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[1] (1857)
Seite
141
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Das böse Weib und der Teufel.

Märchen von vr. Ioh. Nep. Vogl.

Mor vielen Jahren lebte in Slavonien einjunger Bauer, Namens Joka, der mit einerbeispiellosen Gelassenheit begabt war, und dessenliebste Beschäftigung darin bestand, des Wintersauf seiner Ofenbank und in den andern Jahres-zeiten auf einem Banmstrnnk vor seiner Hüttezu sitzen und den blauen Wölkchen nachzuseben,welche er aus seiner Tabakspfeife blies.

Man würde höchst wabrscheinlich nie etwasvon ihm gehört haben, ja ich selbst wäre außerStande gesetzt, besagten Joka den Lesern diesesMärchenbuches als den Haupthelden eines Volks-märchens auf- und einzuführen, wenn er nichtzufälligerweise das Unglück gehabt hätte, einWeib zu besitzen, welche Zank und Zwietrachtin demselben Grade liebte, als Joka den Frieden.

Diese liebenswürdige Frauensperson machtesich mm das sonderbare Vergnügen, ihren Ehe-gatten^ zu allen Tageszeiten bis auf das Blutzu quälen, sie unterließ sogar nicht, wenn diesersich eben nicht sehr an ihre rednerischen Er-gießungen kehrte, ihren Meinungen zuweileneine handgreifliche Auslegung beizufügeu, welcheverschiedene Erinnerungszeichen in dem werthenAntlitze ihres sanftmüthigen Ebeherrn zurückließ.

Das Widersprechen war ihr so sehr zurGewohnheit geworden, daß der arme Joka sichendlich gar nicht mehr gelraute, sie nur um dasGeringste zu bitten, geschweige einen eheherrlichenBefehl an sie ergehen zu lassen. Denn, wenner auch mit all' seiner angebornen Gutmüthig-keit zu ihr sprach: Sieh, liebes Weib, ich dächte,daß du die Sache auf solche Art angreifensolltest, schrie sie alsogleich: Weil du es meinst,will ich gerade das Gegentheil thun.

An einem Morgen verließ Joka seine Hütte,um eine Wiese, welche er erst kürzlich an sichgekauft hatte, abzumähen. Er hatte kaum einpaar Stunden gemäht, als ihm auch schon seinetheure Halste einen Besuch abstattete, um zusehen, wie weit er in seiner Arbeit vorgerücktsei, bei welcher Gelegenheit sie nicht ermangelte,ihn nach ihrer gewöhnlichen Art und Weiseüber seine Faulheit auszuschelten. Als sie nunmeinte, ihn zum Morgenimbiß genug mißhandeltzu haben, entfernte sie sich wieder mit derDrohung, daß er bis Mittag das Feld ab-gemäht haben müsse, im Falle er anders einGelüste nach einem Mittagsbrode trage.

Der sanftmüthige Joka versprach lächelnd,sein Möglichstes zu thun, und griff frisch wieder

zu seiner Sense, da er aber sah, daß sein Weibihren Weg quer durch die Wiese nehmen wollte,rief er ihr zu, stehen zu bleiben. Warum?fragte das Weib, indem sich eine neue Gewitter-wolke auf ihrer Stirne bildete.

Joka. Weil du leicht ein Unglück habenkönntest.

Sein Weib. Was schnakt der Tropf dawieder?

Joka. Habe ich dir es nicht schon gesagt,daß auf dieser Seite der Felder sich ein alterBrunnen befindet, der jetzt ganz von dem Graseüberdeckt ist. Wie leicht kannst du auf diese Stellegerathen und in den Brunnen binunterfaüen.

Sein Weib. Wahrhaftig, mau sollte esnicht glauben, wie sehr du um mich besorgt bist.

Joka. Du zweifelst dock nicht an derWahrheit?

Sein Weib. Nichts desto weniger.

Joka. Nun also

- Sein Weib. Nun also thue ich gerade,was ich vorgenommen habe. Meinst du mich,du Tölpel, mit deiner List herumzukriegen, dei-nem einfältigen Kopse zu folgen. Das erlebstdu nun und nimmermehr!

Joka. Aber so höre doch

Wer aber nicht hörte, war die erbitterteEhehälfte, welche, nachdem sie ihm noch einigeEhrennamen an den Hals geworfen hatte, mitkeckem Schritte ihren Weg quer über die Wiesefortsetzte.

Joka warf sogleich seine Sense hin, umihr nachzueile», schon hatte er sie beinahe ein-geholt, da stieß sie einen gellenden Schrei ausund war aus seinen Augen verschwunden.

Sie war wirklich in den Brunnen gesallen,vor deni er sie gewarnt batte.

Joka sprang sogleich zu dem Rande desBrunnens und schrie hinunter: Lebst du noch,Mara? lebst du noch? aber keine Antwortscholl zurück, auch konnten seine Augen wegender Tiefe des Brunnens nichts in demselbenunterscheiden.

Als er noch einigemale vergebens hinab-gerufen hatte, lief er so schnell als er nurkonnte nach seiner Hütte, holte die längstenStricke, die sich in derselben vorfanden, undließ sie in den Brunnen hinab, indem er seinWeib ermahnte, alle ihre Kräfte zusammen-zuraffen und sich an den Strick festzubinden,daß er sie wieder Heraufziehen könne.