167
bringe, seine Tochter zur Gemahlin gebenwolle.
Als das zwei Söhne eines Bauern imLande vernahmen, beschlossen sie, die Jagdans den Eber zu wagen, denn sie waren starkvon Knochen und waghalsig und wenig zurArbeit geneigt.
Sie hatten aber noch einen jüngeren Bru-der, der bei Allen der dumme Hans hieß,weil seine Leute und die Nachbarn meinten,Gott habe ihn wenig mit Verstand gesegnet.Sie verachteten ihn deshalb und sagten ihmvon ihrem Vorhaben kein Wort.
Zuerst zog der Aelteste aus und der Vatergab ihm Wein und Kuchen mit auf den Weg.Er war aber noch nicht weit in den Waldgekommen, als ihm ein kleines Männlein mitgrauem Rocke begegnete und ihn bat, ihm einwenig von seinem Wein und Kuchen zu geben.Aber der Bauernsohn wies ihn barsch undhartherzig ab und sagte, er wolle seine Lecker-bissen lieber selbst verspeisen.
Gesagt, gethan. Das Männlein schauteder Mahlzeit stillschweigend zu und sah, wieder Bauernsohn nun in den Wald ging.
Als er aber in die Nähe des Ebers kamund das Grunzen hörte, wurde sein Herz sovon Angst und Grauen erfüllt, daß er schnellumkehrte, ohne das Unthier nur gesehen zuhaben.
Sein Vater und Bruder lachten sehr, alser ankam, und schalten ihn feige, was er auchverdiente. Der Bruder packte nun Wein undKuchen ein, und machte sich auf den Weg inden Wald.
Da begegnete auch ihm das Männchenim grauen Rocke und bat ihn um etwas Weinund Kuchen, erhielt aber denselben Bescheidvon ihm, wie von dem Bruder.
Mit dem Eber erging es diesem Brudernicht besser, denn als er ihn von Fern erblickte,da floh er in größter Eile, bis er nach Hause kam.
Wie sich nun der dumme Hans auf dieBeine machen wollte, lachten ihn die andernaus und als er trotzdem darauf bestand, gab ihmder Vater Aschenplätzchen und ein Krüglei»stinkendes Wasser mit. Im Walde traf erauch das Männlein, bas bat ihn wie seineBrüder, und der dumme Hans gab ihm gernvon seinem schmalen Vorratb- Das Männleindankte ihm und gab ihm eine goldne Kette,die sollt' er dem Eber um den Hals werfen.Die Aschenplätzchen aber und das Wasser wur-den zu köstlichen Kuchen und Wein verwan-delt; denn das Männlein war der liebe Gott,der Alles kann.
Der dumme Hans ging immer tiefer inden Wald, und als er das Schwein sah, fürch-tete er sich nicht und warf ihm die goldneKette um den Hals. Da ward es zahm undließ sich gern von ihm führen. Aber die an-dern Brüder waren ihm nachgeschlichen, erschlu-gen ihn und begruben ihn unter einer steiner-nen Brücke; darauf führten sie das Schweinvor den König, als hätten sie es gefangen-Der König hielt sein Wort, und die Tochtermußte dem einen Bruder die Hand reichen. —
Darüber gingen mehrere Jahre hin, unddie beiden Brüder lebten in Freude und Herr-lichkeit. Da zog eines Tages des Königs Jägerin den Wald und fand an der steinernen Brückeein steinernes Horn, auf dem blies er; dafing das Horn an zu sprechen und sagte:
Ach lieber Jäger blas nicht so sehr,
Miss' wohl, daß mein Bruder mich hat todtgeschlagen;
Wohl um das große wilde Schwein
Und um des Königs Töchterlein.
Darüber erstaunte der Jäger und brachtedas Horn dem König Und als die Brüderdas Horn erblickten, ward ihnen ganz eigenum's Herz. Der König gab es seinem Schwie-gersohn, er sollte darauf blasen; aber denergriff ein Schauer und er warf das Hornauf die Erde. Plötzlich stand der dumme Hansaus der Erde lebendig auf und erzählte ihnen,wie sich die Geschichte zugetragen. Da sprachdie Königstochter: „Wenn mau den altenSchlüssel wiederfindet, wirft man den neuenfort," gab ihrem neuen Bräutigam die Handund ward mit ihm vermählt. Die beidenandern aber erhielten die verdiente Strafe fürdie böse Thai.
II.
Ws war einmal eine Frau, die hatte dreiKinder, eine rechte Tochter und zwei Stief-kinder, die hießen Wilhelmkcn und Lehnken,das waren fromme, gute Kinder, nämlich dieStiefkinder, denn die rechte Tochter der Frauhatte ein böses Gemüth.
Eines Tags geht Lehnken an den Bornum Wasser zu holen. Da fällt ihr der Ringin's Wasser, den sie am Finger batte. Wiesie nun betrübt dasteht, kommen drei Männ-lein, die wünschen ihr goldenes Haar, zumandern, daß ihr Gold ans dem Munde fällt,und dreier Wünsche Erfüllung. — Sie gehtfröhlich nach Haus und erzählt, was ihr be-gegnet ist. Das hört die rechte Tochter, sprichtzur Mutter: „Will doch auch zusehen, was