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[1] (1857)
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das er mit im «chifflein gehabt, warenverloren und die gute Königin war todt.

Am Lande nun suchte Grim sich undden Seinigen, wozu cr auch Havelok zählte,das Leben zu fristen, so gut es sich machte.Er ging aus die Jagd und den Fischfang undcrwarb so viel, daß sie ein ärmliches Aus-kommen hatten. Uebcr all ihre Noth tröstetener und seine Frau sich aber, da sie ihre Söhneund König Günther's Kind gesund und frischbei sich aufwachsen sahen.

Und wirklich waren die drei Knaben vonunvergleichlicher Schönheit und Havelok dazuvon einer Leibcökraft, die Jedermann inErstaunen setzte. Kein Erwachsener that esihm im Ringen und Lausen gleich, Jeder, deres mit ihm aufnahm, wurde zu Boden geworfen,selbst die stärksten Leute weit und breit. Dabeihatte er einen gar verständigen Sinn undtreue blaue Augen, die Allen wobl thalen,auf die er sie richtete. ^

Grim aber, der immer noch voll Lorgewar, der böse Hodulf möge Havelok nachstcllen,ihn zu verderben, hatte ihm einen anderenNamen gegeben und nannte ihn seinen Sohn,was denn auch Havelok selbst nicht besserwußte.

Also war Grim froh, wenn cr aus ihnsah, und auch sehr betrübt, daß seines KönigsKind also unter armen Leuten aufwuchs beiniedriger Arbeit und in unadlichcr Zucht.Denn er gedacht allezeit, daß Havelok einstwieder zu Ehren kommen werde und denThron seines BaterS besteigen.

Nahm ihn darum eines Tages bei Seiteund sprach:Lieber Sohn, höre, was ich dirsage. Wir leben hier als arme Fischerleuteund Ihr werdet es Euer Lebenlang zu Nichtsbringen, wenn Ihr hier verharret. Darumhabe ich mit Euch drei einen Entschluß vorund sage ihn dir, dieweil du der Stärkstebist und der Verständigste. Nimm deine beidenBrüder mit dir und geht hinaus in die Welt,zu sorgen, daß Ihr aus Euch tüchtige Männermacht, die etwas sind und auch dafür gelten.Geht nach England, wo vielerlei Geschäft imGange ist, bemüht Euch allda redlich, thutEuch in Waffcnhandwerk, in hoher undgeringer Arbeit um, so mag es Euch glückenund ich daraus noch Freude an Euch erleben.Viel Vorschriften mache ich dir nicht, da sienur Worte sind, wenn Euch der rechte Sinnfehlt, und von einem flatterhaften Gemüthehinwegwehen, wie Spreu. Was ich dir sage,ist, daß du bedacht bleibst, von allen Menschengeliebt und geachtet zu^ werden. Wenn dir

das gelingt, so liebt dich auch Gott, dem ichdich und deine Brüder empfehle. Amen!Nun reiset!"

Als Havelok das vernommen, war erfröhlich und dankte seinem Pflegevater sehr,denn sein Herz stand ihm lange aus Ausfahrtund Abenteuer.

Grim hatte allbercits Kleider, Waffenund etwas Geld gerüstet, gab ihnen ein kleinesSchiff und so fuhren sie dahinunter denSegenswünschen der Eltern. Sie hattenguten Wind, und da sie aus geradem Wegeaussegelten und nicht rechts oder links abwichen,kamen sie wohlbehalten gen Nichola undversahen sich guter Aufnahme bei den Leutendes Landes.

Nun muß ich zuerst erzählen, in welchen! Umständen sich damals das Land Nicholai befand.

Es war ein zweitheilig Königreich, aberüber beide Thcile herrschte der König Alsi. DerKönig Eckenbrecht, dem der eine Theil erb-und cigcnthümlich gewesen, war frühzeitiggestorben und hatte nur eine Tochter hinterlasscn,die Argentilla hieß, ein überaus schönesund frommes Kind. Die hatte cr sammt demReiche seinem Freunde und Waffenbruder Alstvor seinem Tode anvertraut und sich von ihmheilig angeloben lassen, daß er sie sein christlicherziehe, das Erbe ihr ohne Gefährde erhalteund dereinst, wenn sie erwachsen wäre, ihr denstärksten Mann im Lande zum Gemahl wähle,um Beiden sodann das Erbe zu übergebensammt Städten, Schlössern und Dörfern, diecr nunmehr verlassen müsse.

Das Alles hatte König Alst feierlichgeschworen auszuführcn, aber hören wir, wieer sein Wort hielt.

Er gedachte, niemals das schöne ReichEckenbrechts wieder hcrauszugeben und wiesdeshalb alle Freier, wie stark und mächtig siewaren, mit schnöden Worten ab, wenn siekamen, sich um der reizenden Argentilla Handzu bewerben.

Das vernahm Argentilla wobl und wardarüber traurig in ihrem Herzen und saß oftviele Stunden weinend am Meercsstrande,denn sie erfuhr zudem gar üble Behandlungvon König Alst und dessen Hofgesinde, alsodaß sie sich hinwegsehnte und gar bereit war,auf ihr schönes Erbe zu verzichten, wenn sienur wieder zu braven Leuten käme.

Wer das holde Königskind so gesehenhätte, händeringend auf der Felsenklippe amMeere sitzend und voll Sehnsucht hinaus-starrend, ob ihr nicht ein Schifflein Hülse und