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[1] (1857)
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Von Köln aus zog in jenen Tagen durchden Knaben Niklas angeregt eine Schaar vonKindern aller Stände und beider Geschlechterfort in die Welt zu einem Zuge gen Jerusalem.Unterwegs gesellten sich aller Orten große Kinder-züge zu ihnen. Ohne Schutz und Erfahrung,schwach an Kräften erlag der größte Theil denStrapatzen der Reise. Nur ein verhältnißmäßigkleiner Theil kam hinüber in das heilige Land, wosie erlagen oder als Sclaven verkauft wurden.

Die ganzen christlichen Lande geriethen inBewegung!Diese Kinder beschämen uns!"sagte Papst Jnnocenz und sandte von NeuemKreuzprediger nach allen Gegenden. SelbstKönig Johann von England, Philipp August v.Frankreich und Friedrich II-, der endlich seinenNebenkönig Otto IV. nach der Schlacht vonBouvines 1214 gestürzt sah, nahmen das Kreuzund sandten Abgeordnete nach Rom.

Die Begeisterung war eine allgemeine!Durch Stadt und Dorf, in allen Ländern, aufallen Ltraßen erscholl der Aufruf zum heiligenKampfe. Die Minnesänger sangen nicht mehrvon Liebe, sondern von Schlacht und Heldentod!An vielen Orten wollte man bedeutungsvolleZeichen am Himmel als flammende Schwerterund bluthrothe Kreuze gesehen haben. Am Rheinpredigten im glühenften Eifer für die Lrachedie Priester Olivier von Köln und Johann vonLauten, und entflammten durch ihre feurigeBeredsamkeit Groß und Klein; Mütter sporntenihre Söhne, die Gattin den Gatten, die Brautden Bräutigam zum Kreuzzuge an.

Köln war der Sammelplatz. DreihundertHeerschiffe lagen unter seinen Mauern. Tag undNacht wurden die Rüstungen mit rastlosem Eiferbetrieben. An den Masten wehten die Kreuzes-banner neben den Wappen der vornehmstenrheinischen Adelsgeschlechter. Unter den kölnischenEdelleuten, welche für die Befreiung des heiligenLandes auszogen, war auch der eben so tapfereals gottesfürchtige Bruno von Mauenheim.Während die Kreuzfahrer vor der Abfahrt inder Domkircke ihre Andacht hielten, eilte Brunoan seine gewöhnliche Betstelle vor dem Marien-bilde in der Kirche unserer lieben Frauen zumAblaß, und bat um ihren Beistand auf dergefahrvollen Reise und schiffte sich endlich mitden Waffengefährten ein. Eine unabsehbareMenschenmenge hatte sich von beiden Ufern desStromes mehrere Stunden weit versammelt,um den Scheidenden einen letzten Abschiedsgrußnachznrufen. Die ganze Geistlichkeit hatte sicham Rheine versammelt um den Kreuzfahrernden Segen zu geben und die Flotte dem SchutzeGottes nochmals im Gebete zu empfehlen.

Nie hatte der Rhein einen solchen Anblickgeboten! Von den Schiffen schmetterten kriegs-muthig die Trompeten und Heerhörner I Zahl-lose Rüstungen funkelten prächtig in der Morgen-sonne und unter dem Gejauchze der Mengebewegte sich die große Flotte stromabwärts genHolland, wo sich noch große Heerhaufen von Flan-dern, Holland und Friesland zu ihnen gesellten.

Glücklich ging von hier die Fahrt bis zurportugiesischen Küste. Die Stadt Lissabon warschon 1147 der übermächtigen Mauren ent-rissen, aber die Christen, nicht stark genug, weiterangriffsweise vorzngehen, waren seither fort-gesetzten Angriffen von Seiten der kriegstüchtigenMauren ausgesetzt. Die Kreuzfahrer solltenhier ihre ersten Proben von Tapferkeit oblegen.

In mehreren blutigen Schlachten wurden dieSarazenen von den Rheinländern und Friesengeschlagen und das Kreuzesbanner wehte endlichzum Jubel der ganzen Christenheit auf denWällen der bisher unüberwindlich geglaubtenStadt Alkazar.

Siegestrunken landete bann das Kreuzheeran der Mündung des Nils. In der Ebenevon Damiette ordnete sich das Heer. Nach> den hartnäckigsten Kämpfen schritt endlich dasdeutsche Heer zum Sturme der wohlbefestigteni Stadt, doch sah es nach langem Erwägen diei Unmöglichkeit ein. Trotzdem wird der Sturmi täglich erneuert! Durch die Strömung des! Flusses wird ein Schiff, auf welchem sich auchRitter Bruno befand, bis unter die Mauernder Festung getrieben. Ein Regen von Wurf-speeren und Pfeilen ergoß sich über die Be-mannung, und endlich stürmen die Sarazenen-schiffe auf das Schiff der Kreuzritter los unterdem Freudengebrülle der Besatzung von Damitte.Allein die Ritter, um ihr Schiff den Händender Ungläubigen zu entreißen, durchboren den! Boden ihres Schiffes und Freund und Feind Iversinkt in den Fluthen begraben. !

In einem düstern Kerker, an Händen und ^

^ Füßen mit Ketten beladen, erwachte Kuno von !

einer langen Ohnmacht. Ihm blieb kein j

Zweifel über sein Schicksal und er gelobte, j

falls er jemals wieder die Sonne wiedersebe, i

daheim über dem Bilde zu der Kirche unserer !

lieben Frauen zum Ablaß eine Kirche bauen zu !

lassen. Krankheiten, Hunger, Ueberschwemmung ^

und Kämpfe hatten die Reihen der Streiter !

vor Damiette gelichtet. Aber auch die Verthei-diger hatten durch dieselben Uebel gelitten, undda diese genug mit sich selbst zu thun hatten,bekümmerten sie sich endlich nicht mehr um ihre ^

Gefangenen, die größtentheiles eines elenden j

Hungertodes starben. l