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warf er den Mantel über sein Antlitz undschickte sich an, sich in den Abgrund hinab-zustürzen.
Gewaltsam wurde er aber zurückgehalten.Halgrim blickte verwundert um und sah seinenHund, der den Mantel erfaßt hatte.
Eine namenlose Freude, daß doch Einlebendes Wesen nebst ihm noch auf der Erdesei, bemächtigte sich seiner. Er drückte denHund, der freudig und heulend an ihm empor-sprang, an seine Brust und küßte und lieb-koste ihn, und die Verzweiflung in seinemInnern löste sich zu einer tiefen herzbeklemmen-den Trauer.
Nicht lange, so faßte er wieder Muth,seine Wanderung nach lebenden Menschenfortzusetzen.
Jetzt gedachte er, daß er nicht mehr fernevon dem Kirchspiele Graven sein könne, demOrte, wo seine geliebte Hildegund mit ihremGatten wohne. Dahin beschloß er vor allemandern seine Richtung zu nehmen.
Unausgesetzt wanderte er mit seinem Hundevorwärts, nachdem er sich an den Beeren,welche in diesen Wäldern den Mangel desObstes ersetzen, gelabt hatte.
Die Abendsonne vergoldete mit ihrenletzten Strahlen die einsamen Thäler, alleinkein Laut erscholl an sein Ohr, kein lebendesWesen begegnete seinen Blicken.
Nun hatte er die Höhe erreicht, welchein das Thal hinabführte, dort war HildegundsBehausung.
Sein Auge suchte, wie das Auge einesFalken, ach, alles öde, alles leer,.alles leblos!
Da griff es wieder zermalmend in seinHerz, und laut schluchzend sank er in dieKniee und verhüllte sein Antlitz. Als er aberwieder aufblickte, da schien es ihm, als obsich ein ganz dünner leichter Nebel durch dieschwarzen Fichten winde, welche einen Theilder Dorfes verhüllten.
Er blickte schärfer — ein Schrei entrangsich seiner Brust, es war kein Nebel, es warRauch, der aus einem Schlotte kräuselte, und
ihm zugleich die Ueberzeugung gab, daß erdort auf lebende Menschen stoßen müsse.
Außer sich vor Freude, Hoffnung und Un-gewißheit taumelte er wie ein Trunkener dieHöhe hinab. Ein Fluß wälzte sich an seinenFüßen vorüber, ohne sich zu besinnen stürzteer sich in denselben und schwamm an dasjenseitige Ufer.
Jetzt hatte er dieses erreicht und schlepptesich weiter, bellend sprang sein treuer Begleitervoraus zur Hütte, aus welcher Halgrim denRauch wahrgenommen hatte.
Athcmlos trat Halgrim in die offene Thüre. !Auf deni Herde des geräumigen Gemaches j
brannte ei» Feuer. Wie jauchzte Halgrims j
Herz, ein Feuer! Hatte er doch dieses Schau- !
spiel so lange nicht gesehen. Bald aber drängte !
es ihn nach dem Wesen zu suchen, das dieses !
Feuer angefacht. Er schwankte vorwärts, j
plötzlich regte sich etwas im Dunkel, es war j
eine Frauengestalt, welche im Winkel mit ver- !
hülltem Antlitze saß. Jetzt vernahm sie das !
Geräusch des Nahenden, hastig erhob sie das i
Haupt — ein weithinschallender Schrei ent- j
fuhr ihrem Munde. ^
Halgrim! — Hildegund! erscholl es fast !zugleich, und beide lagen sich voll überseligerWonne in den Armen. Sie waren Beide die IEinzigen, die in ihren Thälern der schwarzeTod verschont hatte. !
Es war ein klarer freundlicher Herbst- >
morgen, welcher diesem Abend folgte, als sichHalgrim und Hildegund nach dem verlassenen -Gotteshause begaben und dort vor dem Bildedes Allerhöchsten sich voll frommer feierlicherRührung die Hände reichten und gelobten, j
hinfort nur Eins für das Andere zu leben !
und einander nie mehr zu verlassen.
Der Sage nach segnete auch der Himmel !ihre Verbindung, welche'so einsam und prunklos,nur vor dem Auge des Lenkers aller Dinge,geschlossen wurde, und Geschlechter gingen vondiesem glücklichen Paare aus, und die NamenHalgrim und Hildegund leben noch jetzt indem Gedächtnisse der Norweger.
Die Zehntenjagd der Mnmrlcher.
von Ludwig Würpel.
Weber Ditmarsch Land kaum graut der Tag,Da regt es sich droben im Schloß,
Und Trepp' auf, Trepp' ab, von Gemach zu GemachGeschäftig eilet der Dienertroß.
Heut' gilt es ein rastloses Mühen und WaltenUnd die Speicher des Schlosses bereit zu halten.
Es war der Michaelistag,
Der Zahlnngstag für's Land,
Des Volkes Freiheit darnieder lag,
Gefesselt vom mächtigen Adelsstand.
Es mußte den finstern Groll bezwingenUnd den Zehnten heute zur Zwingburg bringen