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[1] (1857)
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kannst nichts Besseres thun, als faullenzen,wie hundert Andere, und Dich von dem reichenGutsherrn ernähren lassen.

In etwas erleichtert, durch den Entschluß,den er so eben gefaßt hatte, erhob er sich vondem steine und trieb seine Kühe wieder vorsich her. Da gesellte sich ein Fremder zu ihm,der sah ihn mit einem mitleidigen Blicke anund sprach: Paddy, wahrhaftig du dauerstmich, denn du lebst nicht viel besser als dasVieh, welches du am Stricke führst, und bistdoch all dein Lebtag ein braver Kerl und einfleißiger Bauer gewesen.

Paddy war eben nicht sehr aufgelegt,fremden Trost zu höre», darum sprach er etwasunwirsch: Was kümmerts euch? Ihr werdet'smir doch nicht besser geben! Man sieht's Euremverschlissenen Mantel an, daß Ihr selbst einarmer Schlucker seid.

Hm, Paddy, entgegnete der Fremde, derMantel ist freilich nicht neu mehr, aber ichhabe etwas darunter, was mehr werth ist, alsganz Irland, und ich bin nicht abgeneigt, esdir für deine beiden Kühe zu verkaufen. Uebri-gens, Paddy, ist es nicht hübsch, Leute, die esgut mit dir meinen, so anzuschnauzen

Paddy war neugierig, was er so Köstlichesunter dem Mantel haben könnte, und sagte:Das müßte ein Diamant sein, so groß wie einKuhkopf, und so einen giebt es in der ganzenWelt nicht.

Es ist kein Diamant!"

Kein Diamant? So müßte es eine Reli-quie sein; ein Stück vom heiligen Kreuz oderein Tropfen getrockneten Blutes aus den Wund-malen des Heilandes!

Auch nicht, Paddy!"

So ist's ein Bann- oder Zauberbuch.

Beinahe so etwas, Paddy, doch nicht ganz."

Paddy rieth noch vielerlei, traf aber im-mer das rechte nicht Endlich zog der Manneine gewöhnliche Flasche hervor und sprach:Sieh, Paddy, wie ungläubig du auch den Kopfschütteln magst, so versichere ich dir doch aufEhre und Seligkeit, daß seine Lordschaft, deingestrenger Gutsherr, all seine Schlösser undAecker für diese unansehnliche Flasche gebenwürde; du aber kannst sie um deine zwei Küheerhandeln, woraus du abnehmen magst, daß !ich ein treuer Freund bin, der es mit demPaddy wohl meint. !

Was nützte mir die Flasche? fragte Paddy;kann man nicht mehr als hundert derselben für 'zwei Kühe haben?

Gar keine einzige, Paddy, und wenn dumich unwirsch machst, auch diese nicht mehr;

ich sage es dir noch einmal, daß Seine Lord-schaft nicht allein alle seine Güter, sondern auchseinen Sitz im Parlament dafür geben würde.

In der Flasche sitzen nämlich, mein guter Paddy,ein paar Kreaturen, die bald als Zwerge, baldals Riesen erscheinen, je nachdem es in dieUmstände paßt, und was man ihnen befiehlt,das thun sie, was man von ihnen verlangt,das bringen sie.

Als das der Paddy hörte, riß er denMund bis hinter die Obren auf und starrtedie Flasche wie eine verzauberte Prinzessin an.Wenn du Wahrheit sprichst, sagte er, so würdeich dir mit Freuden meine zwei Kühe für dieZauberflasche geben. Erlaube, daß ich erst ihreKraft ein Bischen probire. Wie will denn aherdie Flasche angeredet sein?

Du brauchst sie nur auf den Boden zustellen, und leise zu sprechen: Flasche thuedeine Schuldigkeit, so stehen die Leutchen, welchedarin sitzen, zu deinen Diensten bereit.

Paddy stellte die Flasche vor sich hin undsprach: Flasche thue deine Schuldigkeit! So-gleich stiegen ein paar Zwerglein heraus und frag-ten: Was ist dein Begehr? Bringt mir ein Mahl,so gut wie es der König hat, sprach Paddy.

Im Nu waren sie bei der Hand, stiegenaus und ein, holten Tisch und Stuhl, TischtuchTeller und Serviette und eine Menge köstlicherSpeisen und Getränke hervor und verschwanden idann wieder. Paddy fiel wie ein hungrigerWolf über die Kostbarkeiten her und vertilgteeine unglaubliche Menge von Gebratenem undGesottenem, ohne der reichlichen Mahlzeit Herrzu werden.

Wahrhaftig, sprach er zu dem Fremden, dieFlasche gefällt 'mir und ich will euch meine zweiKühe dafür geben.

Ich wußte es wohl, sagte der Fremde, er-griff die Kühe bei dem Seile, das sie um dieHörner gewunden hatten, und wanderte vondannen, im Umsehen noch zurückrufend: NunPaddy, nimm die Flasche wohl in Acht undzerbrich sie nicht; denn in den Scherben würdenicht mehr Zauberkraft sitzen, als in einer zer-brochenen Fensterscheihe, wohl aber würde dirdann das Leben verleidet werden. ^

Es kam dem Paddy ein wenig lächerlich !vor, daß der Fremde von Zerbrechen sprechen !konnte; verstand es sich doch von selbst, daßman einen solchen Schatz wie seinen Augapfelhütet. Einen Plan für die Zukunft machtePaddy nicht erstens, weil ihm das gar nichteinfiel, und zweitens, weil es im Grunde ge-nommen , auch gar nicht nöthig war. Aber einGedanke fuhr ihn, unaufhörlich durch den Kopf, -