Der König wollte nun gleich eine MengeLichter anzünden, doch die Prinzessin gab dasnicht zn; sie hielt Maaß mit Allem und behalfsich mit einem kleinen silbernen Lämpchen.
Auch die Mahlzeiten theilte die Prinzessinso ein, daß sie kaum satt wurden, denn siebedachte, daß der Vorrath zu Ende ging. —So lebte mm das königliche Paar in demunterirdischen Schlosse fast zufrieden, undwenn die Sehnsucht nach der Oberwelt einmalrecht laut an ihre Herzen pochte, dann suchtensie sich gegenseitig Trost zu sprechen, so gutes ging.
Der König machte sich eine Beschäftigung ;er setzte sich in die Schatzkammer und zähltedie großen Geldhaufen.
Die Prinzessin hatte im Hauswesen genugzu thun, und wenn sie davon rastete, ging siein ihren Garten und übte das Lautenspiel undden Gesang, welche Kunst sie von einem fahren-den Sänger erlernt hatte. —
Das" wäbrre so eine lange Zeit; dochendlich ging der Vorratb zu Ende.
Als die Prinzessin dem Könige den letztenRest der Speisen vorgesetzt hatte, ging sietrostlos in ihr Gärtchen und weinte laut. Siehatte das bald verlöschende Licht beim Königzurück gelassen und saß in dichter Finsterniß.Als sie einmal zufällig in die Höhe blickte,sah sie in weiter Ferne einen Tagesschimmer,doch war er nur so groß, als ein Sandkorn.
Das kleine Licht machte ihr Sehnen nachBefreiung noch größer, und während sie mitaller Sehkraft nach der Höhe starrte, ver-breitete sich um sie ein Heller Lichtglanz undauf sie zu trat eine hohe Gestalt, im dunklen,faltenreichen Gewände.
Es war der Erdgeist, welcher alsbald zuihr sprach: „Dem Flehen der Unschuld und„kindlichen Liebe sind die Ohren der Geister„nicht verschlossen! ich komme dir zu dienen;„womit kann ich Heiken?" —
Die Prinzessin war bei der Erscheinungdes Geistes ängstlich zusammen gesunken; sietraute der Verheißung kaum, doch als sie dieAugen erhob und der Geist noch immer dastand, da hielt sie die Hände flehend emporund sprach: „„Wenn dir die Macht gegeben,dann führe uns ans Licht der Sonne!"" —Der Geist sprach: „das kann ich nicht!doch euer Dasein will ich fristen, bis ein Menschdurch meine Hilfe in dies Schloß gelangt, deres ohne böse Leidenschaft wieder verläßt!" —Darauf gab er der Prinzessin ein Saamen-korn, mit der Weisung es zu pflanzen und denkommenden Keim wohl zu pflegen.
Dann winkte er nach dem Hintergründedes Gartens und aus dem Innern einesBosquets trat ein Zwerglein hervor, daß sichtief vor der Prinzessin verneigte.
Der Erdgeist sprach: „diesen Zwerg lasse„ich dir als Diener zurück; er wird für Alles„sorgen, was ihr bedürft!"
Darauf war der Geist plötzlich verschwun-den, doch der Glanz, der ihn umringt hatte,blieb im Garten zurück und bestrahlte als einanderer Mondschein Blumen und Gesträuch.
Die Prinzessin sah an dem Saamenkornund an dem Zwerge, daß sie sich nicht getäuschthatte. Freudig eilte sie zum Könige und thatihm Alles kund.
Der Zwerg war mit der Prinzessin zu-gleich eingetreten und da der König einenBeweis von der Verheißung des Geistes habenwollte, so befahl er dem kleinen Diener, mehrLicht zu schaffen. — Doch es blieb Allesdunkel, wie zuvor.
Doch als sich nun die Prinzessin bittendzu dem Kleinen wandte, wurde das Schloßplötzlich wie von tausend Kerzen erhellt. —
Der König merkte bald, daß der Zwergfür ihn nicht als Diener da war, denn wederseine Befehle noch Bitten wurden von ihmbeachtet, während die leiseste Mahnung derPrinzessin ihn schon zur Ausführung ihrerWünsche trieb.
I Als die Prinzessin sah, daß der König! sich noch immer so gern mit dem Gelde be-schäftigte, mußte auf ihre Bitte der Zwergdie ganze Schatzkammer mit Goldmünzenfüllen, und nun saß der König immerfort undzählte und füllte das Gold in kleine Säckchen. —
Aus dem Saamenkorn, welches der Geistder Prinzessin gegeben hatte, war inzwischeneine Pflanze entstanden, die durch die Pflegeder Prinzessin so heran gewachsen war, daßsich ihre Blätterkrone in der Höhe verlor.
Seitdem die Prinzessin durch den Geistwußte, daß es überhaupt möglich war, daßein Mensch zu ihr in das Schloß kommenkönne, arbeitete sie mit Hülfe des Zwergesemsig an einem reichen Gewände. Sie hoffte,daß ein Ritter sie einst befreien würde und inihren einsamen Stunden dachte sie oft nach,wie sie den einstigen Befreier gebührend be-lohnen und ihm danken sollte. —
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Die Söhne des unglücklichen Schatzmeistersz zogen lange unstät und flüchtig umher, «sie! kannten die Arbeiten des einen, wie des andern