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wenn du mich nicht zum Weibe nehmen willst.Dereinst war ich dieses Landes Königin undlebte in Pracht und Herrlichkeit, aber derFürst, mit welchem ich den Thron theilte, warein Wüstling und Schwelger; meine Liebekonnte sein verödetes Herz nicht ausfüllenund seine abgestumpften Lebensgeister nicht zuneuer frischer Blüthe erwecken. Ja, er begannmich am Ende zu hassen und dachte daraufsich meiner zu entledigen. Dazu ward ihm dieGelegenheit, als ein Seeräuber an der Küstekreuzte und sein Schiff mit Sclaven befrachtete.Er verkaufte mich an diesen Unhold, der michmit Ketten an die Schiffswand schmiedete.Biele unglückliche Weiber theilten meine schreck-liche Lage. Wir wünschten uns den Tod, umder Knechtschaft zu entgehen.
Unser Wunsch schien bald in Erfüllung gehenzu sollen, denn schon am dritten Tage erhobsich ein so fürchterlicher Sturm, daß das Schiffzerschellte. Da trieben wir armen unglücklichenAngeschmiedeten aus den Fluthen umher unddie eine nach der andern versank unter schreck-lichem Jammergeschrei. Die Planke, an welcheich angeschmiedet war, begann ebenfalls mitmir zu sinken, als plötzlich, auf einem Delphinreitend, eine bärtige Männergestalt vor meinenAugen aus den Wogen emportauchte. DasLeben und ewige Jugend sei dein, sprach er,wenn du als Königin und mein Weib inmeinen Pallast kommen willst. Die schrecklicheAngst vor dem Tode machte mich zu Alleinwillig, ich versprach, mich seinem Ansinnen zufügen.
Da hob er mich auf seinen Delphin undführte mich hinab, wo mir alle Bewohner desMeeres, als ihrer neuen Königin huldigten.Tausend Jahre bin ich nun, wie ich dir sagte,in der Tiefe und ich würde ewig dort bleibenmüssen, wäre der Macht der Geister nicht aucheine Schranke gesetzt, die sie nicht überschreitendürfen. Alle tausend Jahre darf ich an dreiAbenden auf die Oberfläche, er kann mir'snicht wehren. Treffe ich dann einen Menschen,der mich um meiner selbst willen liebt, so binich errettet. Wird mir aber der Gatte untreu,so muß ich wieder hinab und darf nie mehrdie Erde betreten, bis am jüngsten Tage dieLeiber aller Gestorbenen im Thale Josaphatzum jüngsten Gerichte erscheinen. Der Treu-lose aber wird von den Mecrgeistcrn in dieTiefe geschleudert, wo er dazu verdammt ist,die vorüberziehenden Schiffe unter dem Kieleanzubohren, daß sie mit Menschen und Ladunghinabsinken in ihr nasses Reich.
Der Burgherr, der kaum das Ende ihrer
Rede erwarten konnte, sprach: Mache dir keineSorge, daß ich dich je verlassen oder dir untreuwerden könnte: So lange Odem in meinerBrust ist, wird jede Ader für dich schlagen,jeder Gedanke dir fein.
Außerdem fuhr die Meerfrau fort, wirdmein jetziger Gatte nicht aufhören, dich zuverfolgen und jede Gelegenheit, dir zu schaden,eifrig benutzen. Er wird so erfindungsreichin seine» Nachstellungen sein, daß du entwedergroßen Muth besitzen mußt oder im Kampfeerliegest. Und nun sage, ob du mich noch zumWeibe willst?
Und wäre die Hölle selbst gegen mich, gaber zur Antwort, so würde ich doch nimmer vondir lassen, sondern es ewig und überall bekennen,daß du allein mein Weib sein sollst.
Da sank ihm die Meerfrau in die Armeund beide hielten sich lange weinend umschlungen.
Die Mcerfrau aber trat an das Wasser,nahm die leuchtende Krone vom Haupte undschleuderte sie hinein.
Da entstand ein Brausen unten in derTiefe und ein Feuerstrahl stieg zischend emporund fiel unter einem sprühenden Funkenregenauf die Wellen zurück.
Der Burgherr und seine Braut aberschritten dem Schlosse zu, das zwischen grünenTannenbäumen versteckt, nicht weit vom Gestadeentfernt lag.
Es war rings umher mit breiten und tiefenGräben umgeben, mit Mauern und Zinnenwohlverwahrt. Sieh, mein Leben, sagte derBurgherr, unser Schloß ist fest, wir könnenwohlgemutst dem Feinde trotzen. O meinLieber, entgegnete die holde Braut, auf deinemSchlosse droht uns keine Gefahr, denn dieMecresgeister haben nur Gewalt über die-jenigen, welche sich ihrem Elemente anvertrauen.Doch versprich mir, dich nicht unvorsichtighinauszuwagcn auf das Wasser, denn dortallein lauert das Verderben. Wie sollte ichdir's nicht versprechen, antwortete der Burg-herr, da ich dich besitze ; das Köstlichste, wasdas Meer bieten kann.
Bald wurde die Hochzeit mit ungewohnterPracht gefeiert; die weiten Räume des Schlossesfaßten die Menge der Gäste kaum, denn diewunderbare Kunde von der Meersrau hatte vonNah und Fern die neugierigen Verwandtenund Freunde herbeigezogen. Alle bewundertendie seltene Schönheit und die Anmuth derjugendfrischen Braut.
Nach acht Tagen verließen die Hochzeits-gäste das glückliche Paar und ein stilles Liebes-lebcn begann im Schlosse; ein Glück reihte