80
Ruhend in einem gar lieben geschrotenen Häuschen, aus neuen,
Luftig geschichteten, glatt und sauber geschnitzeten Spähnen;
Nur drei Purpurtropfen getrockneten Blutes an Einem.
Zehnmal hall' er um weit ihm geringere Dinge daö kleineLeben gewagt — wie, den Sprung jetzt nicht in die mäßige Tiefe?
Da es die Kinder galt, Frau, Reich und ewige Nachkunft.
Sieh, und er sprang in den Kasten, und sah nicht lang' sich darum um —Rasch, mit dem spitzigen Schnabel, der Nätherin Nadel vergleichbar,Spießt' er den Kürbskern auf, um mit dem gestohlenen Gut heimIn den Pallast als Kinder erlösender Vater zu fliegen,
Nur noch klopft' ihm das Herzchen und angstvoll ahndet' ihm Unheil,Stürzte die Decke des Hauses ihm über dem Kopf ein,
Und da saß er gefangen, das Haus mit Erbauer verwünschend.
Aber den Redlichen hatte die Sonne gekannt, der vor ArmuthIhn nicht kennend — „aus gut Unglück" es erbaute dem Enkel.
Längst in den Wald her war ein Mann mit dem Weibe gezogenAls ein liebender Vater der Honigvögel, der Bienen.
Ihn stach keine; sie wußten es, daß er cs bös nie, nur gutMeinte zu ihnen, sogar wenn er zeidelte, ihnett die schwerenHonigscheiben, und Brut zu vermehreten Körben, dem Korb nahm,
Denn ihm duftete dann sein Blut sanft: freundliche Sorgfalt.
Doch wer nach Bienen umherschlägt—Fürchtend fürchten sie wieder,Kommen dem Schlage zuvor und stechen ihn, daß ihm der Kopf schwillt;Doch ihm fehlte noch immer die erste geschwollene Nase.
Also zogen die Tage der Frühlinge, Tage der Herbste
Heiter ihm über das Haupt. Und als er sich einstens im Spiegel
Sähe, da war er alt, wie mit silbernen Haaren verschneiet.
Fort war ihm aus seiner mit Moose begrüneten Hütte
Sein gut Weib! Doch neben ihm stand als erwachsener Sohn sie;
Neben dem wieder ein blühendes Weib; und neben der MutterSchon sein Enkel. Da wundert' er sich, ward stiller und stiller,
Matt und matter, und legte zuletzt auch selber am Tage
Aus sein Bett' im Stübchen. Ihm that nichts weh, und die Zeit ward
Ihm nicht lang; denn dieselbe, die freundliche Sonne ja schien ihm
Heiter herein; früh kam ihm die Morgenröthe, zu Abend
Kam ihm der Abendstern, und der Enkel dann setzte sich zu ihm.
Endlich schwiegen sie, hielten die Hände sich, bis er in Schlaf sank.Schlaf ist Kindchen am Busen der Mutter, daö süßeste Werk schon,
Aber der seligste Schatz arm wordenen Alten ist Schlaf! Schlaf!
Immer die Nacht still hatte der Gute gesonnen ... gesonnen :
Was er dem Enkel verlasse? — Doch Nichts wo besaß er zu schenken.Und doch sollt' es dem Knaben, dem Mann' und einstens dem Greis nochEin Andenken ja sein, das dem Enkel er wieder verlasse....
Ammer zu selbiger Lust in verjüngeter Reih' der Bewohner...
Ein Andenken an ihn, an das HauS und die heilige Zeit drin.
Und er hatt' cs ersonnen. Da ließ er geschlichtete Scheitchen,
Hohlbor, Schnitzer und Bretchen, nur zwei in das Bette sich bringen,Drin er sich alles verbarg, nur einsam schnitzend im Sonnenschein,
Wenn er allein saß; und früh kehrte die reinliche HausfrauSpähnchen vom Bette nur weg, drin schalkhaft lächelnd er stumm blieb.
Einst früh meint' er: Ich sterbe noch heut; und grad' bin ich fertigErst mit dem letzten Schnitt' Hab' ich in den Daum mich geschnitten.Freundlich berief er den Knaben, ihm nieder zu knieen am BetteUnd mit zitternder Hand froh langte er unter der Decke