Nicht lange, so spürte er, daß der Strickgeschüttelt wurde, worauf er aus allen Leibes-kräften draufloszuziehen begann. Der Schweißstand ihm in dicken Perlen auf der Stirne,und das Gewicht seiner theuren Ehehälfte dünkteihm um vieles beträchtlicher, als er sich vor-gestellt hatte, so daß er oftmals mit seiner Ar-beit inne halten mußte, um neue Kräfte zusammeln.
Nach langem Mühen sah er endlich diesüße Last aus der nächtigen Tiefe immer näherund näher kommen, doch schien sie, zu seinernicht geringen Verwunderung, ganz schwarz zusein, welches er jedoch der Finsterniß zuschrieb,die sie umgab.
Wie erschrak er aber, als sie nun demRande des Brunnens ganz nahe gekommen war,und er in ihr nicht sein Weib, sondern denTeufel in eigener Person erblickte.
Dieser Anblick setzte den gntmüthigen Joka,obgleich die Verwechslung eben nicht so ganzaußerordentlich war, dennoch so sehr in Angstund Schrecken, daß er plötzlich in seiner Arbeitinne hielt und mit sich zu Rathe ging, ob erden Teufel herausziehen oder wieder in denBrunnen zurückfalleu lassen sollte.
Der Teufel aber, welcher seine Gedankensogleich errieth, bat ihn in den rührendsten Aus-drücken, ihn vollends herauszuzieheu, und ver-sprach ihm dafür eine reichliche Belohnung,durch welches Versprechen sich Joka endlich auchbewegen ließ, sein Rettungswerk zu vollenden.
Als der Teufel wieder festen Boden gefaßthatte, fragte er: Sage mir, kennst du dasWeib, das vorhin in diesen Brunnen hinunterstel?
Joka. Nun freilich kenne ich die Unglück-liche, sie ist ja mein eigenes Weib.
Der Teufel. Dein Eheweib? und wielange lebtet ihr mit einander?
Joka. Es sind über zwei Jahre.
Der Teufel. Wie, zwei Jahre?
Joka. Nicht anders, warum erstaunst dudarüber?
Der Teufel. Zwei Jahre! Ich habenicht volle zwei Stunden mit ihr zngebracht,und wie du sichst, hat ihre Bosheit und ihreZanksucht gemacht, daß ich auf dieser einenLwite ganz blaß geworden bin.
Joka fand in der That, daß der arnieTeufel auf der einen Seite minder schwarz sei,als auf der andern. Nachdem er ihn über denVerlust seiner Leibfarbe bedauert hatte, fuhrjener fort: Du kannst dir wohl denken, daß ichden Dienst, welchen du mir geleistet, indem dumich der Gesellschaft eines so schlimmen Weibesentzogst, gehörig zu schätzen weiß, und sollst da-
her auch sehen, daß ich dich dafür nach meinenKräften belohnen werde. Ich eile jetzt an denHofhalt des Königs Nada und werde dort vondem Körper der jüngsten Prinzessin Besitz nehmen.
Erschreckt über den Zustand, in welchen siemeine Einquartierung nothwendigerweise ver-setzen muß, wird König Nada, ihr Vater, so-gleich die geschicktesten Äerzte zu ihrer Heilungberufen, und demjenigen ungeheure SummenGeldes versprechen, dem es gelingen wird, siewieder herzustellen. Wenn nun alle Aerzte ihreVersuche fruchtlos angewendet und die Rasereider Prinzessin ihren Gipfel erreicht hat, erscheinst !du vor dem König und versprichst ihm, seineTochter zu heilen. Führt er dich nun an dasLager der Rasenden, so neige dich über sie undmurmele zum Scheine einige Worte, und ichwerde sogleich meinen Platz räumen, woraufman die Herstellung ihrer Gesundheit nur dirzuschreiben und dich dafür auf das Reichlichstebelohnen wird. Auf diese Weise glaube ich deinkünftiges Glück zu begründen und meine Dank-barkeit an dich abzutragen.
Joka bedankte sich sehr höflich bei demTeufel, und dieser fuhr, nachdem er noch einenbetrübten Blick auf 'seine blässere Hälfte ge-worfen hatte, durch die Lüfte davon.
Kaum war ein Monat verschwunden, soverbreitete sich schon das Gerücht, die Prinzessinsei von dem bösen Geiste besessen. Ans denentferntesten Ländern kamen Aerzte herbei, inder Hoffnung, die ungeheuren Summen zu ge-winnen, welche König Rada für denjenigenbestimmte, der sie von dem schlimmen Gastebefreien würde.
Allein obgleich auch die Residenz des Königseinem großen Krankenhause glich, in welchemman mehr Doctoren sah als Fliegen in einerBanernschenke, blieben doch alle Bemühungenderselben fruchtlos, ja, die Krankheit der Prin-zessin schien sich sogar mit jedem Tage zu ver- !schlimmem.
Fast bis zur Verzweiflung gebracht überden Zustand derselben und höchst erbittert überdie Ünkenntniß der Aerzte, ließ jetzt der Königfolgenden Aufruf durch seine Herolde bekanntmachen: Es sei hiermit Jedermann zu wissengemacht, daß derjenige, welcher im Stande ist,die Gesundheit der Prinzessin wieder herzustellen,nicht nur allein die Hand derselben, sondernauch das Erbrecht auf den Thron des Königszur Belohnung erhalten soll.
So anlockend aber auch dieses Versprechenan und für sich sein mochte, so behagte es dochauch nicht einem einzigen der anwesenden Heil-kundigen, da die Herolde demselben noch den