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die Prinzessin, wie er täglich bleicher und ge-beugter umher schlich und oftmals preßte ihrdie Furcht, den Vater zu verlieren, bittreThräuen aus.
So saß sie auch einst weinend in ihremGärtchen; sie hatte das Haupt in ihren Schooßgebeugt und überließ sich ihren trüben Gedanken.
Als sie den Kopf erhob, gewahrte sie umsich den blendenden Glanz, mit welchem derErdgeist ihr einst erschienen war. — Sie warerstaunt, und als sie wie träumend umherstarrte, trat der Erdgeist an sie heran undsprach: „Fürchte dich nicht, und gieb die Hoff-nung nicht aus!" —
Dann reichte er ihr wieder ein Saamen-korn, wie beim ersten Erscheinen, worauf erwieder eilig verschwand.
Die Prinzessin legte das Saamenkornwieder in die Erde und eilte zum König, umihm die Erscheinung und den Trost des Erd-geistes zu verkünden. Aber wie sank ihr derMuth, wie zerrann ihre Hoffnung, als sie denKönig todtkrank auf seinem Lager fand. —
Der junge Hirt war indessen mit seinerHeerde zu seinem Herren zurückgekommen.
Bald kündete er diesem den Dienst auf,nahm seine Brüder zu sich und zog mit ihnenfort in ein anderes Land.
Nach einiger Zeit bewohnte er ein großesprächtiges Schloß, hatte eine Menge Diener,hielt sich viele edle Pferde und Hunde und ^führte ein Leben wie ein König, voll Lust undVergnügen, wobei seine Erfindung zu neuenFreuden unerschöpflich war.
Das batte er alle dem kleinen Säckel zuverdanken, den er mit sich aus deni versunkenenKönigsschlosse nahm. Der war nehmlich ganzund gar mit Edelsteinen gefüllt, wovon' einjeder viele Tonnen Gold an Werth hatte. —
Er setzte einen Stein nach dem andern um;und dann gings wieder ans Jubiliren undSchwärmen.
Natürlich hatte er eine Menge Freunde,die ihm das Gold verzehren halfen und ihmdafür das Leben angenehm zu machen wußten.
So verdrängte ein Fest das andere, unddas letzte war immer strahlender als das ver-gangene. Dann gabs eine Hetz-Jagd, dannein Wettrennen, und so ohne Ende fort, daßselbst seine Freunde staunten. Wer aber denFestgeber betrachtete, sah bald ein, daß er durchden Rausch der Gelage sich nur zu betäubensuchte. Nie war er recht von Herzen froh,und oft kam es vor, daß er still aus denglänzenden Hallen seines Schlosses schlich unddie Einsamkeit suchte. —
Das brachte Alles die Erinnerung an dieschöne Prinzessin im Berge. Ihr herzzerreißen-der Schrei, als er sich ihr so furchtbar bekanntmachte, gellte noch immer durch seine Ohrenund dieser Schrei war der Wecker seines Mit-leides, obgleich er es sich selbst nicht gestehenwollte.
Immer rauschender wurden seine Gelage,immer wilder stürzte er sich in den Strudelder Lust; aber es war vergebens, das Bildder Prinzessin war nicht ans seiner Seele zuverbannen, ihr Schrei tönte durch sein Herzund oft wünschte er, daß er sie doch errettethätte. —
Doch endlich versiegte der Born seinesReichthums, denn es fehlte ihn, die ersetzendeQuelle.
Nach und nach stellte er die Feste ein.Der letzte Edelstein war verschwunden, Pferdeund Rüden wurden abgeschafft, bis er zuletztseinen Brüdern das Schloß ließ und sichheimlich entfernte.
Jetzt, als er wieder heimathlos und unftätumher schweifte, erwachte die Neue um so hef-tiger, daß er die Prinzessin nicht ans demBerge befreit hatte. Sein Vorwurf wurdefast zur Verzweiflung, denn er hatte des HerzensStimme nicht ersticken können. Er bezwangseinen Stolz und kehrte zu seinem alten Herrnzurück und bot ihm von Neuem seine Dienste an.
Der nahm ihn gern wieder auf und schonnach wenigen Tagen zog er mit seiner Heerdevon dannen. In dem Reiche der Natur hatteer bald seine letzte, rauschende Vergangenheitvergessen und es lebte in seinem Gedächtnißnur die bleiche, schöne Prinzessin.
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Die Prinzessin saß am Lager ihres Vaters;das schöne Antlitz war von heißen Thränenübergossen und tief in ihr Gewand verhüllt.Der König lag seit vielen Stunden schon mitgeschlossenen Äugen da, und die Prinzessinwagte nicht den Blick zu erheben, fürchtend,daß sie den Vater todt erblickte.
Der kleine Zwerg hatte sie auch verlassenund so fühlte sie sich jedes Trostes beraubt.
Nach einiger Zeit hörte sie hinter sich einleises Geräusch, und als sie nun endlich ängst-lich das Haupt erhob, da stand vor ihr derZwerg und blickte freundlich zu ihr empor.
Der Zwerg hielt eine Muschel in derHand, die mit einem dunklen Safte gefülltwar, welche er der Prinzessin mit der Weisungüberreichte, dem Könige davon zu geben. Diese