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Schon sitzt auf dein buntbeflaggten BalkonGraf Rudolf, des Landes Vogt.
Es kündet sein Auge den grimmigen HohnUnd den Spott, der tief ihm im Busen wogt;Rings um ihn stehen als schützende WächterBewaffnet des Landes edle Geschlechter.
Da borch, ans dem Thale dringt dumpf emporGerassel und Peitschenknall,
Und hinter dem Walde schon fahren hervorDie schwer beladenen Wagen all',
Die riesigen Führer, den Hut in den Händen,
! Sich nach dem Eingang des Burghofs wenden.
! Und der erste Wagen schon fäbrt hinein,
Es folgt ihm der zweite in Hast,
Und alle die andern schnell hinterdrein,
Der Burghof ist überfüllet fast;
Doch immer noch wird kein Wagen geleeret,Kein Bauer wieder hinnnterfähret.
Es stehen die Diener verlegen im KreisUnd starren den Hof entlang,
Kein spottendes Wort, sie flüstern nur leis',
Es ward ihnen heimlich im Busen bang';
! Denn auf den Wagen in allen Säcken
Scheint es sich zu bewegen und heimlich zu recken.
Doch ob auch erschrocken der Diener SchaarAus dem Burghof aufwärts schaut;
Nicht nehmen es droben die Ritter wahr,
Ihr wildes Gelächter schallt überlaut,
! Und Spott und Verachtung fliegt immer wieder^ Auf die düsterblickeuden Bauern nieder.
^ Und mit Hohugelächtcr Graf Rudolf schreit:
! „He, Bauern, nun übt eure Pflicht,l „Macht schnell euch zum Messen des Korns bereit! „Uno sorgt, daß es nirgend an Fleiß gebricht,! „Sonst laß ich die Peitschen der Rüden bringen! „Und euch störrige Hunde zur Arbeit zwingen.
! Wie wenn's in der Tiefe wogt und wallt,
Und grollend die Erde bebt,
Bevor noch des Vogtes Worte verhallt,
Sich drobendes Murren im Burghof erhebt;
Zur Seite alle Führer springen
Und hoch empor auf die Wagen sich schwingen.
Und mit Donnerstimme der Vorderste spricht:„Graf Rudolf, gnade dir Gott!
„Es dulden die ditmarscher Bauern nicht„Noch länger des Abels Hohn und Spott:„Erschienen ist heut' die Vergeltungsstunde,„Auf, wehre dich gegen die Bauernhunde!
Und „Löset die Bänder!" es brüllend erklangVon allen Seiten im Chor:
Und alsbald von jedem Wagen sprangEine schaar bewaffneter Bauern hervor.
Fast unabsehbar wogt das Gedränge,
Und näher schon wälzt sich die wüthende Menge.
Da plötzlich verstummt ist Hohn und Spott! Und das wilve Lachen zumal;
, Es dräut ans dem Burghof der grimmige Tod,Das Antlitz der Ritter starrt leichenfahl,
Sie stürzen hinab, die finstern GestaltenVom Eingang des Schlosses zurückzuhalten.
Doch gleich dem Meere, das, wild erregt,
Die wogenden Dämme zerschelltUnd Verderben hinaus iu die Laude trägt,Wuthschuaubend den Rittern entgegen schnelltDie wogende Menge mit lautem Geheule,Hochschwingcnd blitzende Schwerster und Beile.
Und es dröhnt die Axt, es klirrt das Schwerdt,Der Rachegesang erschallt,
Und, hni! der Todesstreich niederfährt,
Zn Boden sinkt manche Rittergestalt,
Und höher schon thürmt sich Leiche auf Leiche,Und immer verderblicher fallen die Streiche.
Wol stemmt sich entgegen der stürmenden SchaarGraf Rudolf mit Löwenkraft;
Doch mit Riesenschritten steigt die Gefahr,Schon wird der Letzte dahingerafft,
Da über ihn fluthet's in wildem Gedränge,Und zertreten liegt er in Mitten der Menge.
Und sieh! aus dem Burghof flammende GlutHell lodert am Schlosse empor.
Verderbend wälzt sich des Feuers FlutDurch die Hallen hin und flammt hervorIm Nu ans allen Fenstern und Spalten,
Grell leuchtend auf Ditmarsch Rachegestalten.
Und es krachen die Balken, es fällt das Gestein,Die Zwingburg in Trümmer sinkt;
Fern bricht die Nacht über's Land herein,
Das Feuer erlöscht, der Lärm verklinge,
Es legen die Bauern zum Schlaf sich nieder:Als freies Volk erwachten sie wieder.