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Rettung bringe, der hätte gewiß ein christlichErbarmen mit ihr gefühlt.
Und als sie eines Tages wieder da faßund mit den Händen ihr schön goldgelb Haarflocht, das losgegangcn war, und sich mit denFlechten dann die Thräncn trocknete, die ihrreichlich aus den Augen stoffen, — siehe , daschaukelte sich nabe vor ihr ein klein Schisflcinauf den Wogen und drei Jünglinge, die darinsaßen, gaben sich viel Mühe, cs durch dieBrandung und zwischen den Felsen bin glück-lich an das User zu bringen.
Das war aber vergeblich, denn der Land-wind war gewaltig im "Gange, also daß derGischt hoch aufbrausctc und die Jünglinge sichin eitler Arbeit abmübctcn. Oft konnten siekaum das Land sehen, so spritzte das Wasserum sie, das auch in ihr Schisflcin drang undes in den tiefen Meeresgrund zu versenkendrohte.
Argcntilla vergaß ihr eigenes Herzeleidüber die Gefahr, in der vor ihren Augen diedrei Jünglinge schwebten und hätte ibnengern geholfen, wenn sie gekonnt hätte. Sieeilte aber auf die Felsen, die dem guten Lan-dungsuser zunächst waren, und winkte mitihrem Schleier durch die Luft, daß die dreiSeefahrer erkänntcn, wohin sie zu baltcnhätten, um an's Land zu kommen.
Havelok, der am Steuerruder saß, erkannteauch "bald den webenden Schleier und dieschlanke Jungfrau, welche ihn schwenkte. „Dasbedeutet gut Heil!" rief er und drehte dasSchisflcin nach dem Felsen hin, auf demArgcntilla stand. „Nun rudert nur tüchtiglos!" fuhr er fort und warf selbst die Segelherum, also daß ihr Schifflein wie ein Pfeildurch die stürmische Brandung schoß. Mitkundiger Hand batte Havelok auch sofort dieSegeltüchcr eingerefft und nun wiegte sichdas Schisflcin in dem ruhigen Wasser dahin,das hinter dem Felsen eine Bucht bildete.
Die drei Jünglinge stießen es vollendsmit Stangen an das Land, banden es aneinem Baume fest und stiegen aus, um ibrerRetterin entgegenzugehen um ihr zu danken.Denn offenbar hatte Argcntilla sie gerettet.Ohne den wehenden Schleier, der sic wie einLeuchtthurm führte, wäre ihr Schifflein sicher-lich an den Felsen zerschellt und hätte sichnimmer in die gute Furth und die Buchtbineingefunden.
Argcntilla ging ihnen einige Schritteentgegen, denn sie freute sich sehr der jungenLeute, weil sie gerettet waren.
„Dank dir, holde Retterin!" sprach
Havelok, „ohne dich wären wir nimmer zuLande gekommen und lägen jetzt in der Fluth,den Fischen und Seeungehcucrn zur Beute.
Dir danken wir unser Leben, sage uns, obwir dir lohnen können in einer Art, was duuns gctban bast!"
„Habe ich Euch gerettet?" versetzte Ar-gentilla und Thräncn stürzten aus ihren Augen.
„O dann danke ich Gott, denn dieses ist dieschönste Stunde meines Lebens. So sagt mir,
Wer Ihr seih, Hamit ich meine Freunde kenneund ich Euch Alles sagen kann, was meinHerz bedrückt!" f
„Schöne Jungfrau!" sprach Havelok,wir sind Seefahrer und drei Brüder. UnserVater ist der alle Grim und bat uns hinaus-geschickt, in der Welt unser Glück zu suchenund Abenteuer zu bestehen, die uns Ehremachen. So gebiete nun über uns, wie dirgeliebt."
Dabei schaute Argcntilla auf ihn hin,wie er so in blühender Jugcndschönheit undvoll Kraft in allen Fasern vor ihr stand, undes ward ihr um's Herz, wie noch nie, daß siefast sprachlos war und ihm ihre Hand darreichte,als seien sie alte Bekannte. Darüber erbarmtees Havelok und er küßte ihre schöne Hand,was sie gern zuließ. Denn es kam auch insein Herz das Gefühl der Liebe und wie erauf sie binschaute voll zärtlicher Begeisterung,zog ibr Bild durch seine Augen ihm in'sHerz, darin zu wohnen für alle Zeit. !
„O meine Königin!" sagte er nur, weil ^er sie anbetete voll Liebe, wußte aber nicht,daß sie eine Königstochter war. „Ja", ver-setzte sie, „ich sollte wobl eine Königin sein,denn ich bin Argcntilla, König Eckenbrecht'sToebter, dem das halbe Reich Nichola gehörtbat. Aber mein Oheim behandelt mich schlechtund ich fürchte, er wird es so anstellen, daßes mir schlecht ergebt."
Wie die drei das Vornahmen, flammtenihre Augen und ihre Händen ballten sich un-willkürlich. Obne es zu sagen, hatten alle Idrei sofort sich gelobt, für die mißhandelte !Königstochter mit all ihrer Kraft und Klugheit !einzustehn und ibr Leben für sie nicht zu theuer !zu achten.
Havelok besonders war wunderbar ergrif-fen. Einmal war es ihm halb leid, daß siceine Königin war, denn er vermeinte, daß sienun für seine Minne zu hoch stände. Dannaber ließ er alle Gedanken um sich fahren,dachte nur an die schöne Maid und wie erihr zu ihrem Rechte Verbelfen könne.
Er warf sich demnach ihr zu Füßen und -
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