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[1] (1857)
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flößte dem König auch sogleich mit einemgoldenen Löffelchen etwas davon zwischen diehalbgeschlossenen Lippen, worauf er bald dieAugen ausschlug und freundlich umher schaute. Die Prinzessin aber sank freudig an seinemLager nieder und der kleine Zwerg rieb sichvor Lust die Händchen.

Der junge Hirt hatte indeß das Landnach allen Richtungen durchzogen, um die Ge-gend wieder zu finden, in welcher er diePrinzessin verborgen wußte. Oft kum er wohlauf Stellen, die Aehnlichkeit mit der gesuchtenhatten, doch wenn er genau umher spähte, fander sich immer getäuscht.

So überraschte ihn im Suchen der Herbst,der ihm das Signal gab, daß er nun zu seinemHerrn zurückkehren müsse. Nun wurde er nochtrüber, und wenn er das welke Gras zu seinenFüßen sah, und wenn die gelben Blätterzahllos ihm ums Haupt rauschten, dann glaubteer, daß mit dem Ableben der schönen Zeitauch sein Dasein zu Ende ginge.

In solchen Gefühlen versenkt kam er einesTages in einen großen Wald. Er ließ seinerHeerde den Willen und folgte ihr, als ob ervon ihr geleitet würde.

Gegen Abend lichtete sich der Wald, undder Hirt sah, daß er ihn in kurzer Zeit ver-lassen würde, weshalb er beschloß, die Heerdezusammen zu treiben, um sie auf dem hohenLaube rasten zu lassen.

Doch jetzt zeigte sich die Heerde unwillig;ein großer Stier, der Anführer derselben, liefnach dem offnen Felde zu, ihm folgte in eiligenSprüngen die ganze Heerde.

Nun mußte auch der Hirt folgen, undals er aus dem Walde trat, sah er im Glanzeder Abendsonne eine Gegend, die ihm fremdwar und doch bekannt schien. Bald hatte ersich mit seiner Heerde zwischen den Felsen undSchluchten zerstreut.

Da stand plötzlich vor ihm wieder jenewundersame Blume, deren prächtige Schwesterihn einst in den Berg geführt, und die erdaselbst verloren hatte. Bei ihreni Anblicktrat die lang Gesuchte wieder ganz vor seineSeele, und sein Auge füllte sich mit heißenThränen. Er brach die Blume ab und stecktesie an seine Brust. Doch kaum hatte er siedort befestigt, als ihn auch das unbestimmteselige Gefühl wieder durchströmte, was ihnfrüher so mächtig erfaßte. Sein Herz bebte,seine Wange glühte fieberhaft und bald fühlteer, daß er mächtig fortgezogen wurde.

Er vergaß seine Heerde, vergaß Alles, alser jetzt auch plötzlich die bekannten Klänge und

die wundersame Weise des Liedes wieder hörte.Er folgte dem fortreißendeu Gefühle, ohne zuwissen "wohin. Bald stand er vor einer ge-räumigen Grotte; er stürzte hinein, sein Augeumflorte sich und er fühlte, wie ihm die Sinnein Schmerz und Lust vergingen.

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*

An der Seite der Prinzessin öffnete derjunge Hirt die Augen. Er hatte das Gebietdes versunkenen Schlosses dieses Mal vomGarten her betreten und dort war er ohn-mächtig auf einem Rasen niedergesunken.

Die Prinzessin, die gerade im Garten zuihrer Laute sang, war nicht wenig überrascht,als sie einen Mann nicht weit von ihr nieder-stürzen sah. Erst lähmte Schrecken ihre Glie-die, doch bald eilte sie dem Hirten zu und dasie ihn im bewußtlosen Zustande fand, eiltesie schnell zu einem Springquell, tauchte ihrenSchleier hinein und benetzte das Gesicht desOhnmächtigen mit der kühlen Fluth. So er-wachte der Hirt, und nun erst erkannten sichbeide und der Hirt überdeckte die Hände derPrinzessin mit Freudethränen und heißen Küssen.

Die Prinzessin führte den Hirten nacheiner Laube und da erbat sich derselbe die Ver-zeihung für seinen vorigen Haß und gelobtefortan die Einsamkeit mit ihr zu theilem

In dem Augenblicke kam auch der Königauf den kleinen Zwerg gestützt, in den Garten.Die Prinzessin flog ihm entgegen, doch derHirt blieb in der Laube zurück.

Als er den König eintreten sah verfinstertesich sein Gesicht; der alte Groll trat wiederin seine Brust und seine Gedanken waren involler Bewegung. Da stand die Prinzessinmit dem Könige vor ihm Er wollte entfliehn,doch die Prinzessin faßte liebreich seine Handund sah ihm flehend ins Auge. Er wandtesich ab, da trat der König von der andernSeite herzu und mit zitternder Stimme riefer ihm das:Verzeihe!" entgegen. Dasrührende der Stimme, der feuchte Blick derPrinzessin, machte sich Bahn zu seinem Herzenund nach einem letzten, kurzen Kampfe sank erdem König an die Brust und leise sprach er:Ich bin besiegt!"

Da war nun eine unaussprechliche Freude,und sogar der kleine Zwerg schlug vor Lusteinen Purzelbaum auf dem weichen Rasen.

Arm in Arm gingen die drei Glücklichenins Schloß, und bald' saßen sie fröhlich beieinem Mahle, das die Prinzessin mit Hülfedes Zwerges hergerichtet hatte.