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[1] (1857)
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sich an das andere strahlend an. Doch hatteder Burgherr sein Versprechen etwas leicht-sinnig gegeben. Die Sehnsucht nach dem Meereund seinen Wundern regte sich von Neuem undstarker als je in seinem Herzen. War ihm dochvon dorther das Liebste geworden, was er jesein genannt.

Er wagte cs nicht, seiner Gemahlin dieheimliche Sehnsucht zu offenbaren, aber aufseinem bleichenden Gesichte stand der Kummergeschrieben, den die liebende Gattin mit Schreckengewahrte, denn sie ahnte wohl die Quelle, derer entspringe. Mit Betrübniß sah sic, wie ermanchmal auf den hohen Thurm stieg und aufdie Wasser schaute, besonders, wenn sie, vomSturm bewegt, die User mit hoch aufspritzen-dem Gischte peitschten.

Von Tag zu Tag welkte er mehr hin,und es ging nicht mancher Monat in's Land,so lag er auch mit hohlen Wangen auf demSiechbette. Keine Arznei half ihm, kein Arztkonnte ihm Trost einsprechcn, nur die liebendeGattin war vermögend, ihn für Augenblickezu erheitern. Aber auch sie verlor die Gewaltüber sein Herz, und nun herrschte Trostlosig-keit, wo sonst Scherz und Freude regierte. Siesaß Tag und Nacht zu den Häupten seinesLagers, reichte ihm in der brennenden Fieber-hitze den kühlenden Trank und bedeckte seinenbleichen Mund unaufhörlich mit Küssen. DieThränen hörten nicht aus, ihren schönen Augenzu entrinnen.

Einst, da sie vom langen Nachtwachender Schlaf übermannte und das müde Hauptschlummernd auf ihrer Brust hing, erhob sichder Kranke vom Lager und schleppte sich ausdem Gemache die Thurmtreppe hinaus; dortlehnte er den kranken Körper an die Ballustradeund breitete die Arme nach dem Meere aus,welches in wilder Wuth fürchterlich tobte undim Hellen Mondenschein die Fischerbarkcn mitUngestüm hin und herwars.

Einmal noch auf deinen Tiefen fahren,che ich sterbe! seufzte er.

Da umfaßte ihn der Arm seiner Gattin,die ungesehen hinter ihn getreten war. Komm,sprach sie mit zitternder Stimme, dein Wunschsoll erfüllt werden, aber du gehst nicht allein,zusammen wollen wir dem Tode verfallen.

O nicht dem Tode verfallen, lispelte derKranke freudig, neues Leben werden wirschöpfen aus dem ewigen Urquell der Gewässer.

Schweigend ergriff sic den Arm des Gattenund führte lhn die Steinstufen hinab dem Uferzu. Dort lag noch wie ehedem das Boot vorAnker, das ihn früher über die^ Wogen hin-und hergetragen. Mit einem Sprunge warer darin, denn schon der bloße Duft der See-luft hatte seine Nerven gestärkt, sein Herzgesund gemacht.

Komm, mein Leben, sprach er, die Meer-gcister werden uns nicht zürnen, weil wir sienicht lassen können! Traurig setzte sie sich anseine Seite; das Seil löste sich, das Bootwurde von den tosenden Wogen pfeilschnelldahingetragen. Bald in der Höhe, bald inder Tiefe erschien das schiffende Paar. Plötz-lich aber fuhr ein flammender Blitz über dasWasser, ein Donncrschlag erschallte, das ganzeMeer stand in gelber Gluth. Wie von einerRiesenfaust gepackt, wurde das Schiff in dieTiefe gezogen, die Wasser schlugen über dem-selben zusammen. Wilder und wilder ras'tendie Wellen. Die Schiffer standen am Ufer undschauten auf die Zerstörung, der sie nichtwehren konnten.

Als der Morgen anbrach, war der ganzeStrand mit Schiffstrümmern bedeckt. DieFluthen aber hatten, den Strand durchfressend,ihren Weg zu dem Schlosse genommen, welchesin den Wassern versunken war. Dort oben,wo dereinst der hohe Thurm gestanden hatte,fanden die Fischer zwei Leichen, die sich imTode fest umschlungen hielten; cs war derBurgherr und die Meerfrau. Ihre Geister,behaupten die Fischer, seien in der Tiefe, ausewig den Meergeistern dienstbar verfallen.

Märchen.

von Ilr. W. Mannhard.

Ai eines Königs Reiche hauste einmalein wilder Eber, der alle Saaten verwüstete

und Land und Leute gefährdete. Da ließ derKönig in aller Welt bekannt machen, daßer demjenigen, der den Eber tödte oder ein