Druckschrift 
[1] (1857)
Seite
116
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

ff""'

116

III.

Ws war einmal ein Bruder und eineSchwester, die bießen Wilhelmken und Lehn-keu, die verliefen sich im Walde, daß sienicht mehr wußten, wo aus noch ein. Siegingen aber immer tiefer in den Wald, bis siezu einem Häuschen kamen, das war ganz vonPfefferkuchen gebaut. Weil sie nun den gan-zen Tag gegangen waren, auch nichts gegessenhatten, waren sie gewaltig bungrig und fingenan dem Häuschen recht herzhaft zu essen. Darief's von innen:

' Knapper, knapper KnciuSchen,

! Wer knappert mir am Häuschen'?

^ und die Kinder antworteten:

Der Wind, der Wind,

' Das himmlische Kind.

Da kam ein altes Mütterchen heraus,das war alte Mutter Theerscheu, und sagtezu den Kindern:Kommt nur herein in meinHaus!" Das tdateu die Kinder auch, weildas Mütterchen sie so freundlich aufforderte.Aber alte Mutter Theerscheu war eine böseHexe, die sperrte die Kinder in einen dunkelnKasten, daß sie die liebe Sonne und den blauenHimmel nicht sehen konnten. In dem Kastenwollte sie Wilhelmken und Lehnken mästen, bis^ beide recht fett wären, und sie dann auffreffen,denn sie war eine Menschenfresserin. Darumgab sie ihnen gut zu essen und ließ sie jedenTag einen Finger zum Loche heransstecken.Aber die Kinder steckten ein Hölzchen heraus,darin schnitt alte Mutter Theerscheu und sagtedann immer:Ei wie dürr! ei wie dürr!"und wunderte sich, daß kein Blut floß. Das^ ging so eine gute Zeit, bis sie zuletzt nur einHölzchen hatten, das steckte Lehnken herausund Wilhelmken mußte sein Fingerchen heraus-steckeu. Da schnitt alte Mutter Theerscheuin das Hölzchen und sagte wieder:Ei wie! dürr! ei wie dürr!" Aber als sie zu Wilhelmken

! kam und in das Fingerchen schnitt, daß das

! Blut nur so schoß, sagte sie:Fett genug!

! fett genug!" machte den Kasten auf und holte

! die Kinder heraus; denn sie wollte Wilhelm-

! ken braten, und Lehnken sollte ihn in den Back-

! ofen schieben. Da sagte Lehnken:Du mußt

mir's zeigen, alte Mutter Theerscheu!" Dasetzte sich alte Mutter Theerscheu auf dasOfenbrett, und wie sie oben saß. schobensie die Kinder, was sie konnten, in den Ofenhinein und schlugen die Thüre zu. Da saßsie nun im Ofen, und die Kinder machten,daß sie fortkamen. Nicht lange, da kam! ihr Mann nach Haus und hört sie schrein.

Da macht er den Ofen auf und holt sie heraus.Und es war auch gut, sonst wär' alte MutterTheerscheu verbrannt.Lauf den Kindernnach," sagte sie. Und er lief, bis er die Kin-der erreicht hatte; die hatte aber Lehnken ver-wandelt, Wilhelmken in einen Rosenstrauch undsich in eine Rose, die blühte an dem Strauche.Wie nun alte Mutter Theerscheu ihr Mannkam, wollt' er die Rose pflücken, die sticht ihnaber in die Finger. Da lief er zur alten Mut-ter Theerscheu zurück und sagt ihr, er hättenur einen Rosenstrauch und eine Rose darangefunden.Dummer Mann," sagte sie,daswaren die Kinder. Lauf gleich wieder nach!"Da waren die Kinder schon wieder weiter, aberer holte sie doch ein. Da verwandelte sichLehnken in eine Kapelle und Wilhelmken ineinen Prediger, der stand auf der Kanzel.Wie das alte Mutter Theerscheu ihr Mannsieht, läuft er zurück und erzählt, was ergesehen hat.Dummer Manu," sagte sie,'das waren sie eben. Muß schon selbst laufen."Macht sich auf und läuft den Kindern nach.Da verwandelte Lehnken sich und Wilhelmkenrasch zu Enten, die auf einem Teiche schwam-men. Die konnte alte Mutter Theerscheu nichteher fangen, als bis sie den Teich aussoff. Damacht sie sich gleich dran und wie sie nun säuftund säuft und fertig ist, da platzt ihr der Bauch.Da war alte Mutter Theerschen todt undWilhelmken und Lehnken konnten gehn, wo-hin sie wollten.

IV.

Win Mann hatte drei Söhne, davon warendie beiden ältesten klug und der jüngste dumm,wenigstens meinten's alle so. Die drei woll-ten sich, als sie zu ihren Jahren gekommenwaren, außer dem Hause verdingen. Gingdenn der älteste aus und kam in einen tiefenWald, traf dort einen alten Mann, der fragtihn freundlich, wohin er wolle. Spricht derJunge:Mich verdingen in der Fremde."Da komm mit mir," spricht der alte Mann,Du sollst mir meine drei Kühe hüten."Das that er denn auch getreulich ein Jahrlang. Da wuchs der ersten Kuh eine wun-derschöne Blume zum Haupt heraus. Undnach dem zweiten Jahr der zweiten undebenso der dritten, eine immer schöner denndie andere.

Da er nun drei Jahre dort gebliebenwar, schrieb ihm sein Vater, er solle nachHause kommen. Dem gehorchte er auch undbat den alten Mann um seinen Lohn. Daschenkt' ihm der ein Schaafchen, Schaaschen