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[1] (1857)
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Ritter Bruno hatte schon lange mit allenEntbehrungen gekämpft! Er fühlte sich mit jedemTage mehr dahinschwinden und nur sein festesVertrauen zur Himmelskönigin gab ihm einigeLinderung und Trost. Eines Abends war ereingeschlummert, nachdem er im Gebete noch-mals sich in Gottes Hände befohlen und träumte,die himmlische Fürsprecherin trete au sein elendesLager und löse mit eigener Hand die Fesseln.

Voller Freude erwachte er, sprang vomLager auf und wer beschreibt sein Entzücken,als er sich in der That von den Eisen befreit

> sah. Des Kerkers Thüre stand offen und von

> einer überirdischen Macht geleitet, eilte er unge-sehen durch die Stadt hinaus in das Lager zuseinen Waffengefährten. Hier aber sank erermattet zusammen und konnte er auch keinenAntheil am Kampfe nehmen, so hatte er doch

die Freude, im November 1219 die Stadt indie Hände seiner Waffengefährten fallen zusehen. An der Erstürmung betheiligten sich vor-zugsweise die Kölner, Holländer und Friesen.Zwei Jahre hatte die Belagerung von Damiettegedauert. Achtzigtausend Kreuzfahrer waren vorder Stadt geblieben. Von den sechszigtausendVertheidigern blieben kaum dreitausend über und1221 schon fiel Damiette wieder in die Händeder Sarazenen. Unter den Wenigen, welchevon diesem ruhmwürdigen Zuge in die StadtCöln zurückkehrten, war auch Ritter Bruno vonMauenheim. Neben der großen Kirche unsererlieben Frauen zum Ablasse erhob sich bald durchdie Fürsorge des Ritters eine Kapelle über demMutter Gottes Bilde, wo er auch seine Fesselund Waffen aufhing, welche noch heutigen Tageshier dem Fremden gezeigt werden.

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Barbara.

Ein Märchen von Auguste Tenhaeff.

Ou Lauten am Rhein, wo der schöne Domsteht, lebte ein Mädchen, das hieß Barbara.Sie war eine arme Waise und diente bösenMenschen als Magd, die sie hart behandeltenund eines Tages aus dem Hause verstießen.Da stand sie nun unter freiem Himmel undwußte nicht, was sie thun sollte. Aber Bar-bara war fromm und ihr Herz unschuldig undrein, sie betete zu Gott und ihr war, als höresie eine tröstende Stimme in ihrem Innernsagen: Verzage nicht! Der, welcher die Lilienkleidet und die Sperlinge ernährt, der wirdauch dich arme Waise nicht verlassen. Dasmachte sie wieder froh und vergnügt, und sielenkte muthig ihre Schritte zum Dome hin,um ihre Schutzpatronin, die heilige Barbara,um Beistand anzustehen, denn schon neigte sichder Tag und sie wußte nicht, wo sie die Nachtzubringen sollte.

Das stille friedliche Abendgeläute tönteihr entgegen, denn eben ging die Vesper aus.Manches alte Mütterchen begegnete ihr mitRosenkranz und Gebetbuch, manche Andere,die bekümmert aussahen wie sie, und ihr stillesLeid der heiligen Jungfrau, oder dem gekreu-zigten Heilande geklagt hatten. Ich will auchhineingehen und beten, dachte Barbara. Ach,

sie waren ja ihre einzige Zuflucht immer ge-wesen, diese schönen, geweihten Hallen! Hierhatte sie in schweren "Tagen still geweint undgebetet, an dem allereinsamsten Orte, denn dahing die heilige Barbara über einem Altärevon Marmor, vor welchem nur wenige Betendeniederknieteu. Hier hatte sie Sonntags nachder Kinderlehre gewartet mit Rüters Victor,wenn schon fast alle fort waren, und dannhatte er ihr die Gebeine der dreihundert Mär-tyrer gezeigt, die vor dem Märtyrerthore aufeiner Stelle hiugerichtet worden; sie waren ineinem gläsernen' Schrank mit dickem Silberbeschlagen aufbewahrt. Auch die Wurzel Jeffezeigte er ihr, woran ein frommer Mönch seinLeben laug geschnitzt und gearbeitet hatte undan der viele Wunderdinge zu sehen waren:Abraham und David, sein Vater Jsai undviele Andere, und das wußte ihr Victor allesauszulegen, denn er war klüger, viel klügerals Barbara, er hatte genau behalten, was derKaplan, der sie einstmals alle herum geführt,von diesen Dingen gesagt hatte.

Sie ging hinein. Die Kirche war fastleer, und nur hie und da verriet!) ein leisesGemurmel, daß noch Menschen darin waren.Barbara ging an all' die schönen Altäre und