Zureden den Teufel endlich doch zu bewegen,die Festung aufzugeben.
Als er aber in die Nähe des königlichenPallastes gekommen war, besann er sich Plötzlicheines anderen.
Er befahl seinem Gefolge zurückzubleiben,und lief, so schnell er nur laufen konnte, nachdem Pallaste. Hier angelangt, stürzte er, zurVerwunderung aller Wachen und Hofleute, wieein Wahnsinniger von Gemach zu Gemach, biser, die Stirne mit Schweiß bedeckt, das Kranken-zimmer der Prinzessin erreichte.
Das erste, was er dort nebst der Leiden-den erblickte, war sein infernalischer Freund,welcher, als er seiner ansichtig wurde, das Ge-sicht in grimmige Falten zog und ihm mit zorn-kuukelnden Augen eutgegenschnurrte: Was willstdu hier? Habe ich dir nicht verboten, michhier aufzusuchen?
Ach, antwortete Joka, mit angstvoller Mienenach der Thür sehend, ich will ja auch garnichts von dir, noch sonst Jemande», aber.. .
Der Teufel. Nun?
Joka. Mein Weib...
Der Teufel (erbleichend). Dein Weib!?
Joka. Ist unglückseligerweise wieder ausdem Brunnen gekommen und folgt mir aufder Ferse.
Kaum hatte der Teufel dieses gehört, alser ohne weiter ein Wort zu erwiedern, in allerEile znm Fenster hinausfuhr und sich, in dasMeer hinunterstürzte.
Die Prinzessin erholte sich hierauf zusehendsund der König überhäufte ihren Lebensrettermit Geschenken von unermeßlichem Wertbe undschloß mit König Rada ein ewiges Freundschafts-bündniß, worauf Joka, vergnügt über seine ge-lungene List, wieder in die Arme der Seinigenzurückkehrte, mit welchen er von nun an einhöchst zufriedenes Leben führte. Von demTeufel aber war seit dieser Zeit nichts wiederzu sehen.
Der Sprung vom Giebichenstein.
historische Zage von L. Würpel.
Wraf Ludwig saß auf dem GiebichensteinUnd schaute trüb in die Saale hinein:
Denn er saß allein und gefangen.
Er dachte just an des Kaisers Brief,
An die Frist, die heute zu Ende lief,
Und daß er schwer sich vergangen.
Da, horch, fernab klingt Hörnerschall,
Und jauchzend tönen alsbald vom WallDes Schlosses grüßende Klänge,
Und näher sprengt es im scharfen Trab,Schon knarrt die Brücke, sie rasselt herab,
Es wogt hinüber die Menge.
Wohl hörte der Graf den Jubelklang,
Der schneidend ihm in's Herze drang,
Es schweift sein Blick in's Gelände:
Dort rauschen die Wälder, die Reben glüb'n,Und im Sonnengolde die Adler ziehnHoch über die Felsenwände.
Und auf dem Fluß tiefunten wiegtEin Nachen sich, und ein Fähnlein fliegtVon Freundeshand geschwenkct,
Und am Ufer drüben gesattelt harrtDer wilde Renner und jauchzt und scharrt,Den oft seine Faust gelenket.
Da flammt sein Auge, da lacht sein Mund,Da streckt er die Rechte zum Himmelsrund,Wie flehend um Schutz und Segen:
„Herr Kaiser, nun mögt ihr halten Gericht,„Doch wisst, ich stelle mich heute nicht,
„Noch kommt mir der Tod nicht gelegen."
Und hoch aufdie Brüstung mit keckem SchwungSchon fliegt der Graf, und jetzt — ein Sprung!Hilf Gott, ein Sprung in die Tiefe!
Dumpf hallt's empor — es zischt und walltDer Fluß - verschwunden ist die Gestalt —Es starren die Felsenriffe. —
Doch sieh! da sprudelt's wieder und wallt,Und hervor aus dem Wasser taucht alsbaldDer Graf mit Lachen und Grüßen,
Und lachend schwingt er sich in den Kahn,Dann fliegt er über die Wasserbahn,
Daß schäumende Wellen entfließen.
Nun fort an's Ufer, heraus der Troß!Schon sitzt Graf Ludwig hoch zu RoßUnd grüßet die Fclsenwändc;
Er athmet jauchzend des Waldes Dust,
Und, frei wie der Aar in goldncr Luft,Hinsprcngt er durch's Gelände.