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[1] (1857)
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Ehe der Herzog, der vor Schmerz nochwie betäubt war, etwas erwidern konnte, eilteder Schändliche davon, um sein Rächcramt zuvollziehen. Er fand die arme Crescentia be-tend in ihrer Kammer, deren Thüre er mit denFüßen cinstieß. Hastig sprang er auf sie zu,ergriff sie bei den Haaren und schrie:DuElende, Deine Stunde ist gekommen! Jetztsollst Du wieder hin, wo Du herkamest."Crescentia wollte sich rechtfertigen, doch derUnhold drohte sie zu erstechen, wenn sie nichtgleich schwiege. Dann rief er zwei rohe Knechteherbei, die er schon lange vorher gegen diefromme Frau aufzuwiegeln gewußt hatte, be-fahl ihnen, sie zu knebeln und sie wieder inden Fluß zu werfen. Das geschah auch zumEntsetzen Aller, die es ansahen; denn Keinerglaubte an Cresccntia's Schuld. Viele batenden Haushofmeister um Gnade für die fremdeFrau, doch dieser wurde darüber noch zornigerund wüthcte so lange, bis sein Befehl aus-geführt und die gute Crescentia wieder denWellen übergeben war.

Sobald das aber geschehen war, traf denBösewicht die wohlverdiente Strafe. Er hattesich nämlich tiicht lange seiner Unthat gefreut,als er krank wurde und Gesicht, Gehör undSprache verlor. Dieselbe Krankheit, zwarnicht so heftig, kam auch über den Herzog,weil er es nicht verhindert hatte, daß die un-schuldige Königin so mißhandelt wurde.

Während nun im Schlöffe des Herzogsgroßer Kummer war, schwamm Crescentiawieder, wie einst, auf dem Wasser ungefährdetdahin. Sie sollte auch dieses Mal nicht ertrin-ken, da Gott sie noch zu seinem Werkzeugmachen wollte, um durch sie Segen unter ihreMitmenschen zu bringen.

Als sie schon zwei Tage stromabwärtsgetrieben war, schlug sie plötzlich die Augenauf und sah sich, der Fesseln entledigt, am Uferliegen. Sie war aber so ermattet, daß siebald in tiefen Schlummer fiel. Und nun hattesie einen wunderbaren Traum. Es däuchtesic nämlich, einen Engel zu sehen, der also zuihr sprach:Liebe Crescentia, der Herr hatDich hart geprüft und Dir viele Leiden geschickt.Er hat Dich aber fromm und standhaft befun-den und also beschlossen, Dir jetzt seine ganzeGnade angedeihen zu lassen. Du mußt aberDeinen Feinden von ganzem Herzen vergebenund ihnen ihre Frevel mit Gutem vergelten.Pflücke von dem Kraut, das hier am Ufersteht, bereite ein Tränklein daraus und gehedann stromaufwärts. Du wirst so an das

Schloß des Herzogs kommen, der wie auch derHaushofmeister sehr krank darniederliegt. MeldeDich bei ihm und gieb ihm von dem Tränk-lein, auf daß er gesunde. Vorher sollen sieaber laut ihre Sünden beichten, sonst kann derTrank nichts helfen. Der Herr ist mit Dir."

Damit war das Traumbild verschwunden.Crescentia erwachte und obgleich sie langeNichts genossen, fühlte sie sich doch gestärktund kräftig genug, ihr Amt auszuführen. Alssie sich erhoben und ihr Antlitz in den Wellenbeschaut, fuhr sic erschreckt zurück, denn siekannte sich selbst nicht wieder, so sehr hatteder Kummer sie verändert. Es war ihr aberein Trost, wenn sie dachte, daß sie auch An-dern nun unkenntlich wäre.

Als sie von dem Kraut, das in großerMasse am Ufer stand, gepflückt hatte, schrittsie rüstig stromaufwärts und siehe da, nacheiniger Zeit schon befand sie sich in der Nähedes herzoglichen Schlosses.

Zuerst richtete sie nun ihre Schritte derFischerhütte zu, wo sie schon einmal gastlichausgenommen war. Sie bereitete dort unge-kannt ihren heilsamen Trank, ließ sich von denLeiden des Herzogs berichten und ging dannauf das Schloß, wo sie vorgab, sie hätte vonder Krankheit des Herzogs gehört und käme,wie es in ihrer Macht stände, ihn zu heileu.

Alsbald führte man sie zum Herzog undsie sagte zu ihm:Gott hat mich gesandt, Dichzu heilen, so Du Deine Sünden laut beichtenund sie bereuen willst." Als das der Her-zog hörte, zögerte er nicht, sondern berichtetealle seine Sünden und zuletzt sagte er noch:Das Unglück ist über mich gekommen, weilich es zugelassen habe, daß man ein armesWeib als Mörderin meines Sohnes beschuldigtund grausam in die Wellen geworfen hat. Ge-wiß war sie unschuldig und ich muß mir harteVorwürfe über ihren Tod machen." DarnachWeinte er sehr und die mitleidige Crescentiareichte ihm von ihrem Trank, worauf er sichbaldigst wieder ganz wohl fühlte, so daß erdas Bett verlassen konnte.

Alle im Schlosse waren voller Freude undpriesen die wunderthätige Frau und danktenihr; doch sie sprach:Gebet Gott die Ehreund danket ihm für seine Güte. Ich bin nurein schwaches Werkzeug in seinen Händen."

Darnach nun sagte man Crescentia, essei noch der Haushofmeister krank, sie mögeauch an ihm ihre Kunst versuchen und derHerzog gelobte ihr viel Gold und Edelsteine,wenn sie auch ihn Herstellen wolle.