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Bald stand er m der Schlucht, in derNachts zuvor seine Heerde gelagert hatte; dortsah er mit großen Augen um sich uud vollerErstaunen entdeckte er am Ende derselben einenEingang, der in den Berg führte.
Jetzt hörte er auch deutlich das zaubrischeLied aus dem Berge schallen; er eilte demEingänge zu, und bald war er in der Dunkel-heit verschwunden.
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Der König lag vom süßen Weine berauschtauf einem weichen Polster, die Prinzessin saßniit ihrer Laute im kleinen Garten, als derHin in das versunkene Schloß kam. Alleswar hell erleuchtet. — Der Zwerg trat demHirten lächelnd entgegen und führte ihn durchlange prächtige Korridore und Hallen, nachdem Garten, zur staunenden Prinzessin.
Die Prinzessin war bleich, wie ein Marmor-bild, deshalb blieb der Hirt, wie vor einemgeisterhaften Wesen erschreckt, in der Ferneflehen. Als er endlich näher trat, sich vor derPrinzessin verneigte und sein Auge auf ihrGesicht heftete, da trat er zitternd einigeSchritte zurück und die Zeichen des Schmerzesund der Wuth kamen in seine Züge.
Er hatte die Prinzessin erkannt und dieErinnerung an seines Vaters Tod preßte ihmdie Hände krampfhaft zusammen.
Die Prinzessin war nun noch mehr er-staunt, als zuvor; da sie den jungen Hirtennicht erkannte, kam ihr dessen Zurückschreckenräthselhaft vor, und um das Ende der Span-nung herbei zu führen, schritt sie dem Hirtenentgegen und sagte zu ihm: „Fürchte dichnicht! von Allem, was du hier im Schlossesehen wirst, darfst du als dein Eigenthumnehmen, was dir gefällt; doch, vergiß dasBeste nicht!"
Der junge Hirt hatte seinen Zorn be-meistert, er wollte den rechten Moment ab-warten, in dem er die Prinzessin durch dasBekanntmachen seiner Person niederschmetternwollte; er erkannte, daß die Prinzessin sichselbst als das Beste betrachte, und er wolltesie um so mehr durch die Wahl irgend einesniedrigen Gegenstandes zurückstoßen.
Die Prinzessin führte den Hirten durchalle Gemächer und erzählte ihn, dabei ihr Un-glück; hierbei wurde der Hirt gewahr, daßauch der König mit in dem Schlosse sei.
Der Hirt sah absichtlich so Manches genauan, und das Auge der Prinzessin verfolgteseine Bewegungen niit der größten Spannung,
wobei sie oft leise sprach: „vergiß — dasBeste - nicht!" —
Endlich kamen sie in die Schatzkammer.Da stand in vielen Säckeln das gemünzte Gold;anderes lag in roth schimmernden Haufen ringsumher.
Jetzt erst stand der Hirt vor der Prin-zessin still und mit lauter Stimme sprach er! zu ihr: „Sieh inich^an! erkennest du mich, nicht? Ich bin der Sohn des Schatzmeisters,j den dein Vater schuldlos richten ließ I Wo istj dein Vater, daß ich das Leben des meinigenund des meiner Mntter an ihm räche? ' —Hoffe nicht, daß ich euch befreie; sieh her,diesen Säckel elenden Goldes Wöhle ich; erist mir theurer als der Mörder meines Vatersund dessen Kind!" —
Hiermit griff er einen Säckel und schwangihn mit strotzender Kraft auf seinen Nacken.
Die Prinzessin aber wurde noch bleicher;sie stieß einen lauten Schrei aus und sankleblos auf den Boden hin. Der Hirt sahsich kaum »ach ihr um; er stürzte aus der! Kammer um den König zu suchen, doch eswar plötzlich dunkel im Schlosse geworden under verirrte sich so, daß er sich nicht mehr zurechtfinden konnte, bis er endlich den Ausgangwieder erreichte. Er wollte sich daselbst auf-stellen, — den er glaubte der König würdemit der Prinzessin ihm folgen und er wollteihnen den Ausgang verwehren — aber derEingang schlug, als er kaum außen war, dichthinter seinen Fersen prasselnd zusammen.
Die Prinzessin kam in den Armen ihresVaters wieder zur Besinnung, und als siedem König das Ereigniß, das sie so furchtbarergriffen, mittheilte, erfaßte auch ihn ein un-i geheurer Schmerz.
i Jetzt erkannte er plötzlich, daß die Strafegerecht war, die ihm der Himmel zugefügt.
Seit dieser Zeit war er umgewandelt; erwar von Geiz, Habsucht und Grausamkeit miteinem Schlage befreit. Nicht einmal mehrsah er nach der Schatzkammer; nicht einmalmehr begehrte er sein Gold zu vermehren unddabei war auf seinem sonst starren Gesichteder Stempel der tiefsten Reue ausgedrückt.
Seit der Umwandlung des Königs besorgteauch der kleine Zwerg pünktlich seine Befehleund Wünsche, und die Prinzessin vergaß vorFreude ihren eignen Kummer.
Aber die Gesundheit des Königs unterlagauch seiner Veränderung; mit Schrecken sah