Druckschrift 
[1] (1857)
Seite
99
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

99

Gewiß nicht," antwortete Grete,dieandern Mädel, welche mit mir groß gewordensind, haben schon alle den Kranz getragen, nurich sitze hier noch zu Hause, ich kann doch jetztnicht hingehn und fragen: Hans willst du michnoch?"

Nein," erwiederte Jörgen,aber ich willeinmal hingehn und sehn wie er von dir spricht."

Nach einem heißen Tage saß Hans desAbends vor seiner Hausthüre und betrachtetedie Erbsen und Bohnen, die eben in vollerBlüthe standen, da sah er den Jörgen herankommen.

Guten Abend Hans," sagte dieser,ihrsitzt ja da, wie im Paradiese."

,O, ja," antwortete Hans,wenn nur einehübsche Frau neben mir in diesem Paradiese

Jörgen freute sich, daß Hans ihm so aufhalbem Wege entgegen kam, und fragte:Willsich's denn noch immer nicht treffen, daß ihrdie Rechte findet?"

Es hat sich schon längst so getroffen," er-

wiederte Hans,doch ist manchmal einAber"dabei."

Nun, so ein Aber läßt sich auch aus-löschen," meinte Jörgen,doch ich will deutlichmit euch reden: Hans, ich weiß ihr habt frühermeine Grete gern gesehn, und wenn's noch soist, kommt nachher und trinkt einen SchoppenBier mit mir, dann wollen wir weiter darübersprechen."

Da zog Hans flink seinen Sonntagsrockan, und ging nach Jörgens Haus.

Grete stand in der Hausthüre und lachteihm freundlich entgegen.

Nun ist es doch so gekommen, wie eskommen sollte Hans," sagte sie ihm in's Ohr.

Nun wollen wir bald Hochzeit machen,"erwiederte Hans laut.

Ei, Ei, da habt ihr ja schon allesbesprochen, was erst beim Bier geschehen sollte,"rief Jörgen aus der Stubenthüre heraus :Grete!hole einen tüchtigen Krug voll aus dem Keller."

Und ehe noch die Kirschen ganz reif ge-worden, waren Hans und Grete schon Mannund Frau.

Die Wunderflasche.

Irisches Volksmärchen von W. Herchenbach.

Daddy, ein irländischer Bauer, mochtearbeiten und sparen, wie er wollte, er brachtenichts vor sich. Wenn es ihm am schwerstenwurde, die Pacht zu erschwingen, denn gradegedieh die Erndte am schlechtesten, und hatteer die Scheuer bis an die Schließbalken voll,dann war hundert gegen eins zu wetteu, daßer den Schweiß seiner Arbeit nur mit einemSpottpreise bezahlt erhielt.

Sein Gutsherr aber war ein reicher Lord,der auf den Tag sein Geld verlangte, keinerleiRücksicht auf Wetter und Kornpreise nahm,aber mit jedem Jahre die Pacht in die Höheschraubte. Paddy's Verhältnisse verschlimmertensich unter solchen Umständen mehr und mehr,bis sein ganzer Viehstand auf zwei Kühe zu-sammengeschmolzen war.

Als nun wieder der Zahlungstermin her-anrückte, Paddy's Lräckel aber kahler als jewar, entschloß er sich mit betrübtem Herzen,seine zwei Kühe zum Markte zu bringen, umseinen strengen Gutsherrn zu befriedigen.

Auf dem Wege überkam ihn das Leid überall sein vergebliches Mühen und Arbeiten under setzte sich auf einen Stein am Wege undweinte, wie ein Kind. Paddy, sagte er zu sichselbst, du bist jetzt fünfzig Jahre'alt; das isteine lange Zeit. Du hast dich Tag um Tagmit der Sonne erhoben und bist erst spätzu Bett gegangen Es ist keine einzige Erd-scholle auf deinem Acker, die du nicht mitdeinem Schweiße genetzt hast. Du bist keinTrinker und kein Spieler, du hast niedein Morgen und Abendgebet vergessen. Esgiebt Leute, die viel schlechter sind als du;und dennoch haben sie ohne Arbeit und Gebetim Ueberfluß. Paddy, du hast alles versucht,um durchzukommen, und jetzt, nach so vielenMühseligkeiten bist du auf dem Wege, deinebeiden einzigen Kühe zu verkaufen, die dichlange mit ihrer Milch und Butter genährthaben. Paddy, was kannst du nun noch thun,um deinem Schicksale eine andere Wendungzu geben? Paddy, du bist ein Dummkopf, du