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[1] (1857)
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Crescentia ließ sich hinführen und sagteauch zu ihm, sie habe einen Trank, von demer genesen würde, wenn er seine Sünden lautbeichten und aufrichtig bereuen wolle.

Nun schien es aber dem Bösewicht zu hart,seine Sünden vor Andern zu offenbaren. Erwollte sie Crescentia allein beichten, doch diesesagte, dann könne ihr Trank nickt helfen. Dawar der falsche Mann genöthigt, vor dem gan-zen Hofe seine Missethaten Kund zu thun. Alser Alles gesagt, fühlte er sich plötzlich genesen.Der verzog war während der Offenbarungganz außer sich gerathen. Er hatte seinenHaushofmeister geliebt und mußte jetzt erfahren,! wie dieser ihm seine Liebe vergolten.

Er wollte den Treulosen gleich ven Ge-richten überliefern, doch war dieser so reuigund so zerknirscht, und Crescentia bat so sehrfür ihn, daß der Herzog ihm endlich das Lebenschenkte und ihn nur aus seinem Reiche ver-bannte.

Daraus nun wollte Crescentia sich wiederentfernen und es abwarten, was Gott ihr jetztweiter befehlen würde. Sie verschmähte Alles,was der Herzog ihr an Kostbarkeiten anbot,und nahm nur etwas Speise und Trank. Alssie eben im Begriffe war, das Schloß zu ver-lassen, erfuhr sie noch, daß der König Dietrich,dem der Herzog unterthan, sowie auch seinBruder Gerhard ebenfalls krank darniederlägenund daß es bis jetzt kein Arzt verstanden bäbe,

> sie zu heilen. Gleich beschloß sie, an den Hofi zu gehen und nahm vom Herzog und den! Seinen Abschied.

j Nach einigen Tagen kam Crescentia in

! Rom an und eilte alsobald an den Hof. Esgelang ihr, den armen König, der sich sein hartesVerfahren gegen seine Königin mit viel Zer-! knirschung vorwarf, wieder zu heilen, worauf

dieser sie bat, auch seinem Bruder mit ihrerKunst zu dienen.

Gerhard hatte indessen Muße gehabt, überseine Falschheit nachzudenken. Er erzählteAlles unter Thränen und mit aufrichtiger Reue.Seine Krankheit wich auch gleich von ihmund nun warf er sich seinem Bruder und Kö-nige zu Füßen und bat ihn um Vergebungund um gelinde Strafe.

Crescentia gab sich darnach zu erkennenund plötzlich änderte sich auch ihr Antlitz so,daß jeder sie wieder erkannte. Sie verziehihrem Schwager und bat für ihn bei ihremGemahl um Gnade und zwar so dringend, daßder König ihr nicht widerstehen konnte unddem Bruder Alles verzieh.

Darauf nun war große Freude bei Hofeund alles Volk jubelte und Jeder eilte, die todt-geglaubte und wiedergerettete Königin fröhlichzu begrüßen. Und Feste wurden gegeben undviele Nachbarn dazu geladen, und es dauertelange, ehe die Spiele und Kämpfe bei Hofeein Ende nahmen. Crescentia wurde hoch ge-priesen und ihr Name war in Aller Mund.

Auf Geheiß des Engels, der ihr nochmalsim Traum erschien, gab sie den Rest des Tränk-leins einem Priester, der, so lange Crescentialebte, mit diesem Wunderbalsam die Krankenheilte. Erst nach Crescentia's Tode wurde dasFläschchen leer.

Dietrich und Crescentia lebten nun nochlange glücklich vereint und herrschten weise undgerecht über ihr Volk. Bevor sie starben,hatten sie noch das Glück Kinder und Kindes-kinder um sich erblühen zu sehen.

Gerhard bereute innig sein böses Ver-fahren. Um Buße zu thun, käme er Klösterund Kirchen und gab all sein Hab und Gutden Armen. Er selbst ging in ein Kloster, woer nach einem kurzen aber gottbeschaulichen Lebenruhig und getröstet starb.

Ritter Bruno.

Eine kölmkche Sage von Fabricius.

Jerusalem, die heilige Stadt, seufzte seit1137 wieder unter dem Joche der Sarazener,und die Wiedererobernng der Stadt war durchdie Uneinigkeit der Führer bisher gescheitert.Viele Tausende hatten den blutigen Tod gefunden.

Ganze Heere waren aufgerieben worden. Dasdeutsche Land war durch innere Kriege zerrüttet,und um das Jahr 1212 war die Begeisterungfür die Kreuzzüge trotz aller Reden hochbe-geisterter Männer erloschen.