eustach, ein Graf von Bonn, sich nahte,Der des Kaisers Liebling und ein schönerJunger Ritter war. Er wollte freudig,
Früher als die Stadt den Herrn begrüßen,Den er kindlich liebte. Nasch die TreppeSchwang er sich empor, und vor dem KaiserKniet' er hin, der huldvoll ihn emporhob.
Mein Eustach, sprach Otto, sei willkommen!Gern empfang' ich dich zuerst, denn wisse,
Eine Gabe Hab' ich für dich bei mir,
Die nicht wobl im Angesicht der GafferMan verschenkt Komm her, geliebte Tochter,Jda, Helias Kind, schau diesen Ritter,
Der mein Freund, an dessen Brust die guteStätte ist, die ich dir herzlich gönne,
Und auch für dein Herz die süße ZufluchtUnd der Trost, der dauernd dich getröstet!
Wie die junge Lilie vor des TagesMorgenstrahl erzittert, der die SchönheitSchaut zum ersten Mal und durch sein LeuchtenLiebend sie verklärt, daß doppelt lieblichPlötzlich sie erscheint, so lebte Jda,
Als Eustach sie sab und Kaiser Otto'sFreundlich ernstes Wort vernahm. Sie barg sichSchüchtern hinter ihm, als könne solcheFlucht ihr frommen, doch Eustach, durch ihrenHohen Liebreiz erst entzückt, geblendetUnd entzündet dann, trat mit ErröthenZu ihr hiu und ihre Hände küssend,
Sucht' er mit dem Aug' ihr Aug', ihr Herz mitSeinem Herzen auf und balv gefunden,
Lag sie ihm im Arm. Mit Lächeln schauteOtto auf das junge Paar und weihteSegnend sie zum heil'gen Ehebündniß.
Als sie dankbarlich vor ihm sich neigten,
Sprach er mild: Seid glücklich, meine Kinder,Gott wird Euer wachen, wie ich bitte.
Auf das Vorderdeck mit dem GefolgeSchritt er dann, sich selbst die Beiden einzigUcbcrlaffcnd, daß in trauter ZwiesprachSich die selige Bestürzung löse,
Drin er sie befangen sah. Sie drücktenLang' die Hand sich stumm, dann schauten zögerndUnd mit stummer Frage sie einanderIn das boldverwirrte Antlitz, endlichSprachen sie, doch was sie sprachen, ach, esWar so Wenig und doch so unsäglichViel und gar so wunderbar und heimlich,
Daß cs zu vermelden nicht der DichterSich erkühnen mag. So wollen JdaUnd Eustach wir auch sich überlassen,