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[1] (1857)
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vorn in der Thür zusammengekauert ein Menschsaß, in dem ich wegen des blendenden Licht-glanzes erst nach längerm Ansehen meine kleineGeliebte erkannte, das ernste Gesicht und diegroßen stillen Augen feierlich auf mich gerich-tet. Ihre Züge veränderten sich nicht, als i<hmit geheimem Grauen einige Minuten auf siehinblicktc. Dann ging ich langsam weiter, ohne

Furcht, daß sie mir nachlaufen oder Nachkom-men möge, aber durch den Gedanken beun-ruhigt, daß sie mir nachsähe.

Es war mir, als habe ich einen Verrathan ihr begangen, aber ich konnte nicht andershandeln, und nahm, als ich meinen Brief ab-gegeben hatte, einen andern Weg, um zu demHause meiner Eltern zurück zu gelangen.

Die Meer-Frau.

Nörchen von W. Herchenbach.

(Mündlich in Hollnnd).

Mm Strande zu Scheveningen wandelteeine hohe Männergestalt in tiefen Gedankenauf und ab, während die Dämmerung das san-dige Gestade in Dunkel hüllte und die Nachtihren schimmernden Sternenmantel über dasrauschende Meer ausbreitetc. Ringsumher warStille und Dunkelheit, nur aus den Fensternder fernen Häuser schimmerte Licht zu dem ein-samen Wanderer herüber. Von Zeit zu Zeitstand er stille und neigte sein Haupt zu denWogen hinab, gleichsam, als ob er in denTiefen des Meeres etwas ergründen wolle.

Und wirklich gedachte er in diesem Augen-blick an die Wunder des Meeresbodens, dennso lange sein Herz zu schlagen begonnen, wares stets von einer stillen Sehnsucht nach diesemunendlichen Wasserfelde erfüllt gewesen undnicht selten hatte er ganze Nächte sich in seineinBoote auf den Wellen schaukeln lassen, obgleicher kein Seemann war. In solchen Nächtenhatten ihn die süßen Schauer unerklärlicherGefühle durchrieselt, denen er seine ganze Man-neskrast entgegensetzen mußte, um nicht in dastosende Element hinabzusprigen.

Auch heute war es ihm wundersclig um'sHerz, seine Pulse schlugen schneller, seine Wan-gen glühten, seinen ganzen Körper durchlohteein belebendes Feuer.

Da klang ihm von Weitem eine wunder-bar liebliche Stimme entgegen, die den Wogenzu entschweben schien.. Nie in seinem Lebenhatte er etwas Aehnliches gehört. Der Gesangwar so eigenthümlich fremd und dabei doch soergreifend, daß sich der Einsame vorkam, alsbefinde er sich in einer andern, körperlosen Welt.Lange stand er und horchte in seliger Selbst-

auflösung, dann aber drängte cs ihn der Stellezu, von woher der Gesang kam. Zu seinemKummer aber zitterten die Töne in leisenSchwingungen aus, als er sich seinem Zielenahe glaubte, und ein leuchtender Streifendurchzog zu seinen Füßen das Meer.

Er harrte die ganze Nacht an derselbenStelle, immer hoffend, die Töne von Neuemzu hören, vergebens : Die Sonne tauchte ausden Fluthen, der Strand belebte sich, Badendespazierten am Ufer auf und ab und die nächt-liche Illusion war verschwunden. Da kehrteder Mann betrübt zu seiner Burg zurück, dienicht weit vom Meere lag, und schloß sich,ohne Speise und Trank zu nehmen, in seineZimmer ein.

Sobald der Abend niedersank, ging er vonNeuem hinab an's Gestade und wartete derzaubervollen Stimme. Er wurde in seinenErwartungen nicht getäuscht, denn während erüber das gestrige Ereigniß sinnend, am Uferstand, erklang wieder der Gesang, und diesmaldicht zu seinen Füßen. Es deuchte ihm heutenoch wundervoller als gestern, wie sehr er aberauck seine Augen anstrengte, das Wesen zuerspähen, welches der Nacht so süße Liederspendete, so gewahrte er doch nur den weißenUfersand und die kräuselnde Bewegung desheranrauschenden Wassers.

Lange stand er an die Stelle gebannt,am ganzen Körper von unaussprechlich süßemWeh zitternd, dann aber stürzte er vorwärts,keine Macht wäre im Sande gewesen, ihn zuhalten. Doch kaum hatte er seinen Ort ver-lassen, so hörte er einen leichten Plumps in'sWasser und vor seinen Augen zog sich ein

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