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[1] (1857)
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Dieser war endlich denn doch müde ge-worden und suchte sich zu flüchten, da dieZahl seiner Gegner nicht geringer wurde,wie viele er ihrer auch erlegte. Für Argentillamuß ich mich retten, dachte er und wollte übereinen Graben springen, um in die Nachtbinein zu entkommen.

Aber der Sprung mißlang, er fiel niederund sofort waren die Soldaten über ihm, soihn zu binden, daß er kein Glied regen konnte.Damit schleppten sie ihn auch ohne vieleUmstande vor den König, der ihn lachend

- ansah und ausrief:So recht, Cuaran, dui hast den Beweis liefern wollen, daß ich^ Eckenbrechts Gebot recht ausführe. Nun schnelll den Priester her, damit mein Spruch vollzogen

werde!"

Havelok'S Kräfte waren indeß geschwunden.Er hatte die Worte Alsi's noch verstanden! und zweifelte nicht daran, daß der Priester

! ihn aus seinen Tod vorbereiten solle und daß

! sein Stündlein gekommen sei. Dann fiel er

> in Ohnmacht, nicht aus Todesfurcht, sonvern

! weil er an drei Stunden gekämpft und allbereits

^ sein meistes Blut verloren hatte.

! Somit hielten ihn zwei Häscher empor.

! Und ebenso mußten zwei Dienerinnen die arme

' Argentilla aufrecht halten, die auch das Be-

wußtsein verlor, als sie sah und hörte, daßsie mit einem halbtodten Menschen, den sienicht erkannte, vermählt werden sollte. Diel Trauung wurde aber in Alsi's und anderer

j Zeugen Beisein richrig vollzogen. Das Paar

! wurde eingesegnet und darauf in bewußtlosem

^ Zustande in die armselige Hütte des Cuaran

^ geschleppt, die in einem der Hinteren Küchen-

gärten stand, und dort unbarmherzig seinem! Schicksale überlassen.

! Man hatte Cuaran, dessen Wunden noch

! unausgesetzt bluteten, auf sein Bett geworfen,

! so daß es Morgens wie eine Blutlache war.

j Argentilla lag am Boden. Wenn sie aus

! einer Ohnmacht erwachte und das schreckliche

! Schicksal bedachte, in das sie gestürzt war,

so vergingen ihr immer die Sinne vonNeuem. Endlich fiel sie in einen tiefen Schlafund hatte einen Traum, von dem ich Hernach-mals erzählen will.

Als danach die liebliche Morgensonne das, Gemach beleuchtete, kam Havelok zu sich undsein erstes Wort warO Argentilla!"

Das vernabm Argentilla und es klangihr die Stimme bekannt und gar freundlichin's Ohr.Wären doch Grim's Söhnehier!" wimmerte sie, denn sie wagte nicht, sich

- zu erbeben.

Darüber sprang Havelok aus, Venn erhatte sofort die Stimme wieder erkannt, ober sie auch nur einmal gehört hatte. Unddarnach erkannten sie sich gegenseitig' undstarrten einander sprachlos an.

O Gott im Himmel!" sagte Argentilla,dieser Mann hatte mir Hülfe gelobt undnun ist er mein angetrauter Ehcherr!"

Das verstand Havelok nicht, denn eswar ibm von der Trauung Nichts gesagt, sodaß Argentilla selbst ihm enthüllen mußte,was mit ihnen geschehen war. Darüberschämten sich Beide außcrmaßen, denn ob siesich auch gar inbrünstig liebten, so hatten siesich ihre Liebe doch noch nicht gestanden undwaren nun Mann und Frau.

Havelok getröstete Argentilla indeß undsagte, er werde sie allzeit wie eine Königs-tochter und wie eine Hülfsbedürftige und eineSchwester ehren und sein Gclöbniß halten,das er ihr auf der Felsenklippe gegeben.

Argentilla war darüber sehr gerührt undversetzte:Nein, mein Freund, weil wir getrautsind und ich dich von erster Stunde ab, woich dich gerettet zu mir treten sah, wahrhaftgeliebt habe, so will ich auch recht deine Frausein, wofern du es willst. O mein Gemahl,nimm mich mit willigem Herzen als deineGemahlin an, denn auf Erden ist kein Jünglingoder Mann, den ich lieber zu meinem Gemahlewünschen möchte, als dich, den mir ein hartesSchicksal doch so freundlich gegeben hat."

Als Havelok die Worte vernahm, konnteer sein Glück nicht ermessen und tragen. Warauch noch also schwach, daß er nur seufzte:O meine liebe Argentilla!" und wieder ohn-mächtig auf das Lager zurücksank.

Da that nun Argentlla, was allezeit guterEhefrauen Pflicht ist. Sie holte Wasser undBalsam und bereitete reines Leinen, um ihrenGeliebten vom Blute zu säubern und ihn zuverbinden, so gut sie es vermochte. Auch zogsie die blutigen Leintücher ab und legte frischeunter, die sie in Haveloks Spinde fand. Undals sie das gethan hatte und sah, daß er imSchlummer lag, setzte sie sich zu ihm, um zuerwarten, daß er wach werde.

Plötzlich erschrak sie aber so, daß sie anallen Gliedern zitterte. Denn wie dem gutenHavelok im gesunden Schlafe die Kräftezurückkehrten und das innerliche Feuer inseinem Blute sich wieder anfachte, kam auchmit seinem Athem wieder das lichte Flämmchenvon seinen Lippen, von dem ich schon Eingangserzählt habe.

Argentilla hätte fliehen mögen, wenn nicht